Herbstreise durch Slowenien 2011

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Am Montag den 12.9. begann für die Interessierten der Wiener Stadtarchäologie die fünftägige Reise zu Sehenswürdigkeiten Sloweniens bis zur Adria bei Portoroz. Bevor wir das 4-Sterne-Hotel Slovenija in Portoroz erreichten, steuerten wir am ersten Tag nach dem freien Grenzübertritt bei Spielfeld eher außer Programm für unsere zweite Pause den kleinen Ort Sempeter (früher St. Peter) an der alten Römerstraße 12 km westlich von Celje im Savinjatal an. Dort befindet sich der am besten erhaltene römische Friedhof Sloweniens aus der Zeit des 1. – 3. Jh. n. Chr. Das Gräberfeld wurde im 3. Jh. durch eine Überschwemmung zerstört; etliche Grabsteine zum Teil von enormem Ausmaß wurden im Flussschotter begraben und ab 1952 bei Erdarbeiten entdeckt und wieder freigelegt und aufgebaut. Im Prospekt sind die wichtigsten Gräbernamen angeführt: Vindonius (1. Jh.), Ennius, Spectatius (2. Jh.), Secundinus (3. Jh.). Der Friedhof war über zwei Kilometer lang und befand sich an einer wichtigen Kreuzung mit einer Nord-Südverbindung. Die Grabbeigaben wurden in das Regionalmuseum Celje gegeben.

Nach fleißigem Fotografieren rief unser bewährter Reiseleiter Janos Rudas zum Aufbruch, wir wollten doch noch ausgiebig die Burg Predjama erkunden. Nach nicht allzu langer Fahrt näherten wir uns einer Felswand hinter einem kleinen Ort.

Wie ein riesiges Schwalbennest hängt dort die Burg aus dem 12. Jh. mit etlichen Ergänzungsbauten bis zum 16. Jh., das muss man gesehen haben. Alles was das Herz von einer Burg begehrt ist hier zu sehen, von der Kemenate bis Rittersaal mit stilgerechten Puppen bis zum Burgverlies, Bilder-, Wappen- und Waffensammlung sowie der Sarkophag des Prinzen Hugo Alfred v. Windisch-Grätz. Nach stundenlanger ausgiebiger Besichtigung labten wir uns im Burgrestaurant am Ende der Zufahrtsrampe, bewunderten noch eine jahrhundertealte Linde und setzten unsere Fahrt in Richtung Adriaküste fort.

Die Landschaft mit ihrer gepflegten Landwirtschaft ist dem südlichen Österreich ähnlich, einigen von uns fiel gleich auf, dass in den Straßen der Orte und auch außerhalb auf  Sauber-keit großer Wert gelegt wird. Mit der Zeit riecht man bereits das Meer, Zypressen und Palmen mischen sich in die Gärten und das Straßenbild, und auf einmal sind wir da an der slowenischen Küste in Portoroz. Das Hotel ließ keine Wünsche übrig, eine Empfangsdame begrüßte uns beim üblichen Umtrunk. Manche kannten natürlich schon den Ort, erkundeten aber mit den Neuen, was es an Interessantem gibt. Das Wetter war in den vier Tagen einfach traumhaft und wie bei uns im wärmsten Hochsommer, die Zimmer klimatisiert nach Belieben. So schwärmten wir aus zu Spaziergängen, Strandbenützung, Lokalsuche, Souvenirs, Schwimmbad, warmem Thermalbad bis eventueller Thalasso-Massage. Die Verpflegung im Hotel war vielfältig und reichhaltig wie es sich gehört, unser Kellner merkte sich nach dem ersten Mal, was wir an Getränken bevorzugten und hielt uns diese bereits ohne Verlangen vor die Nase.

Dienstag, 13.9., wurde die Wehrkirche Hrastovlje (romanisch, 12. Jh.) im östlichen Umland besucht. Die Straße war dort unserem tüchtigen Buschauffeur etwas zu schmal und steil, wir blieben aber alle heil. Hier thront wie in vielen alten Dörfern Sloweniens die Kirche am Gipfel des Ortshügels wie ein Hirte über seiner Herde. Vor etwa 500 Jahren zur Zeit der Türkeneinfälle entstand eine Kirchenfestung, der Verlauf von Wehrgängen kann noch heute erahnt werden. Im Inneren der Kirche staunt man gleich über die rundum laufenden Fresken; kein Zentimeter blieb unbemalt. Die dargestellte naive Bibel (biblia pauperum) wurde bis 1490 vom istrischen Künstler Janez iz Kastva (Johannes de Castuo) geschaffen. Die mittelalterliche Schöpfungsvision wird hier dem Volk optisch erklärt, angefangen mit den zwölf Aposteln um den Gnadenaltar, die Verkündigung, Genesis und Passion Christi, die Hl. Drei Könige, Heilige und Propheten, zwölf Monatsbildern bis zu Stillleben mit Brot und Käse. Am herausragendsten ist jedoch der weltberühmte Totentanz an der Seitenschiffwand. Vom Papst bis zum Kleinkind werden alle Stände vom Tod an der Hand genommen und aus dieser Welt der Torheit und des Ehrgeizes geführt. Ist diese Darstellung vom damals aufkommenden Humanismus beeinflusst oder ist sie aus alter istrischer Bauernweisheit entstanden? Man weiß es nicht. Die Feigen waren in den Gärten schon reif; wir pflückten ein paar überhängende und kosteten: bei weitem nicht so süß wie die getrockneten.

Nachher stand die Besichtigung von Piran am Programm. Es ist ein bekannter Urlaubsort auf einer Landzunge nordwestlich von Portoroz mit allen touristischen Möglichkeiten. Ins Auge fallen neben der alles überragenden Hauptkirche des Hl. Georg eine bewehrte Kastellmauer, der schöne Leuchtturm an der Landspitze und neben dem Hafen die ganz italienisch anmutende Uferpromenade der Altstadt. Neben einigen weiteren Kirchen sind noch das Misana- und Dolfino-Tor in Hafennähe erwähnenswert, nicht zu vergessen der Tartiniplatz, benannt nach dem in Piran 1692 geborenen Violinisten und Komponisten Guiseppe Tartini. Als Konzert-meister wirkte Tartini ab 1721 in Padua. In seinen jungen Jahren entdeckte er die Kombinationstöne (Tartinische Töne). Er schrieb 140 Violinkonzerte und 160 Violinsonaten (u. a. die Teufeltrillersonate) nebst 50 Triosonaten und das Variationenwerk „L´Arte dell´arco“. Er starb 1770 in Padua, war also ein Musiker des Spätbarocks, würden wir sagen. Am Tartiniplatz fotografiert wohl jeder sein Denkmal vor dem Gemeindepalast. An der nördlichen Ecke des Tartiniplatzes kann man das prächtige Venezianische Haus bewundern. Wir durchquerten den Ort, nachdem wir uns in einem Hafenlokal verpflegt hatten, und genossen die schöne Aussicht gegen Norden hinter der Hauptkirche an einer sehr hohen Küstenstützmauer mit Blick auf Koper und Izola. Nach einem Kaffee am Tartiniplatz fuhren wir mit dem Linienbus um wenig Geld die zwei Kilometer nach Portoroz zurück.

In guter Laune beschloss eine unserer Gruppen, eines der örtlichen Casinos in der Nähe unseres Hotels zu besuchen (mehr zu erforschen als wild zu spielen). Die Eintrittsformalitäten dauerten bei uns etwa 8 Personen eine halbe Stunde, was in jedem Casino normal ist, da wir überprüft werden mussten, ob nicht einer/eine gesperrt sein könnte. Danach traten wir in die „heiligen Hallen“ ein. Der uns gebotene Anblick entsprach gar nicht unserer Vorstellung vom alten Monte Carlo oder auch nur unserem Baden. Der klassische Roulettetisch war ein Plastik-Schaltkasten mit dem elektronisch gesteuerten Kessel in der Mitte.Kein Croupier war zu sehen, nur ein älterer Herr schwitzte über seinen Einsatzverlusten. Im übrigen waren nur Automaten (einarmige Banditen) in moderner Ausführung zu sehen, die aber auch wenig frequentiert waren. Wir hätten kleine Beträge hier eingesetzt, wenn uns wenigstens ein Angestellter die Bedienung genau erklärt hätte; so riskierten wir nichts. Noch dazu passierte einer Kollegin beim Eintritt ein Missgeschick. Sie trug „probeweise“ Ohrclips einer Freundin, beim Anblick der gebotenen Szene muss sie so erschrocken sein, dass sie mit der Hand über ein Ohrläppchen strich und die durch Magnete gehaltenen Clipsteile versehentlich wegwischte. Sie rief uns Kollegen zu Hilfe, und die Sicherheitsleute (im 1. Stock?) sahen auf den Monitoren auf einmal einige eifrige Ausländer mit gesenkten Häuptern auf den Perserteppichen stehen, in die Hocke und auf die Knie gehend, als würden sie ein Ritual abwickeln. Eine Halbkugel der Clips wurde gefunden, trotz eifrigster Bückbewegungen mit scharfem Archäologenblick blieb das zweite Teil vorerst unauffindbar. Über die Geschäftsleitung wurde die Putzfrau verständigt; am nächsten Morgen konnte die fehlende Halbkugel in Gold der strahlenden Verliererin doch ausgehändigt werden. An diesem Abend verspielte unsere Gruppe keinen einzigen EURO im Casino und verließ sehr bald das edle Etablissment. An der Strandpromenade in unserem Stammlokal war jedoch danach eine Lachorgie wegen der drolligen gebückten Sucher im halben Ort zu hören.

Mittwoch, 14.9., war für die Besichtigung der mittelalterlichen Kirche in Beram nahe der Stadt Pazin mitten in Istrien reserviert, inklusive Besuch von Pula im Süden.Beram liegt im Herzen von Istrien in der Nähe der Bezirkshauptstadt Pazin, in welcher wirspäter nicht mit dem Bus parken und nur durchfahren konnten. Die alte Kirche von Beram stammt aus dem Hochmittelalter und wurde ähnlich wie jene in Hrastovlje zur Gänze mit Fresken als biblia pauperum im 15. Jh. versehen. Auch hier der populäre Zug der Hl. Drei Könige nach Bethlehem neben sehr gut erhaltenen Fresken des Hl. Martin und Hl. Georg. Und wieder ein Totentanz in der Reihenfolge von Kleinkindern bis zum Papst, angereichert mit Sensen und Trompeten; ein Buch des Lebens. Leider wurde diese Kirche in der Barockzeit durch zerstörerischen Einbau von zwei Seitenfenstern im Altarraum und einem hässlichen „Portikus“ verschandelt. An die Apsis schließt ein Friedhof an, der noch heute benützt wird.

Pulaliegt nur etwa 50 km von Beram entfernt und war der bekannte Kriegshafen der k.k. Monarchie. An diesem exponierten Punkt Istriens musste einfach eine große Hafenstadt entstehen, diese Strategie verfolgten die alten Römer konsequent (Pietas Julia, ab dem 2. Jh. Colonia Julia Pola Pollentia Herculanea). In Hafennähe sticht sofort die konservierte Ruine des Amphitheaters riesigen Ausmaßes, fertiggestellt unter Claudius, ins Auge. Zu besichtigen waren auch der Augustustempel, der Triumphbogen Porta Aurea, Reste des kleinen Theaters (Odeon) sowie des Großen Theaters und Tore der Stadtbefestigung (Zwillingstor beim Arch. Museum). Zur Geschichte Pulas ist noch zu sagen (Großer Brockhaus), dass die Gründung auf die Illyrer im 4. Jh.v.Chr. zurückgeht, 42 v. Chr. errichtete Rom eine Militärkolonie, 539 kam die Stadt zum Byzanthinischen Reich, 1148 an Venedig. Seit 1797 unter österreichischer Herrschaft war es seit 1850 wichtigster österreichischer Kriegshafen. 1920 kam es zu Italien, 1947 zu Jugoslawien, heute Kroatien.

Der von uns zuerst besuchte Marinefriedhof wurde im Jahr 1862 erstmals belegt und in jüngster Zeit 1989 – 1991 mithilfe des Schwarzen Kreuzes und der Stadt Pula renoviert. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde der Friedhof für Gefallene benützt. Wie man auf etlichen Kupferplatten ablesen kann, ruhen dort viele blutjunge deutsche Soldaten aus dem letzten Kriegsjahr 1945 (20-Jährige!).

Das Archäologische Muserum Istriens ist ein Highlight der Stadt, seit 1930 untergebracht im ehemaligen Österreichischen Gymnasium. Es befindet sich im Park hinter der Porta gemina (Doppeltor) vor dem kleinen römischen Theater. 300.000 archäologische Funde „aus der Gespanschaft Istrien“ sind im Prospekt angegeben. Vom Paläolithikum bis zu den Nekropolen der alten Histrier (1. Jtsd.v.Chr.), der römischen Herrschaft mit großem Lapidarium, Frühmittelalter mit altslawischen Nekropolen bis zur Feudalherrschaft dieser Gegend. Dem Verfasser fielen besonders die sonst nirgends so gut erhaltenen römischen Glasurnen auf – fast im Originalzustand und unzerbrochen.

Am Donnerstag, 15.9., waren wir schon sehr neugierig auf Koper, dem für Slowenien so wichtigen Hafen, der Triest schon lange den Rang abgelaufen hat. Eine engagierte Fremdenführerin erzählte uns einiges. Der Ort besteht seit ca. 500 v.Chr. Sein heutiger Name leitet sich vom italienischen Wort für Ziege – Capra – ab. Die Venezianer nannten ihn erstmals Capodistria,da von hier die Verwaltung von ganz Istrien erfolgte. Ab dem 12. Jh. Kamen die Eichenstämme für das Bauholz Venedigs aus diesem Hafen, Istrien war mit Eichenwäldern bedeckt, die heute nur mehr höchstens Buschwald sind.

Die Salinen von Koper sind etwa 800 Jahre alt. Jede Salzarbeiterfamilie bekam ihr kleines Wohnhaus, und es waren deren 440. Das Salz wurde in einem komplizierten Abschöpfverfahren gewonnen.

Wenn man von außen kommt, glaubt man gar nicht, wie schön die Altstadt Kopers ist. Sie wurde auch mithilfe der UNESCO restauriert und renoviert. Wir besichtigten das Gemeindeamt und konnten den Sitzungssaal betreten. Dort ist die im Stadtwappen vorherrschende Sonne als mittleres Bodenmosaik zu sehen. Die große Kirche ist innen ganz Barock, sehr schön und einmalig ist das in Holzschnitzerei ausgeführte Presbyterium in der Apsis. Hinter der Kirche am Platz stehen seltene immergrüne Eichen. In einem Mauerrest der venezianischen Stadtmauer ist das Stadttor noch erhalten. Am Platz stadteinwärts steht ein prächtiger Brunnen aus dieser Zeit mit schönem Überbau und einem eisernen Drehkreuz (!) im Original als Zu- und Abgang an der Einfriedung. Venedig hat also allen Stadtplätzen seinen Stempel aufgedrückt, und es ist ein Glück, dass das noch so erhalten ist. Das heutige Gemeindeamt war seinerzeit der Gouverneurspalast.

In der Gegend von Koper leben italienische und ungarische Minderheiten, welche bis ins Parlament vertreten sind. Alle Dokumente werden automatisch in Slowenisch und Italienisch verfasst. Drei Fakultäten der Universität sind am Hauptplatz vorhanden.Die Fremdenführerin erklärte uns auch den Ursprung der Bezeichnung Ghetto: Ursprünglich der Platz einer Gießerei, aus der italienischen Bezeichnung gesso = Gussmaterial.

Der Nachmittag war laut Reiseplan zur freien Verfügung in Portoroz gedacht, wir bekamen aber das interessante Angebot, um 16 Uhr mit dem Schiff von Portoroz nach Izola abzulegen, was wir gerne annahmen. Dadurch hatten wir die Südansicht der Küste vor uns, fotografierten sehr viel und umrundeten Piran bei inbegriffenem Wein- und Gespritzten-Konsum. Izola war wie der Name schon sagt früher eine Insel von Fischern, die Verbindung zum Land wurde erst in der frühen Neuzeit aufgeschüttet, sodass heute daraus eine Halbinsel mit viel Touristik wurde. Auf der Rückfahrt konnten wir den Sonnenuntergang vom Schiff aus genießen, die Fotos wurden traumhaft. In der Abendstimmung gingen wir in Portoroz wieder an Land und verabschiedeten uns ganz dankbar von unserer Fremdenführerin. Sie regte mit ihrer begeisternden Art sicher viele von uns zum Wiederkommen an.

Nun verbrachten wir den letzten Abend an unserem Stützpunkt Portoroz und suchten noch unsere Lieblingslokale wie z.B. MEDUSA auf, wo auch gute Musik und Gesang geboten wurden.

Der erstklassige Hotelservice hielt bis zuletzt an; am Morgen checkten wir aus und machten uns auf die Rückfahrt. Die Mittagsrast hielten wir stilgemäß in Trojane, einem Gasthaus, das genau über den ehemaligen Ausgrabungen der römischen Poststation und des Militärstützpunktes ATRANS, zwischen EMONA und CELJE gelegen, liegt. Ohne besondere Vorkommnisse langten wir mit unserem Bus in Wien an und wurden über die Stadt strategisch verteilt.

Wir danken allen Organisatoren, besonders unserem so aktiven Reiseleiter Janos Rudas und seiner rechten Hand im Finanziellen Carlo Kandler, ebenso dem tapferen Buschauffeur Eugen.

Eine nächste Reise in die Westslowakei ist schon in Planung.

Gerhart Maier, Sen.Arch.