FRUEHJAHRSREISE 8./ 9.5.2009 in die Südsteiermark

Auch in diesem Frühjahr unternahmen unsere Interessierten eine Busfahrt auf zwei Tage in die Windischen Büheln der Südsteiermark. Die Bezeichnung dieser Gegend geht wohl auf den slawischen Volksstamm der Winden zurück. Schon in keltischer Zeit war das Gebiet aufgrund seiner günstigen Lage (Nord-Süd- und Ost-Westrichtung) stark besiedelt.

Nachdem alle Teilnehmer beisammen bzw. eingeholt waren, bewegte sich unser Bus in Richtung Burgenland und an den (Burg-)Orten Forchtenstein und Bernstein vorbei zu einer der größten Burgruinen Mitteleuropas nämlich LANDSEE (Bezeichnung stammt von Landesere und der ungarischen Bezeichnung). 1158 gehörte die Burg Ekbert III. von Pitten (sein Ministeriale hieß Gottschalk de landesère) aus dem Geschlecht der Stubenberger. Im 12. Jhdt. war die über dem Stoobtal errichtete Burg noch in steirischer Hand, 1260 bereits in ungarischem Besitz (Komitat Lutzmannsburg), heute etwa 25 km von der ungarischen Grenze entfernt. Nach den deutschen Rittern Gottfried und Albrecht verlieh König Bela IV. im 13. Jhdt. die Burggespanschaft von Lutzmannsburg dem Obergespan Lorenz, dem Stammvater der Familie Athinai, die neben Neckenmarkt auch die Burg Landsee besaß. Im 15. Jhdt. verkauften die herabgekommenen Grafen von Mattersburg-Forchtenstein die Herrschaft Landsee an Kaiser Friedrich III. Im 16. Jhdt. Trieb Räuberhauptmann Franz Magusch mit Duldung der Gertrud v. Weißpriach (Ulrich v. W.) mit etlichen Beutezügen sein Unwesen, als die Herrschaft bereits dem ungarischen König untertan war. Kaiser Maximilian I. hatte Magusch 1517 auf der Fahndungsliste, und er wurde bald gefangen und abgeurteilt. 1612 fiel der Besitz an Nikolaus Esterházy mit 15 Ortschaften. Damals erhielt die Burg ihren endgültigen Ausbau zur Großburg mit vier Mauerringen und drei Burggräben, Wall und Palisaden, acht Türmen und sechs Toren. Gegen Ende des 18. Jhdts. verfiel die Burg nach einem Großbrand unter Anton Esterházy. Diese Burg wurde (wie Forchtenstein) nie eingenommen.

Heute kümmert sich der Verschönerungsverein Landsee um sie.

Unsere Führerin wies auf das Panther-Wappen über dem 2. Tor hin, dessen Besitzer unbekannt ist.Durch den halbmondförmigen großen Burghof ging es in die alte Rauchkuchl, die an der hohen Decke achteckig war. Die Burgkapelle ist eine Etage höher und vom inneren Hof zu sehen (noch verfallen). Wir erstiegen den Wohnturm mit seinem prächtigen Ausblick. Auch eine Burgsage von einem gequälten Mägdelein mit ihrem geliebten Müllersburschen wurde uns erzählt nebst einem netten Gedicht, worauf wir dankbar weiterzogen.

Nach der Mittagspause in einer italienisch geführten Autobahnraststation steuerten wir den Ort RETZNEI in der Südsteiermark an, wo wir die laufende Ausgrabung einer römischen Villa von Grabungsleiter Bernhard Schettle erklärt bekamen. Funde aus der mittleren Bronzezeit (eingetiefte Hütte aus 1400 v. Chr. mit Henkeltassen etc.) und aus der La Tène-Zeit kamen ebenso zutage.

An der Mur – diese verlief früher in Meanderform – sowie der Lassnitz und der Sulm, welche um den Seggauberg verlaufen, bestand in Nord-Süd-Verbindung ein Oppidum aus der Keltenzeit. Aus La Tène II und dem Ende der gesamten La Tène-Zeit  wurde Graphittonkeramik mit Kalzitmagerung gefunden, weiters die frührömische Holzbauweise (Pfostenlöcher) bis zur kontinuierlichen Steinbaubesiedlung im späten 1. Jhdt. n. Chr. (Kaiserzeit), schließlich eine zweite Steinbauphase in hadrianischer Zeit. Derzeit ist vor allem die römische Herrschaftsvilla mit Resten eines Mosaikbodens und einigen beheizten Räumen neben der üblichen Therme mit Präfurnium zu bestaunen.

Der Ort war kein Militärstützpunkt und wurde von Petovia (heute Ptuj = Pettau) aus besiedelt und beliefert. Die potenten Bauherrn betrieben die heute noch benützten Kalksteinbrüche (Lafarge-Perlmooser). In Aflenz befinden sich die „Römer-Höhlen“, die aber schon viel früher benützt wurden, auch Tonlagerstätten für eine nachgewiesene Öllampenerzeugung waren wichtig.

Erste Funde bei der landwirtschaftlichen Bebauung wurden 1860 gemacht, 1873 unternahm der Numismatiker Friedrich Pichler als erster eine nur dreimonatige Grabung mit brauchbaren Aufzeichnungen.

Weiter ging es zum nachmittäglichen Besuch des Museums für Südsteiermark in GROSSKLEIN. Funde von der Steinzeit an sind in schönen Vitrinen anschaulich dargeboten.

Kurz nach 16 Uhr 30 war der letzte Ort an diesem Tag erreicht: SCHWANBERG nahe den Grenzbergen zu Slowenien bzw. der Soboth Richtung Kärnten. Dieser Ort ist ein Unikum, denn er weigerte sich 1870, den Bahnanschluss zu akzeptieren, da die einflussreichen Fuhrleute dagegen waren. Das damals eher unbedeutende Deutschlandsberg wurde angeschlossen und erlebte einen Aufschwung. Schwanberg hat heute noch Schwierigkeiten mit einer Busverbindung.

Ziel unseres Besuches waren die Burgen Schwanberg und Alt-Schwanberg, deren Ausgrabung sich noch im Anfangsstadium befindet. Die jüngere Burg, in der sich heute ein Heim für psychisch Kranke befindet (Siegmund Freud-Gesellschaft, Graz) wurde im 16. Jhdt. in Renaissance von den Gallern aus den Resten der alten abgerissenen Burg errichtet. Im Westen wurde ein Wohnturm mit angebautem Palas errichtet, ein Brunnen aus dieser Zeit mit 81 m Tiefe ist im Hof noch erhalten.

 

1791 wurde die heute noch gut erhaltene Kapelle mit Empore an der Ostseite des alten Burgareals erbaut und die alte Burgkapelle aufgelassen. Bei Erdarbeiten in letzter Zeit für die Errichtung eines neuen Wasserschlosses neben dem alten stieß man auf Mauerreste. Wie sich herausstellte, waren es die bis zu 4 m dicken Mauern der Altburg und eines Kanonenrondells aus der 2. Hälfte des 16. Jhdts.; ab 1525 bis 1540 wurde die Burg unter den Spangsteinern aufgeführt und unter den Gallern für das neue Schloss wieder abgetragen. Oberhalb des Rondells ist heute ein freies Plateau, wo ein Brunnen und eine Zisterne in Suchgrabungen freigelegt wurden. Der Hügel wurde von Schwanberg dem Bund abgekauft, und die Ausgrabungen sollen weiter vorangetrieben werden. Ein noch gut sichtbarer Wall um den Burghügel ist wahrscheinlich aus keltischer Zeit. Römische Keramik und Münzen wurden am Hügel ebenfalls gefunden. 1056 ging die Burg an Altwin von Brixen, welcher sie an die Grafen von Stein (Pettau) zur Verwaltung weiterreichte; dann kamen die Spangsteiner, Stubenberger, Galler, Wagensperg und Saurau sowie die Liechtensteiner. Der genaue Zusammenhang mit dem Ort (alte Stadtmauer) wird noch zu erforschen sein, ein ehemaliger „Anthof“ unmittelbar am Fuße des Burgberges wurde zu einem Kapuzinerkloster – heute ein gastronomischer Betrieb. Im Internet ist der Abruf www.schwanberg.at zu empfehlen.

Nach der Besichtigung der gut erhaltenen Burgkapelle am Ostende des Burgberges mit schöner Aussicht auf den Ort, welcher im Mittelalter von einer heute rekonstruierbaren Mauer umgeben war, fuhren wir leicht ermüdet in unser Quartier im Hotel Berghof-vital in St. Peter/Sulmtal, das uns sehr gut beherbergte. Es befindet sich auf einem Hügel über dem Tal, und die Aussicht bietet einen schönen Blick auf die südlichen Berge und das fruchtbare Tal. Uns mundete der gute Schilcher nach einem perfekten dreigängigen Menü; wir plauderten bis spät in die Vollmondnacht.

Am nächsten Tag stand die Besichtigung der Burg DEUTSCHLANDSBERG mit seinem weitläufigen Museum am Programm. Funde ab 5000 v.Chr., der ersten Sesshaftigkeit mit sechs Dörfern in der Leinfelder Gegend, sowie der Bronzezeit um 2300 v. Chr., Ringwallsiedlungen aus der Urnenfelderkultur (1200 v. Chr.) mit angeblich großer Feuersgefahr aufgrund der Funde. Wertvolle Weihegaben aus Bronze („Gold wert“) sind zahlreich zu bestaunen.

Nach einem Abstecher in die Folterkammer, deren Wirkung die Führerin schauerlich schilderte, gelangten wir in die drittgrößte prähistorische Schmuck-, Gemmen- und Kameenausstellung der Welt. Neben herrlich erhaltenem Goldschmuck aus der Keltenzeit (z.B. prächtiger biegsamer Goldhalsring) sind schönster römischer Schmuck mit Kameen und Gemmen zu sehen. Ein als Geschenk gegebener römischer Wagen mit klassischen Bronzeaufsätzen verrottete offensichtlich unbenützt mangels entsprechender Straßen, und das Metall blieb komplett in der Erde. Im Keltenraum ein schönes Schwert mit Rankenmotiven und luneralem Ortband (Schwertscheidenende). Ein bis zum Eintreffen der Römer verwendete Dornenkeule mit Eisenspitze war nur für den Kampf Mann gegen Mann gedacht. Man erzählte uns, dass es vier Schlachtfelder der Kelten in Österreich gab; die verbogenen Reste eines zweirädrigen persönlichen Kampfwagens aus einem keltischen Fürsten-(Krieger-) -Grab sind zu sehen.

In der Römerabteilung beachtenswert sind die Kopie eines Bronzekopfes von Kaiser-Philosoph Marc Aurel sowie die sehr gut erhaltene Originalmarmorplastik eines Kopfes von Aelius Cäsar, dem Adoptivsohn von Hadrian (2. Jhdt. n. Chr.). Viele Münzen aus keltischer und römischer Zeit lassen dem Numismatiker das Herz lachen.

Sehr beachtlich ist auch die Blankwaffensammlung von den Anfängen bis ins späte 19. Jhdt. Ein Templerschwert aus dem 13. Jhdt. fand besondere Beachtung wie z.B. auch ein Biedehänder (Schwert), welches einem sogenannten Doppelsöldner dazu diente, Gassen in die Gegner zu hauen. Leider konnte er seinen Doppelsold nur in den selteneren Fällen auch vom Zahlmeister kassieren, da er als einer der ersten niedergemacht wurde. Kleinere leicht zu handhabende Bronzekanonen waren der letzte Schrei in napoleonischer Zeit.

Nach etwa 1 ½ Stunden verließen wir dann das Museum; im Burghof wurde uns noch eine herrliche altgriechische Vase in Schwarzkeramik mit Goldauflagen (Figuren) gezeigt, die in letzter Zeit in Mazedonien ausgegraben worden sein soll. Zu Mittag saßen wir im nahe gelegenen Restaurant und aßen à la carte.

Danach war als letzter offizieller Tagespunkt ein Besuch im neuen Museum WILDON im Wildoner Schloss am Fuße des dortigen Schlossberges mit seiner 6000-jährigen Siedlungskontinuität am Programm. Vorerst gibt es dort einen Schauraum im Gewölbe mit einem Überblick über die Mittelsteiermark von der älteren Jungsteinzeit bis ins Mittelalter (Region Hengist). Zu beachten ist ein spätantikes Kleinkinderskelett (2-3 J.) mit Glasperlenarmband. Aus dem Gräberfeld Kainach ist aus der Urnenfelderzeit eine Schneppenkanne der

Lauger-Melaun-Gruppe zu sehen. Beim Neubau der Volksschule kam einiges zutage, so aus 800 v. Chr. ein Topfscherben mit einfacher kerbverzierter Leiste und einem kleinen Knochenspatel, mit dem diese Kerben geprägt werden (endlich einmal auch ein Originalwerkzeug!).

Eine kleine Sensation für Zufallsfreileger ist der Fund des Landwirts Leitinger aus Wildon-Unterhaus aus letzter Zeit: die Leitinger-Urne (ca. 600 v. Chr., Hallstatt C oder D) mit einer fast kompletten Henkelschüssel (ca. 20 cm Dm.). Auch in diesem Museum haben wir viel Interessantes gesehen und auch fotografiert.

Nun war nach diesen zwei interessanten Tagen nur mehr die Heimreise am Programm. Das Wetter war im großen und ganzen traumhaft bis auf wenige Kurzregen an Gewitterrändern. Nach einer genüsslichen Kaffeepause in einer Autobahn-Raststation kamen wir wohlbehalten am frühen Abend in Wien an. Wir danken den Veranstaltern, besonders unserem lieben Janos Rudas und seinen Kassieren Christine und Carlo sowie dem bewährten Chauffeur für die nette Betreuung; im Herbst gibt es hoffentlich eine neue Fahrt ins Ungarland.

Gerhart Maier, Sen.Arch.