Commentarii de itinere hungarico MMVIII
Ein Reisebericht 22.09.2008 bis 26.09.2008 Tapolca

von Erich Buschan

Ich habe mich bemüht, unsere Ungarnfahrt im Ablauf unter Verwendung meiner Reisenotizen als Erinnerungsstütze nachzuvollziehen und ersuche um Nachsicht für die sehr verkürzte Darstellung von verschiedenen historischen Daten und Ereignissen bei den besuchten Örtlichkeiten.

Montag, 22.09.2008

Abfahrt von Wien um 7 Uhr, Fahrer Herr Peter, 30 Reiseteilnehmer.Wir erreichen die Grenze in Hegyeshalom um 8 Uhr, nach Geldwechsel und Cafepause Weiterfahrt bei angenehmem Reisewetter an Györ und Pannonhalma vorbei nach Csesznek, welches wir um 9 h 30 erreichen.  Besichtigung der Burg. Errichtung durch den Baron Jakab Cseszneky im Jahre 1263. Nach mehreren Besitzwechseln kaufte Daniel Esterhazy 1635 Burg und Dorf. Csesznek war bis 1945 im Besitz der Familie Esterhazy. Die Burg wurde aus Baumaterial errichtet, das bei der Einebnung des Bauplatzes von der Spitze des Berges gebrochen und gleich für den Bau verwendet wurde. Man sieht u.a. die Toranlage, einen Uhrturm und Soldatenunterkünfte.  Bemerkenswert ist die klassische Turmbauart mit zur Basis abgeschrägten Mauern, die einerseits den damaligen Kanonenkugeln besser Stand hielt(schräger Aufprallwinkel) andererseits den Verteidigern bessere Sicht nach unten ermöglichten. Die Burgbesatzung bestand nur aus rund 70 Soldaten. Eine Eroberung gelang weder den Türken noch kaiserlichen Truppen.

Weiterfahrt nach Zirc im Herzen des Baconygebirges, welches wir um 11 h erreichen.  Wir besichtigen zunächst im Abteigebäude die Reguly-Antal-Gedenkbibliothek und hier insbesondere den kleinen und großen Bibliothekssaal. Die Bibliothek umfasst ca. 65000 Bände. Sehr interessant sind auch in der Bilbiothek ausgestellte Globen aus den Jahren 1630 und 1645. Anschließend besichtigen wir die Abteikirche. Die ursprüngliche Kirche wurde 1182 von Zisterziensermönchen errichtet, jedoch von den Türken zerstört und im Barock wieder neu errichtet. Unser Führer erklärt ausführlich die Restaurierung der Deckenfresken, wobei insbesondere Übermalungen entfernt und dabei überraschenderweise ganz neue Bilder zum Vorschein kamen. Weiters wurden auch Übermalungen der Orgelempore und der Seitenaltäre entfernt und deren ursprünglicher Zustand wieder hergestellt. Das Hauptaltarbild ist ein Werk von Anton F. Maulbertsch.

Nach einer Mittagspause in einem kleinen Imbissladen bei Kolbasz, Hamburger, Sandwich und Co. sowie in einem benachbarten Cafehaus fahren wir um 13 h 45 weiter, um Balatonfüred um 14 h 25 zu erreichen.  Hier steht eine Schiffsrundfahrt auf dem Balaton auf dem Programm. Abfahrt um 15 h mit dem Rundfahrtsschiff „Balaton“ Richtung Halbinsel Tihany. Auf der Anhöhe der Halbinsel ist gut die Basilika von Tihany zu erkennen. Da in der Zwischenzeit der Wind etwas zugelegt hat, begeben sich die meisten Reiseteilnehmer in die Kabine des Schiffes, um sich wieder aufzuwärmen. Nach der einstündigen Bootsfahrt erfolgt die Weiterfahrt den Balaton entlang.

Wir legen einen kurzen Zwischenhalt in Balatonudvari ein. Am Friedhof sind ungewöhnliche herzförmige Grabsteine zu besichtigen. Es geht weiter über Badacsony durch eine auch sichtbar fruchtbare Ebene zwischen dem Bakony-Gebirge und einer Kette von alten spitzkegeligen Vulkanbergen zu unserem Tagesziel Tapolca und erreichen unser Hotel Pelion um 17 h 30. Nach dem Einchecken und Bezug der Zimmer wird das Abendessen im Restaurant Orchidea eingenommen. Das Hotel verfügt über einen umfangreichen Wellnessbereich, der in den nächsten Tagen auch von den Reiseteilnehmern gerne genutzt wird.

Dienstag, 23.09.2008Abfahrt vom Hotel um 9 h 30 bei kühlem und bewölktem Wetter. Um 10 h 15 erreichen wir nach einer Fahrt durch eine grüne bewaldete Landschaft und kleine Ortschaften Nagyvazsony. Unser Fahrer erklärt, dass auf dieser Strecke Fahrten in der Dämmerung oder in der Nacht durch den starken Wildwechsel von Wildschweinen und Rotwild nicht ungefährlich sind. In Nagyvazsony besichtigen wir die Kinizsi-Burg aus dem 15. Jhd. Kiniszsi war ein Heerführer von König Matthias Corvinus. Der König wurde laut einer Legende auf ihn aufmerksam, da er sich beim Mühlstein-Weitwerfen hervorgetan hatte.  In der Folge wurde er zum Heerführer ernannt und erhielt die Burg. Kinizsi war als Heerführer sehr erfolgreich. Heute ist von der Burg nur der Bergfried noch original erhalten, der Rest der Ruine ist restauriert.

Wir fahren um 10 h 55 weiter nach Nemesvamos. In der Nähe befindet sich die Ausgrabung Balaca Puszta – eine römische villa rustica.  Wir werden von unserer Führerin erwartet. Die Ausgrabung wurde bereits 1884 begonnen und sind in der Zwischenzeit 17 Gebäude ausgegraben, restauriert und rekonstruiert. Die verschiedenen Gebäude datieren aus dem 1. bis zum 4. Jhd und umfassen sowohl Wohn- wie auch Wirtschaftsgebäude. Zu sehen sind neben einem rekonstruierten Wohngebäude, in welchem auch verschiedene Bodenmosaike und Wandmalereien restauriert sind auch Keramikfunde aus der Ausgrabung.

Wir fahren um 12 h 25 weiter nach Balatonfüred zu einer Weinverkostung im Weingut Figula. Zunächst lernen wir die Herstellung des Weines im Weinkeller kennen. Der Winzer erklärt, dass in der Region Balaton 40 verschiedene Weinsorten angebaut werden. Es gibt in der Region 4 verschiedene Erdarten, die zusammen mit der klimatischen Auswirkung des Sees auch verschiedene Weinqualitäten entstehen lassen. In der Region wird ca. 80% Weißwein und 20% Rotwein (dies vor allem in Tihany) angebaut. Dann verkosten wir 3 verschiedene Weißweine und 1 Rotwein mit etwas Käse und Bogatscherln. Anschließend nehmen wir unser Mittagessen (kalte Platte) in einer benachbarten Carda ein.

Um 15 h 20 fahren wir gesättigt weiter nach Tihany um dort die Kirche und insbesondere darin die Krypta aus 1055 zu besichtigen. Hier befindet sich das Grab von König Andreas I. und die Gründungsurkunde der Abtei, in welcher das erste schriftliche Zeugnis mit einigen Worten in ungarischer Sprache zu sehen ist. Nachdem sich alle nach einer kleinen Verzögerung wieder beim Bus eingefunden haben, fahren wir zurück zum Hotel, wo wir um 17 h 30 eintreffen.

Mittwoch, 24.09.2008

Nach der Abfahrt vom Hotel um 9 h 00 fahren wir durch typische kleine Ortschaften der Balatonregion mit Häusern aus den 1940er-Jahren und erreichen um 10 h bei der Ortschaft Zalavar die Ausgrabung einer christlichen Basilika.  Von dieser Hofkirche des Slawenfürsten Pribina sind noch die Grundmauern erhalten. Interessant ist, dass hier auch Kirchengründungen ausgehend vom Erzbistum Salzburg erfolgt sind und auf einem Gedenkstein darauf hingewiesen wird.

Um 10 h 30 geht unsere Fahrt vorbei am Kis Balaton (Kleiner Plattensee), wo sich ein ausgedehntes Vogelschutzgebiet befindet und der See auch von vielen Fischern frequentiert wird, nach Keszthely, wo wir um 11 h eintreffen und zunächst das Schloss Festetics besichtigen.  Unsere sehr rührige geschichten- und anekdotenreiche Führerin erklärt uns die Baugeschichte des Schlosses und die Entwicklung der Familie Festetics vom kleinen Landadel zu einem der reichsten Adelsfamilien Ungarns. Das Schloss umfasst in seiner letzten Ausbaustufe 101 Zimmer und ist das drittgrößte Schloss Ungarns. Nach der Schlossführung begeben wir uns in das örtliche Museum. Im Balaton-Museum erfahren wir alles über die Flora und Fauna der Balatonregion., die Geschichte der Badeorte und der Schifffahrt sowie der Archäologie und Ethnologie der Region.

Nach der Mittagspause fahren wir um 15 h weiter vorbei an der auf einem Berg thronenden Burgruine von Szigliget nach Badacsony und freuen uns über das sonnig werdende Wetter. Hier sind besonders die „Basaltorgeln“ geologisch interessant. Es sind dies erstarrte Lavasäulen, die wir aber mangels einer bustauglichen Zufahrt nur aus der Ferne ansehen können. Hier befindet sich auch ein bekanntes Weinbaugebiet, welches angeblich den besten Plattenseewein liefert. Anschließend fahren wir ins Hotel nach Tapolca, wo wir um 16 h 30 eintreffen.

Donnerstag, 25.09.2008

Bei wieder stark bewölktem Wetter fahren wir um 9 h ab und erreichen um 9 h 30 Sümeg. Über der Ortschaft erhebt sich auf einem Berg die Burg. Den Burgberg bewältigen einige Reiseteilnehmer mit dem Burgtaxi, andere zu Fuß. Wir werden von unserem Führer erwartet und begrüßt („meine lieben Gäste“). Die Burg wurde in der zweite Hälfte des 13. Jhd errichtet und in den folgenden Jahrhunderten weiter ausgebaut, mehrfach belagert und schlussendlich 1726 angezündet und die Tore gesprengt. Seit 1989 wurde die Burg als Ausflugsziel ausgebaut und es werden für Touristen Ritterspiele und mittelalterliche Abendessen veranstaltet. Von der Burg aus hätte man eine sehr schöne Aussicht in die Umgebung – nur leider beginnt es zu regnen und daher ist nur ein sehr eingeschränkter Rundblick möglich.

Um 11 h erfolgt die Weiterfahrt nach Herend, wo wir um 11 h 50 eintreffen und eine Führung durch die Porzellanmanufaktur organisiert ist. In der Manufaktur wird uns von Mitarbeitern vorgeführt wie die Herstellung der verschiedenen Stücke durch Gießen in Formen oder auf der Töpferscheibe, das weitere Nachbehandeln und das Malen der verschiedenartigsten Muster und Bilder erfolgt. Eine sehr aufwendige und anstrengende Arbeit, die auf Grund der notwendigen Konzentration immer nach 2 Stunden unbedingt eine Pause verlangt. Jetzt ist auch der hohe Preis dieser Porzellankunstwerke zu verstehen. Auch ein Porzellanmuseum ist zu besuchen. Hier werden aus allen Stilepochen bis ins 20.Jhd. Porzellanartefakte gezeigt. Es regnet und wir flüchten ins zur Manufaktur gehörende Cafehaus. Leider funktioniert dort die Bestellung und Bedienung überhaupt nicht.

Um 14 h fahren wir weiter nach Veszprem, wo wir um 14 h 20 eintreffen. Zunächst besuchen wir das Dezsö-Laczko-Museum, in welchem dem Besucher die Vergangenheit des Veszpremer Umlandes näher gebracht wird. Unter anderem begegnen uns wieder Funde aus Balaca-Puszta. Anschließend erfolgt ein Spaziergang auf den Burgberg. Hier findet man Bürgerhäuser und verschiedene kirchliche Bauten (Gymnasien, Priesterseminare und dgl.). Den Burgberg betreten wir durch das Heldentor und gelangen zu einem Aussichtpunkt bei welchem die Statuen von Stephan dem Heiligen und Königin Gisela aufgestellt sind. Von hier hat man eine schöne Aussicht auf die Stadt. Zu erwähnen ist auch, dass Veszprem auch die Stadt der Königinnen genannt wird und nur die Bischöfe dieser Stadt das Recht hatten, die ungarischen Königinnen zu krönen.

Um 16 h 30 treten wir die Rückfahrt ins Hotel an, wo wir um 17 h 15 eintreffen. Heute müssen wir etwas unter Zeitdruck das Abendessen einnehmen, da ein Galaabend für einen im Hotel stattfindenden Kongress durchgeführt wird und wir hier „der Gewalt“ weichen müssen. Als kleine Entschädigung gibt es die Getränke gratis.

Freitag, 26.09.2008

Heute –letzter Tag unserer Reise-  fahren wir schon um 8 h 30 nach den Auschecken vom Hotel ab. Unsere Fahrt führt uns vorbei an Sümeg durch den Bakonywald nach Jak, wo wir um 9 h 50 eintreffen.  Hier befindet sich eine der schönsten romanischen Kirchen Ungarns. Wir werden durch den örtlichen Pfarrer (Herr Dr. Kratky) durch die Kirche geführt. Er erklärt sehr emotionell die Symbolik der verschiedenen Figuren an der Kirchenfassade, weist darauf hin, dass das Eingangstor sehr ähnlich dem Tor des Wiener Stefansdomes ist und sich hier eine Benediktinerabtei befunden habe sowie auch irische Mönche gewirkt haben. Auf dem Dach der Kirche befindet sich auch ein irisches Kreuz. Der Pfarrer hat sehr geschäftstüchtig eine CD mit Liedern des örtlichen Kirchenchores anzubieten und weist auch auf einen Shop der Kirche in der Nachbarschaft hin. Weiters besichtigen wir ein kleines Museum, in welchem die Geschichte der Kirche und des Dorfes in gut gestalteten Schaubildern, deren Beschriftung auch in deutscher Sprache vorhanden ist, erläutert wird.

Um 11 h 15 erfolgt die Weiterfahrt nach Szombathely wo wir um 11 h 45 eintreffen.  Ein Teil der Reiseteilnehmer besichtigt das örtliche Museum, in welchem leider der größte Teil wegen Umbauarbeiten nicht besichtigt werden kann. Die übrigen Reiseteilnehmer machen einen individuellen Spaziergang durch das Stadtzentrum. Ansprechend ist der Hauptplatz mit der Fußgängerzone. Zu besichtigen ist noch ein Ruinengarten mit Resten der von Kaiser Claudius um 50 n.Chr. gegründeten Stadt Savaria. Das Isis-Heiligtum aus dem 2. Jhd. ist geschlossen und kann derzeit nicht besichtigt werden. Es wird erst 2010 nach dem Umbau wieder zugänglich sein.

Wir fahren um 13 h 30 von Szombathely ab und erreichen in Köszeg/Rattersdorf-Liebing um 14 h die österreichische Grenze. Ab Oberpullendorf geht es auf der S31 und anschließend A3/A2 nach Wien, wo wir um 16 h eintreffen.

Zusammenfassend kann ich feststellen, dass diese Reise wieder  – wie gewohnt- eine umfassende Information über die besuchte Region Ungarns geboten hat. Das Angebot der besichtigten Orte und Sehenswürdigkeiten war wieder optimal zusammengestellt und hat sicherlich für jeden Teilnehmer ein „Zuckerl“ enthalten. Auch die Wahl des Hotels –trotz einiger Kritik- war sehr gut und mit unserem Fahrer konnten wir auch sehr zufrieden sein. Mein Dank gilt natürlich besonders unserem Janos, der als Organisator der Reise und Helfer in der Not bei sprachlichen Problemen immer hilfreich zur Stelle war. Für den reibungslosen Reiseablauf haben auch Christine und Carlo durch die effiziente Finanzgebarung der Eintritts- und Führungsgebühren beigetragen.

Mit einem Wort: Wir freuen uns schon auf die nächsten geplanten Reisen!!!

Wien, im Oktober 2008