FAHRT NACH TEURNIA UND AGUNTUM

Diesmal stand im Mai 2008 eine zweitägige Busfahrt nach Kärnten und Osttirol am Programm. Die interessierte Kerngesellschaft der Seniorarchäologen besichtigte die neueren Grabungsergebnisse im spätantiken Norikum u.zw. in Teurnia (St. Peter in Holz) und Aguntum bei Lienz. Bei wechselhaftem  Wetter ging es auf der Südautobahn Richtung Spittal/Drau. Die erste Pause in der Steiermark am Parkplatz 113 wurde gleich mit der Besichtigung einer kelto-romanischen Grabanlage verbunden.

Kelto-romanische Hügelgräber in der Steiermark und Umgebung

Diese spätantike Hügelgrabanlage (2. Jhdt. n.Chr.) ist typisch für aufwändigere Bestattungen in der mittleren Steiermark und angrenzenden Gebieten im 1. bis 4. Jhdt.; es sind durchwegs Brandbestattungen. Hier befinden wir uns an der Grenze zwischen Norikum und Pannonien an der Nord-Süd-Straßenverbindung durch das Lafnitztal. Die heutige Gemeinde ist St.Johann in der Haide, das dazugehörige Museum in Hartberg. Der Dromos (Eingangsbereich) ist besonders sorgfältig ausgeführt und das gesamte Grab jetzt auch gut renoviert. Ein Blick hinein  zeigt in der Grabkammer links eine Aschenwanne, rechts eine ebene Fläche. Die kelto-romanische Bevölkerung der damaligen Zeit verwendete diese Grabanlagen für bessere Bestattungen, und es wurden weitere solche Anlagen in näherer Umgebung gefunden.

Weiter ging die flotte Fahrt zum Lendorfer Wirt, wo die Mittagspause gehalten wurde. Für nachmittag war die Besichtigung Teurnias geplant. Einige kannten bereits aus früheren Jahrzehnten die früh-christlichen Kirchenfundamente mit dem herrlichen Mosaikboden und staunten jetzt, wie viel Neues inzwischen ergraben und geschaffen wurde, nämlich die freigelegte Bischofskirche auf der Anhöhe mit Hospitium und das feine Römermuseum in einer renovierten Scheune aus 1892.

 

Zur Geschichte TEURNIAs

(laut Prospekt und Führung durch Ferdinand Kargl) Der Hügel war bereits seit 1200 v.Chr. (Spätbronzezeit) besiedelt. Das ursprünglich keltische Oppidum Teurnia (Einwanderung der Kelten im 3. Jhdt. v.Chr.) wurde unter Kaiser Claudius 45 – 50 n.Chr. zum municipium erhoben. Der Ort musste also im Provinzbereich Binnen-Norikum schon gut entwickelt gewesen sein, und er lag etwa auf halber Entfernung zwischen Aguntum und Virunum, ideal als Bezirkshauptstadt. Im niedergehenden römischen Reich von 400 – 610 bestand hier der Bischofssitz TIBURNIA, später LURNFELD, die heutige Gemeinde. Die staatlich-römische Verwaltung sorgte für eine starke Befestigungsmauer für die neue Hauptstadt. Die auf der Anhöhe zuletzt freigelegte Bischofskirche stammt aus dem 5. Jhdt. Das daneben befindliche Hospitium als Pilgerherberge wurde aus Denkmal-schützerischen Gründen wieder zugeschüttet. Anhand von Modellen kann man in der schützenden Halle die einzelnen Bauphasen verfolgen. In der ersten Bauphase war bereits ein Natex (Vorraum für Ungetaufte, Kinder und Gebrechliche mit Sitzgelegenheit = gemauerte Bänke), in der Apsis ein mit drei Vorhängen abgegrenztes Presbyterium (Bischofsstuhl in der Mitte sowie Bank für Gemeindeälteste), im Altarraum die Tischplatte (Triklinium) und das Reliquiar als Grube mit Marmorabdeckung. Farbige Fenstergläser gingen nur nach Osten, sonstige Fensteröffnungen waren mit Tierhäuten bespannt.  Die zweite Bauphase nach einer Brandstörung beinhaltet eine gleichzeitige Erweiterung der Kirche aus den Jahren 520 bis 530 mit einem Fresko der Hl. Jungfrau mit Strahlenkranz und der Hl. Euphemia. Ein einfacher Holzdachstuhl mit Schindeldeckung, drei Wasserbecken für die Fußwaschung vor Ostern = Mailänder Brauch und ursprünglich aus Syrien – waren nun vorhanden. Die südliche Christianisierung aus Rom (frühmittelalterlich) war eher episkopal, die gleichzeitige von Nordwesten (Irland) her mehr Kloster-bezogen. In den politischen Strukturen war der Bischof auch dux bellarium („Herzog im Kriegsfall“), was in den unsicheren Zeiten eher einer Notregierung gleicht. Die Messfeiern dauerten ca. 2 Stunden, bei der Predigt durfte das Volk am Boden des banklosen Kircheninneren sitzen. Das ursprüngliche Oppidum mit etwa 3000 Bewohnern genoss die pax romana, hatte ein Forum und ein Amphitheater für Gladiatorenkämpfe, insulae (Wohnviertel) mit zwei bis drei Stockwerken und eine villa urbana ab dem 2. Jhdt.  Durch den günstigen „Einmauerungsbefehl“ eines Gurker Abtes wurden viele Spolien in Karantanien gerettet, so auch die Platte mit dem Trauben fressenden Hasen (im Gebäude vis à vis des Museumstadels). Ursprünglich das Symbol der Fruchtbarkeit, mutierte der Feldhase später zur Unmäßigkeit. 113 v.Chr. ging für die Römer die Schlacht von Noreia gegen Kymbern und Teutonen noch verloren (nur gedachter Hinterhalt der Römer), später bis zur Schaffung der Provinz waren die Kelten „Freunde des Imperiums“ durch den regen Handel: Pferde und Wein gegen begehrtes norisches Eisen. Die Kelten passten sich auch in den Römeropfern (Kaiserkult) an. Im Museum werden beachtliche Funde gezeigt: Meilensteine (z.B. aus Zeit Diokletians), Schmuck und Gebrauchsgegenstände (Goldröllchen von Frauenhaarnetz, Silberlöffel für Austeilung des Altarsakraments mit Entenkopfgriff, für den Wasserverkauf (Heiligtum) ein Stein „Granno Apollin“, (Grannus war der höchste keltische Gott), antike Grababdeckungen (Delfin trägt Kind in das ewige Leben), Urnen und christliche Körperbestattung. Alle Beschriftungen waren bei den Römern gerötelt. Aus Millstatt (Binnen-Norikum) stammt eine Grabplatte mit Bacchuskult = Vögel trinken aus Kelch des ewigen sinnlichen Lebens (ursprünglich Dyonisoskult, dieser 173 v.Chr. verboten wegen Knabenopfer), Grabaltar der Terentia = Reliquienschrein. Vitis = Weinstock für Bestrafung durch Centurio.

Untere früh-christl. Kirche:  500 n.Chr.,  1908 wurde das Bodenmosaik der Seitenkapelle entdeckt und 1910 ergraben, Schutzbau 1959. Ursprünglich mit Schieferdach, eventuell eine Arianerkirche, da ein Versammlungssaal gefunden wurde. Seit 488 war Teurnia auch Sitz des Militärkommandanten der Provinz, der als Stifter des berühmten Mosaiks auftritt. 1930 wurde das Mosaik neu aufgelegt und zu Beginn des 21. Jhdts. auf Glanz gereinigt. Alter „Physiologus“ beschreibt Tiersymbole, Vergleich mit christlichen Symbolen: Ohne Tiere „Schachbrett“ mit 7 x 9 Feldern in schwarz, weiß und rot (Wechselfälle des Lebens?). Hirsche an der Quelle, Cantharus (Kelch) statt christlichem Kreuz, die Welt-Esche Igdrasil (germanisch), Storch = Christus mit Eidechse (leidender sündiger Mensch) auf dunklem Hintergrund, Hase als Symbol für gut und böse. Rind für Pflüger (Christus bringt die Frucht), Ente sammelt ihre Küken (christl. Schutz), Taube (Christus, Hl. Geist). Schlange aus Spalte (Teufel) wird von Hirsch (christl. Lehre, Quelle) zertreten. Adler (Pantokrator, beschützt seine Kinder). Säugende Hindin (Altes Testament). Reiher kämpft gegen Schlange (Glaubenskampf). Swastika ist Symbol des Glücks (bis auf eine rechtsdrehend). Um 610 endete mit der Slaweneinwanderung das rege Leben der Stadt. Im 9. Jhdt. wurde der Hügel neu besiedelt und die heutige Pfarrkirche mit angeschlossenem Friedhof errichtet. Die Kirche trägt ein Fresko aus dem 14. Jhdt. (hl. Christophorus), 1950 ins Freie verlegt. Weiteres Fresko aus 1430: Martyrium der hl. Dorothea (300 n.Chr.). Kapelle des hl. Athanasius.

Mit tiefen Eindrücken von diesem bedeutenden Platz begaben wir uns wieder zum Bus und trafen nach kurzer Zeit in Lienz vor unserem Hotel „Goldener Fisch“ jenseits der Isel ein. Wir bezogen unsere feinen Zimmer und erkundeten gleich die Stadt nach allen Richtungen. Die alte Stadtmauer mit einigen erhaltenen Türmen ist mit ihrer Stärke und Höhe auch heute noch beeindruckend. Man kann sich auch vorstellen, dass an dieser Stelle schon früh ein größerer Ort fast zwingend entstanden sein muss, denn die Kreuzung der Straßen von Süd nach Nord und West-Ost muss einfach gut besetzt werden. Nach einem ausgiebigen Frühstück fuhren wir in den Vorort Debant, wo sich das teilweise ergrabene AGUNTUM mit seinem prächtigen neuen Museum (EU-Förderung) befindet.

Die Geschichte AGUNTUMs (Führung Dr. Tschurtschentaler, Innsbruck)

Der Bezirk beginnt 15 km südlich der Stadt am „Kärntner bzw. Tiroler Tor“ und reichte in der römischen Spätantike im Westen bis vor Brixen. Agu(o)ntum liegt auf dem Schwemmkegel des Debantbaches, der im Osten aus einem 15 km langen Tal kommt. Im Frühmittelalter und besonders im 16. bis 19. Jhdt. wurde der Bereich übermurt, und es ist keine mittelalterliche Bebauung Aguntums feststellbar. Aguntum lag auch schon in der Spätantike an einer Hauptverkehrsachse aus dem Drautal, Iseltal zum Felbertauernpass (Saumpfade auch über Kals und Heiligenblut) nach Salzburg (Juvavum) bzw. Nordtirol, wo die stark befahrene Nord-Süd-Achse über den Brenner ging mit einer Verbindung über Bozen, Innichen (Fluss Rienz) ins Drautal nach Aguntum-Lienz. Südlich der Drau gehörte alles zum Bezirk Aquileja (ehem. Provinz Venetia et Histria), nördlich zum Erzbistum Salzburg. Im Bergbau wurden Eisen, Gold und Kupfer gefördert. Aguntum lag daher an einer wichtigen Kreuzung von Handelswegen. Das neue Museum von 2005 wurde auch zum Schutz und zur Überdeckung eines großen marmornen Wasserbeckens aus der „roten Zone“ des Debantbaches, d.i. aus der Atriumvilla im Westen, erbaut. Aus Roheisenplatten ist der Grundriss des Atriumhauses mit den Umrissen des Beckens an der Seitenwand des Museums dargestellt.  Eine urchristliche Grabkapelle mit Sarkophag wurde aus einem Feld im Osten neben das Museum verlegt. 1912/13 wurde im Grabungsgebiet eine frühchristliche Kirche ausgegraben, die wieder zugeschüttet wurde; Nachgrabungen sind schwierig wegen Kulturland. Der Fund zeigt, dass relativ früh eine Christianisierung erfolgt sein muss. Am gegenüber liegenden Talrand von Lavant wurden drei frühe Kirchen aus 400 – 600 festgestellt. Aguntum war seit Claudius auch municipium mit einem Bistum in späterer Zeit. Noch heute hat der Kölner Erzbischof in seinen Titeln „bistum aguontum“. Das nächste Bistum war Tridentum (Trient) in Venetia. Die meisten Münzfunde stammten aus Aquileja, am Großglockner wurde ein Passheiligtum (Opfergaben) ergraben. Bereits 2000 v.Chr. kamen Balkan-Prospektoren nach Istrien. Vermutlich kamen die ersten Kelten im 2./3. Jhdt. über den Brenner u.zw. die Stämme der Laianken und Sebanten, die hier südlich ansässig wurden (siehe Sebatum in der Nähe von Bruneck). Im Reich Norikum mit Zentrum Magdalensberg wurden Höhensiedlungen (Oppida) mit Heiligtümern angelegt. 16 – 15 v.Chr. unternahm Drusus die Alpenfeldzüge; Norikum war eher friedlich durch schon bisherige rege Handelskontakte, Kämpfe gab es einige in Rätien. „Claudium Aguontum“ hieß das neue municipium unter Claudius ca. 45 n.Chr.  Die Bewohner wurden auch zur Verteidigung von den umliegenden Hügeln geholt. Etwa 50 n Chr.war Aguntum bereits ein Anziehungspunkt mit neuer Stadtmauer – trotz Grenzschutz durch die pax romana – und war in späteren Notzeiten dadurch eher geschützt. Zerstörungen sind ab Anfang des 5. Jhdts. bis ca. 650 n.Chr. feststellbar, durch Hunnen eventuell ohne Plünderung.Ost- und Westgoten (Alarich) brandschatzten den Ort. 610 n.Chr. ist letzte Erwähnung durch Paulus Diaconus anlässlich der Schlacht zwischen Bajuwaren und Slawen, wobei erstere bis zum heutigen Sillian zurückgedrängt wurden. Eine Kalser Sprachuntersuchung ergab für drei Ortsteile  unterschiedliche Bezeichnungen: german.-bajuwarisch, slawisch und romanisch. Eine Landkarte aus dem 15. Jhdt. zeigt noch Aguntum, danach Steinbruch und Grabungen durch Bauernbevölkerung.

In neuerer Zeit (Zwischenkriegszeit) traten Befunde beim Ausbau der Bundesstraße 100 außerhalb der Stadtmauer auf; vorerst wurde nach Osten weitergegraben. Auf dem Fundament eines geplanten Dollfuß-Denkmals wurde das Grabungshaus errichtet (1933-35 unter Dr. Swoboda). 1948-50 Grabung in Aguntum, Lavant bis 1991, weiters Aguntum durch Prof. Dr. W. Alzinger bis 1990. Danach Landesfinanzierung von Innsbruck aus, ab 1991 Dr. Tschurtschentaler (Vertrag Ö.Arch.Inst. Wien mit Land Tirol). Grabungsgelände hat Ausmaß von 800 x 400 m. Aguntum war kein Militärlager, hatte 1000 bis 1500 Einwohner und die Stadtfläche war nicht voll für Gebäude genützt. Eine dicke Mure mit dünner Humusschicht (Wiese) schützte vor Raubgräbern. Jetzt besteht Hochwasserdamm, aber der Ort hat Vorrang vor Grabungsgelände, daher Verlegung des Marmorwasserbeckens.Von der Südostecke betritt man die Ausgrabung durch die ca. 2m dicke Stadtmauer und ge-langt zum Atriumhaus mit seinen Nebengebäuden. Unter der Bundesstraße, die mit einer Brücke versehen wurde, kann man das einst prächtige Gebäude samt Gartenanlage und dem Platz des ursprünglichen Marmorbeckens sehen. Um das Becken herum liefen drei Säulengänge, das Triklinum (Speiseraum) befand sich im Süden. Der herrschaftliche Teil umfasste ca. 2000 m², im Ostteil waren Lager und Gesindehäuser rund um einen freien Platz angeordnet. Die gesamte Anlage hatte den sonst nur in südlichen Ländern üblichen Grundriss und war nördlich der Alpen wegen der kalten Jahreszeit eher unmöglich. Die in diesem einzigartigen Bau nachträglich eingebauten Fußbodenheizungen sprechen dafür, ebenso ein beheizter Gang zwischen dem kühlen Atrium und den Wohnräumen. 300 Jahre wurde das Gebäude genutzt, und der Betrieb muss sehr teuer gewesen sein. Man nimmt an, dass nur ein reicher (einheimischer) Händler (Gold, Eisen?) sich diesen pompejanischen Nachbau leisten konnte. Hinter dem Atrium befindet sich das Tablinum, ein repräsentativ ausgestattetes Zimmer zum Empfang von Gästen. Es gab Schiebetüren und Vorhänge zur Abtrennung. In das Triklinum hingegen kamen nur die besten Freunde und Familienangehörige zum Speisen (Eintrittshierarchie). Vor dem Eingang (Porticus) war ein gedeckter Gehweg neben der Straße und nur mit Kiesbelag versehen; Planierungen erhöhten immer wieder das Niveau der Straße. In letzter Zeit wurde das macellum („Fleischmarkt“) im Ausmaß von 18 x 18 m mit acht Geschäftslokalen (Delikatessenläden) in einem inneren Zehneck ergraben. Der innere Platz hat zwischen verwitterten Marmor- und Schieferplatten einen Brunnen. Diese Gebäude befinden sich auch in der „roten Zone“ des Debantbaches und wurden bis zur später beabsichtigten Wiedererrichtung (!) vorerst zugeschüttet. In Abfallgruben fand man etwa 100 Rinderschädel. Das östliche Stadttor ist bereits vor Jahrzehnten ergraben worden. Ab dem 2. Jhdt. gab es zwei Fahrbahnen (Fahrbahnteiler) mit inneren Doppeltüren, später Außentüren. Eine ergrabene Friedhofskirche im NO wurde auch wieder zugeschüttet. Im Handwerksviertel mit Verarbeitungsplätzen im Garten waren Stockwerke für Wohnungen feststellbar. Im 1. – 3. Jhdt. erlebte eine große Therme im Westen drei Bauphasen; Wandmalereien und Mosaike wurden gefunden.  Ein neuer Aussichtsturm erlaubt hier einen schönen Überblick über das Gelände und die Umgebung. In der Therme wurde ein ursprüngliches Händlerhaus mit Privatbad ergraben, in der zweiten Ausbaustufe war der Haupteingang der öffentlichen Therme mit Marmorschwelle im Westen gebaut. Die Römer benützten am Nachmittag ihre Bäder. Gemäß den Lehren des Vitruvius Pollio (Vitruv) sollte der wärmste Raum im Bad nach Süden und Westen sein; so ist es hier angelegt. Vom caldarium (Warmbad) gehen Stufen ins tepidarium (lauwarm). Am Ostende der Rekonstruktion sind im sudatorium (Schwitzbad) auch für Ungeübte zwei Fehler zu entdecken. Links und rechts der großen Heizstelle (praefurnium) sind zwei Durchlässe mit Bögen zu sehen, die unmöglich so im Original sein konnten, da sonst die schönste Wärme aus dem Dampfbad gleich wieder entwichen wäre.Dr. Tschurtschentaler hat diesen Fehler gleich freimütig zugestanden. Aus einer früheren Führung ist bekannt, dass im Vorraum des Westeinganges vor den Umkleideräumen zwei Skelette (Mann und Kind) über einer scheinbar unberührten Geldkassette liegend gefunden wurden.

Ein schöner Bildband „AGUNTUM“ mit genauen ausführlichen Texten ist im Museum zu erwerben. Zu den Ausstellungsstücken im Museum ist zu sagen, dass man bestrebt war, das spätantike römische Leben des gesamten Binnen-Noricum in einem Überblick darzustellen.Neu war uns, dass man hier erstmals die originale Polychromie (Vielfarbigkeit) des antiken Marmors in Inschrift und Plastik nahe bringen will. Einzelne Abgüsse (Originale z.B. in Innsbruck) wurden aufgrund gefundener Farbreste eingefärbt  (Inschriften rot, Plastiken bunt) wie ein Dioskurenstein mit Castor und Pollux (Teilung der Sterblichkeit u. Unsterblichkeit).Mithrasaltar und Freskofragmente aus Aguntum: Unter dem Straßenasphalt waren Fresken viel besser erhalten als unter Wiese (=saurer Regen). Victoria von Kals als Passopfer, weiters Herkules vom Hochtor: schon einmal in Literatur beschrieben und beim Bau der Hochalpen-Straße wieder gefunden (reuiger Raubgräber?). Eingemauerter Bärenschädel als Bauopfer aus Aguntum-Mauer. Frauengegenstände: Schlüssel, Scheiben-Backmodel mit Victoria, Fingerhut.  Preisvergleiche aufgrund des Preisedikts Diokletians von 301 n.Chr.: Sklave im besten Alter 30000 Denare, Löwe für Zirkusspiele 150000 Den. ! Lohn Maurer 50 Den./Tag, Lehrer 50 Den./Monat pro Schüler.Bronzener Schuh mit doppelter Schnürung und Tuch (Patrizier). Erst ab dem Griechenfreund Hadrian waren Bärte wie jene der griech. Philosophen Mode (sichtbar auf Bronzeplastikrest).Militärdiplome: Bei Entlassung für römisches Bürgerrecht und andere Privilegien wichtig; daher doppelseitig auf Bronze eingraviert und Innenseite versiegelt zwecks Echtheitsbestätigung. Kleidung und Trachten des 1. bis 4. Jhdts. Meilensteine 3. Jhdt. von Septimius Severus und Philip.Arabs mit „Lontium“: 1873 Entfernungsnachweis Aguntums durch MOMMSEN.Spiele und Schmuck (Anhänger), Strigilis, CAMPANA-Platten mit allegorischen und szenischen  Darstellungen (z.B. Vergiftungsversuch durch Medea an Theseus, durch dessen Vater durch Erkennung verhindert). Prächtiger silbertauschierter Bronzeschwertgriff wahrscheinlich von Reiterstatue. „Frische Austern“ auf Macellum gefunden. Bergkristalle (sehr wertvoll), Armreifen mit Geldbörse aus Bronze. Köttlacher Mond-Ohrringe. 1994 erfolgte der größte antike Marmorfund Österreichs durch Freilegung des Beckens aus massiven Marmorplatten im Südteil des Atriumhauses (vorher unter Bundesstraße begraben).Einzelne Platten mind. 1800 kg schwer. Großes Geviert mit „Mittelinsel“, Dübellöcher mit Bleikanälchen gut erkennbar. Marmor stammt aus Gummern bei Villach. Rekonstruierte Togatus-Statue (vielleicht ein Kaiser) aus gefundenen Teilen (Kleiderfalten, Schuh etc.).  Schöne Küchennachbildung und reiche Gläserfunde.

Die Besichtigung Lavants, wo manche Wissenschafter auch das Zentrum des keltischen Stammes der Laianken  vermuten, konnte mit seinen frühchristlichen Kirchenfundamenten aus Zeitnot leider nicht mehr erfolgen. Vielleicht kann man das einmal privat in Verbindung mit einer Führung in der heutigen Pfarrkirche nachholen. Nach den üblichen Essens- und Erfrischungspausen trafen wir am Abend wohlbehalten wieder in Wien ein.  Wir bedanken uns bei Janos Rudas und seinen Mitorganisatoren (z.B. Carlo und Christine) für die angenehme Begleitung und hoffen auf weitere Reisen und Ausflüge.

Gerhart Maier, Seniorarchäologe