Reise nach Rumänien – Siebenbürgen

Am 17.09.07 trat unsere interessierte Gemeinschaft der Wr. Stadtarchäologie eine einwöchige Reise nach Siebenbürgen per Bus an. Bei sehr günstigem Wetter, das die ganze Woche anhielt, durchquerten wir das uns bereits gut bekannte Ungarn, nahmen dort das Mittagessen ein und erreichten die rumänische Grenze um 16 Uhr. Der  Eintritt in dieses Schwellenland der EU ist noch mit genauer Passkontrolle verbunden.

Die erste bedeutende Stadt in Rumänien war für uns ORADEA (NAGYVARAD, GROSS-WARDEIN), ehemals ungarisches Gebiet mit zweisprachigen Straßenbezeichnungen. Das Palais des Bischofssitzes ist mit 365 Fenstern ausgestattet und stammt aus der Zeit Maria Theresias. Ob der Bischof jeden Tag des Jahres aus einem anderen Fenster geblickt hat, ist nicht überliefert. Um Ortsverwechslungen zu vermeiden: Prinz Eugen siegte in Peterwardein (Neusatz, Novi Sad) in der Vojvodina ca. 100 km vor Belgrad im Jahre 1716, danach Eroberung von Belgrad 1717.

Am Abend erreichten wir unseren Stützpunkt CLUJ-NAPOCA (Klausenburg) und bezogen das schöne 4-Sterne-Hotel BELVEDERE. Das Willkommensabendessen war nach unserem Geschmack; nach dem Frühstück fuhren wir mit Prof. Dr. RUSU, den wir ab nun für den Großteil der Woche als Fremdenführer in Anspruch nehmen konnten, über die Stadt DEJ nachBISTRITA. Wir fuhren den Fluss SOMES (nördliche Grenze von DACIEN), welcher in Ungarn in die Theiss mündet, entlang. Am Zusammenfluss des Kleinen und Großen Somes liegt die Stadt DEJ  (Funde: Zwei Münzschätze und Germanenschmuck). Vorher durchquerten wir die Gegend von GHERLA (röm. Castrum), wo die Fundplätze durch die Industrie sehr arm geworden sind. Die Renaissanceburg Gherla wurde von Georgios MARTINUCCI erbaut und ist „noch heute ein Gefängnis“. Im 18. Jhdt. kamen Armenier nach Gherla (Elisabeth Topol im Süden), welche mit der r.k. Kirche uniiert sind und eine interessante Architektur gebracht haben. Funde waren in einer villa rustica in JUCU zu verzeichnen, wo später die Familie Zsuky als Oligarchen ansässig waren, während die Familie Banffy ihren Palast  in CLUJ-NAPOCA (KOLOZSVÁR) hatte. Reiche neolithische Funde waren in (NAGY-)ICLOD zu verzeichnen. Wir besichtigten in DEJ eine mittelalterliche (reform.) Kirche, welche nicht den gewohnten Altar sondern einen Abendmahlstisch mit reichem Blumenschmuck und eine zweite Kanzel in der Mitte der Sitzbänke hat.

Das Mittagessen nahmen wir in BECLEAU (BETHLEN) ein in einem kleinen Lokal, welches nicht sehr vorbereitet, aber dann doch stolz war, uns halbwegs gesättigt und mit Getränken versorgt zu haben. Hier wurde auch die reform. Kirche besichtigt – 1432 erstmals zur Krönung Sigismunds erwähnt. Es gab ein Gelübde zur Errichtung von drei Kirchen, eine davon in Bethlen. Vorher bestand schon eine alte Kirche am Ort, es ist jedoch unbekannt wo.In der Sakristei sind zwei Tabernakel in verschiedener Höhe, mehr als ein Tabernakel ist  selten.  Das Geschlecht der Bethlen hat bis 1773 immer für die Erhaltung der Kirche gesorgt; dann wurde die Kassettendecke entfernt und ungewöhnliche Änderungen erfolgten: Das heutige Gewölbe ruht auf einer Ziegelmauer und keine alten Fresken sind mehr erhalten.Ban Fidenes (Schwager des siebenbürg. Fürsten) liegt im Sarkophag in der Krypta der Kirche.Mitte des 16. Jhdts. war der siebenbürgische Großfürst von den Türken abhängig und der Gegner war das Haus Habsburg (im 15. Jhdt. war Ladislaus postumus sehr jung nach Österreich geflohen; daher der Herrschaftsanspruch Österreichs). In der Kirche ist das Wappen der Bethlen auf Grabplatten zu sehen: Davidstern, Schlange mit Kreuz und Krone. Der Kirchturm stammt aus 1854. Die alte Dorfbezeichnung war SESARMA (6 Bewaffnete).

In BISTRITZ (BISTRITA) einem alten Städtchen mit mitteleuropäischem Flair wurde ein Museumsrundgang unternommen. Dieser fand aus Zeitmangel nur im Hof mit Lapidarium  und spätantiken Skulpturenteilen statt. Sehr bemerkenswert ist eine wiedererrichtete Holzkirche, welche auch die geringere Körpergröße der damaligen Menschen erahnen lässt.Der kleine Altar befindet sich hinter einer Art von Ikonenwand. Auf den Holzbalken sind interessante Schnitzereien zu sehen. Auch der Nachbau eines Bauernhauses erbrachte viel Ausbeute für Fotografen. Beim Stadtrundgang danach trat ein Stromausfall in dem Moment ein, als wir uns bereits auf einen Kaffee freuen wollten. Nur kühle Getränke waren möglich, sodass wir bald wieder unseren Bus bestiegen. Auf dem Rückweg wurde noch eine alte Kirche in SINTEREAG besichtigt mit schön bemalter Emporenbrüstung und deren Stiege.Beinahe wäre uns Norbert Jama abhanden gekommen; er wurde sogleich mit dem Kirchenschlüssel befreit.

Am dritten Tag hatte unser Chauffeur Michael frei, d.h. wir konnten nur zu  Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln die nähere Umgebung erforschen. So begann morgens unsere Stadtbesichtigung vom Hotelhügel aus. Der Ortsname NAPOCA ist dakischen Ursprungs.Die Dakersiedlung befand sich auch an der Stelle des heutigen Hotels Belvedere. Die römische Stadt, eine colonia, umfasste die heutige Altstadt. Zur Zeit Aurelians 271 n. Chr. wurde ganz Dacien aufgegeben und von den Römern verlassen. Germanen, Slawen, Hunnen und schließlich Ungarn siedelten vom 3. Jhdt. an in der Gegend. Ab dem 9. Jhdt. wurde Siebenbürgen ungarisch, was auch ein ungarischer Friedhof an der römischen Straßenkreuzung bezeugt. An diesen Straßen befanden sich immer die besseren Häuser. Um die St. Michaelskirche (12. Jhdt.) war auch der übliche Friedhof angelegt. Grubenhäuser gehörten zum Dorf, danach kam die königliche Erdburg mit Benediktinerkloster. Der Bischof von Alba Julia hatte in den Mauern der alten Römerstadt eine kleine Nebenresidenz. Die ungarischen Kolonisten wurden HOSPES genannt und sprachen wie die Deutschen und  Walonen im 13. Jhdt. Latein. Stephan V verschaffte Privilegien,  Karl Robert brachte die erste Stadterhebung, welche 1380 bestätigt wird. Vetus Castrum (alte Burg) ist das Franziskanerkloster neben der Hauptkirche. Auch ein Dominikanerkloster war in der Stadt. Eine römische Ruine ist neben der St. Michaelskirche zu sehen. Zwei Brüder – Martin und Georg – die vorher schon in Prag und Großwardein als Steinmetzmeister gearbeitet hatten, kamen in der 2. Hälfte des 14. Jhdts. in die Stadt. Mit der Straßenbahn ging es an die Peripherie nach MONASTUR, ursprünglich im 11. Jhdt. die Erdburg mit dem Benediktinerkloster. Die Ausgrabung erbrachte Grubenhäuser aus der Arpadenzeit (11. und 12. Jhdt.), zum Unterschied zu Alba Julia war hier aber ein CONVENT. Den Nordteil umgaben Mauern, und die Kirche ist nicht die älteste. Aus der Arpadenzeit wurde nämlich eine Rotunde ergraben; ab Ende des 16. Jhdts. war hier ein adeliger Sitz, von dem heute Rundturmfundamente zu sehen sind. Die Jesuiten waren zuerst im Klosterdorf, später neben den Stadtmauern. Die r.k. Kirche wurde Anfang des 19. Jhdts. renoviert und um 1 Leu pro Jahr an die Orthodoxen verpachtet. Heute baut die Orthodoxe Kirche ein neues Kirchengebäude ganz in der Nähe. Der Altar in der besichtigten Kirche ist mittelalterlich, aus der ältesten Kirche sind eine Sonnenuhr und ein römischer Löwe erhalten. Nach der Labung im Lokal eines gotischen Hauses, in dem sich auch der Pfarrhof  befindet (Schleininger-Haus aus 1477 nach Pfr. Hans Georg Schleininger) wurde die gotische Kirche besichtigt und davor die römischen Überreste. Am Nachmittag unternahmen wir noch einen individuellen Stadtrundgang (z.B. Mathias Corvinus-Geburtshaus oder archäolog. und historisches Museum).

Am vierten Tag war Abfahrt bei 5 Grad C am Morgen in Richtung Süden nach TURDA.   FELEACO auf einem Pass wurde als neues orthodoxes Kloster erwähnt. Prof. Dr. Rusu begleitete uns wie jeden Tag und erzählte sehr viel: Die Daker lebten im Nordteil des Thrakergebietes, übernahmen die Baukunst der Griechen und hatten auch keltische Elemente zu verzeichnen. Ihr berühmter König BUREBISTA herrschte zur Zeit Julius Cäsars. Sein Reich erstreckte sich vom Schwarzen Meer bis zur heutigen Slowakei. Im selben Jahr wie Julius Cäsar 44 v. Chr. endete auch sein Leben durch Mörderhand. Nachfolger waren kleinere Könige, von denen Vegevarus im 2. Jhdt. durch TRAJAN bekämpft wurde. Die Hauptstadt REGIA sowie alle dakischen Festungen wurden zerstört. König DECEBALUS war 106 n.Chr. in seiner Residenz SARMIZEGETUSA geschlagen. Heute südlich des Ortes HUNEDOARA gelegen, wurde der Ort unter der Bezeichnung ULPIA TRAJANA als Sitz des Statthalters von Dakien aufgebaut, dessen gut sichtbare Reste wir später besichtigen konnten. Zwei römische Legionen besetzten Dakien: In POTAISSA (Turda) die LEGIO V MACEDONIA, in APULUM (Alba Julia) die LEGIO GEMINA. Ulpia Trajana stieg über einmunicipium zur colonia auf.

In TURDA angekommen nützten wir die Gelegenheit zu einer Salinenführung. Vor 13,6 Mio. Jahren entstand hier ein riesiges Salzlager in zwei Teile auf W und O geteilt mit einer unterirdischen Dicke von 250 bis 1500 m. Die Ausdehnung beträgt 42 km² und die unvorstellbare Menge von 38,75 Mrd. t! 1932 wurde der Abbau eingestellt und die Stollen dienen heute zur Asthmabehandlung und Käsereife. Die feuchte Luft löst an manchen Stellen das Salz von den Wänden und bildet eine eigenartige Wellenplastik. Die Franz Josefs-Mine ist 90 m tief mit 16-fachem Echo, 1690 wurde an der Maria Theresien-Mine begonnen und diese bis auf 120 m abgegraben (schöne Akustik für Konzerte). Der Großbetrieb war um 1868;  1881 entstand eine pferdebetriebene Hebevorrichtung für Salzsäcke, die heute noch erhalten ist. Eine hölzerne Kapelle wurde von den Adeligen über eine „Stiege der Reichen“ betreten. Auf einem Plateau mit schöner Aussicht auf die umliegenden Karpaten und eine markante Schlucht besichtigten wir die freigelegten Reste des Castrums der Legio V macedonia, das im Jahre 271 n.Chr. von den Römern verlassen wurde und den Bulgaren Gelegenheit zum Nachrücken bot. Die Römer bauten hier gleich aus Stein. Anfang des 17. Jhdts. waren laut einem historischen Bericht noch die Tore des Lagers mit einer Minerva-Statue zu sehen. Drei Kirchen und andere Gebäude wurden aus Spolien erbaut. Die Via praetoria ist heute auf Betonplatten gut begehbar. Ein Triumphbogen war einmal vorhanden, die Fundamente der Kommandogebäude sind zu sehen. In der Zahlmeisterei wurden eine Marsstatue, Kandelaber,Lorica und Textilien zu Rüstungen sowie zwei Amphorendepots gefunden. In den Thermen wurde ausgerechnet in der Latrine ein schönes gepidisches Frauengrab, „Franziska“ genannt,ergraben; die Funde sind derzeit in Speyer in der Hunnensammlung zu sehen: Große Silberfibeln und Gürtel sowie Ohrringe und eine Schuhschnalle, alles aus Silber. Auch ein einziges alanisches Grab war auf dem Kastellgelände. Die Alanen, ein ursprünglich iranisches Reitervolk, wurden im 13. Jhdt. von den Mongolen teilweise nach Ungarn abgedrängt. Die römische Zivilstadt war im SO unterhalb des Plateaus. Zuletzt wurden die Thermen freigelegtund wir fanden schön gestempelte Ziegelfragmente im Abraum. Unser Bus schlug die Fahrt inRichtung Berge im Tal des Goldflusses ein. VALERIA ist dort die letzte Szeklersiedlung. Die Dakerkönige hatten ein Goldmonopol; für das Volk war nur Silberschmuck erlaubt.

Ein verspätetes Mittagessen nahmen wir in COLESTI im Hotel-Restaurant Székelykö Kúria ein, dessen frische Sanierung mit ausgebautem Keller bis Biotop ganz stolz präsentiert wurde. Man genießt einen herrlichen Ausblick auf einen Karpatenausläufer (Schafherden!). Am Weg nach Alba Julia machten wir Halt in AIUD (NAGYENJED) mit Besichtigung einer alten Burgfestung, erbaut auf den Resten einer römischen Poststation. Der Ort hat eine lutherische Kirche (die ältere war ursprünglich romanisch) , eine reformierte Kirche mit der ältesten deutschen frühgotischen Inschrift aus 1333-1334, als dritte aus dem 15. Jhdt. die Franziskanerkirche mit Riesenturm (Wohn- und Wehrfunktion) aus der Zeit von Matthias Corvinus. Vom ältesten Niveau wurden 2m starke Schichten ergraben. Die Gotik ist abgebrannt, im 17. Jhdt. begann man zu barockisieren, das Pfarrhaus blieb jedoch gotisch.. Einzelne Innungen benannten Basteien und Türme. 1977 begann eine Ausgrabung mit römischen Funden, Spätgotik und neuzeitlicher Architektur, Fundamente aus Römersteinen wurden bis auf 2 m Höhe festgestellt. Im alten Regime wurden die Grabungen plötzlich eingestellt. Die Festung gehörte zum Kapitel Alba Julia und war geteilt unter kirchlicher und weltlicher Macht. Die Bevölkerung bestand aus Deutschen und Ungarn. Treppenreste sind an der NO-Wehrmauer zu sehen, älteste Mauerteile im Norden (Nische) und innerhalb des Gebäudes.

Schließlich erreichten wir ALBA JULIA (APULUM, KARLSBURG):Der Ort schrieb neuere Geschichte ab etwa 1000 n.Chr.: Bulgarenstützpunkt, dann Petschene-gen und Ungarn. Autor Gyulas spricht von der  Auffindung römischer Ruinen mit dem Bischofssitz von Transylvanien. Von Anfang an gab es keine Kathedrale, der erste Fund war eine Rundkirche aus dem 10. oder 13. Jhdt. Tore des Hl. Michael und Hl. Georg. Das alte Lager war nie ganz bewohnt bis zum Hochmittelalter. Mitte des 14. Jhdts.. wurde einmal der König Ludwig I vom Bischof nicht eingelassen! Ab dem 16.. Jhdt. war eine neue Phase als Hauptsitz von transylvanischen Fürsten. Anfang des 18. Jhdts. erbauten hier die Habsburger die größte Festung von Siebenbürgen (Komplex nach Vauban, Frankreich). Römisches Baumaterial wurde verwendet. Die romanische Kathedrale stammt aus dem 11. Jhdt. mit nur einem Turm, der zweite ist bei Erdbeben eingestürzt. Innen drei Hunyadi-Sarkophage und einer von König Sigismund. Laszlo-Kapelle (nach Erzbischof benannt) in gotischer Renaissance. Die Festung wurde auch zur Revolution 1848 nicht erobert und schließlich Ende des 18. Jhdts. aufgelassen; dann nur mehr Kasernen. Für zwei Tage quartierten wir uns in Alba Julia ein und fanden auch gute Lokale.

Am fünften Tag ging es nach SEBES (SZÁSZSEBES, MÜHLBACH), dem ersten sächsischen „Stuhl“ (ähnlich Bezirkshauptmannschaft). In der ersten Hälfte des 12. Jhdts. gründeten Ungarn (Székler) die Siedlung am rechten Mühlbach-Ufer, etwa ein halbes Jhdt. danach deutsche Siedler am linken Ufer den Ort Mühlbach. Hier gibt es die schönste Pfarrkirche in Siebenbürgen mit Skulpturen aus dem 14. Jhdt. und einem großen Chorus. Weiters ein mächtiger romanischer Turm und die Jakobus-Kapelle mit Gebeinhaus im Nordender Kirche. König Sigismund verlieh das Stadtrecht, eine Stadtmauer wurde errichtet. In der bewegten Geschichte erfolgte 1438 der Türkensturm unter Begleitung des Fürsten der Walachei, VLAD DRACUL, mit Verschleppung des Großteils der Bevölkerung. 1658 gelang der Freikauf der Stadt von den Türken für 12000 Taler,  jedoch wurde sie 1661 von Ali Paschas Truppen zerstört. Noch 1738 fordert die Pest 935 Opfer. In vielen Siebenbürger Kirchen hängen orientalische Teppiche aus der türkischen Kriegsbeute zur ewigen Besichtigung, so auch in Sebes. Quizfrage: „Sächsische Universität“? Das ist der Bund von zwei „Stühlen“ (BH) in Siebenbürgen gewesen. Am Weg nach Sibiu (Hermannstadt) hielten wir in CHRISTIAN (Insula Christiani). Der Ortsname bezieht sich entweder auf den Gründer oder eine Gruppe von Christen auf der insula. Etwa 150 Wehrkirchen sind in Siebenbürgen noch intakt. Es gibt zwei Arten:< a) Normalkirche mit Wehrmauer rundherum, b) bewehrte Kirche mit Schießscharten und starkem Turm (Kanonen!), Häuser und Gräber innen; äußere Häuser bei beiden Arten. Wir umwanderten die Wehrkirchenmauer am Fluss, an der Dorfstraße ist ein kleines Postamt.Eine ältere deutsche Einwohnerin führte uns durch Kirche und Burghof. Sie ist trotz schwerer Repressalien in Rumänien geblieben, da sie eine rumänische Schwiegertochter hat, und erzählte uns einiges aus ihrer Erfahrung während wir fotografierten und Walnüsse sammelten.Die Kirche ist sehr sauber gehalten, und wir betraten auch die etwa 700 Jahre alte Sakristei.Jedenfalls gehört diese Kirchenburg zur zweiten größer ausgebauten Art.

Danach erreichten wir SIBIU (HERMANNSTADT): Der deutsche Name wird von einer in der Unterstadt befindlichen „Villa Hermani“ abgeleitet. Die Ortschaft wurde als Komitatsburg  von Deutschen aus Nürnberg Ende des 12. Jahrhunderts übernommen u. zw. mit Gründungeiner deutschen Präpositur mit Patronat des Hl. Ladislaus (zu Sitz Esztergom gehörig).„Kleinmarkt“ mit ältester Kapelle und Burg. „Großer Markt“ mit r.k. Kirche und Brukenthal-Palais (Museum). Samuel Brukenthal war Gouverneur Anf. 17. Jhdt. und legte Sammlung an.Vom Ende 14./Anf. 15. Jhdt. ist dritter Wehrmauerring erhalten. Das Haus der Familie Altenberger wurde seinerzeit an die Stadt verkauft und wurde das zweitälteste Rathaus. Eine Rettungsgrabung am Kleinmarkt ergab 1000 Gräber; nach dem Kirchenaltar wurden noch zwei Kapellen (Rotunde und Ladislauskapelle) gefunden. Wir rasteten am Großen Markt gegenüber vom sogen. Lutschhaus, das wie manche andere Häuser prächtig renoviert wurde.Verula ist eine sehr große Grabsteinkollektion.

Am 6. Tag führte unser Weg nach Südwesten über die Stadt ORASTIE in jene Gegend, wo im Mittelgebirge die ursprüngliche Dakerresidenz SARMIZEGETUSA lag, die von den Römern erobert und mit seinen Heiligtümern zerstört wurde. Im Bezirk Hunedoara steuerten wir die reform. Kirche SANTAMARIA ORLEA an, welche romanisch und mit gotischen Elementen ausgestattet ist und noch herrlich erhaltene Fresken (entdeckt 1869) aus dem 14./15. Jhdt. besitzt (Auffindung des Hl. Kreuzes durch Helena, Geburt der Jungfrau Maria, Apostel). Zuständig war hier das Geschlecht KENDEFYI. Abzweigend vom Streijk-Tal nach Westen liegt der Ort HATEG (HÁTSZÉK), eine königliche Burg aus der 2.. Hä. des 13. Jhdts. mit Franziskanerkloster (Bezirk Hateg). In derGegend sieht man heute viele große Industrieruinen (z.B. Kokserzeugung für Hunedoara), welche erst beseitigt werden müssen, was sehr teuer kommt. Zum orthodoxen Bistum von Arad und Hunedoara gehört das rumänisch-orthodoxe Kirchspiel DENSUS, ursprünglich im 12. Jhdt. erbaut aus vielen römischen Spolien (Funda-mente, Säulen, Löwen und Altäre), innen mit vier Pfeilern und ältesten sehr rustikalen Fresken (z.B. Maria verprügelt Dämon). In der Reformation waren die Bauern orthodox, die Adeligen evangelisch; diese bauten sich eine neue Kirche auf.  Südwestlich von Hateg erreichten wir dann das neue ULPIA TRAIANA SARMIZEGETUSA.Diesen Ortsnamen hatten die Römer konstruiert, um die neuen Machtverhältnisse zu betonen an dieser strategisch wichtigen Stelle zwischen den Poiana Rusca-Bergen im Norden und dem Retesat-Massiv im Süden, ebenso der Pass Partile de Fier (Eisernes Tor Siebenbürgens) nach Westen.  Hier konnte der Durchzugsverkehr vom Norden Daciens bis zur Donau kontrolliert werden. Das Ruinengelände des Legionslagers ist sehr gut erhalten und gepflegt. Nach dem Amphitheater mit Gladiatorenschule erwandert man sich das gut sichtbare Forum, die Zahlmeisterei und mehrere Tempelanlagen und sonstigen Gebäuden. Derzeit wird am Forum  gegraben.

Als bedeutenden Ort zwischen Süd- und Westkarpaten wurde noch HUNEDOARA besucht mit seiner Bilderbuch-Burg, welche der Stammsitz der Hunyadis ist. János HUNYADI hat sich als großer Feldherr verdient gemacht, indem er den Türken im 15. Jhdt. die Überschrei-tung von Save und Donau Richtung Ungarn verwehrte (Schlacht 1456 Belgrad vs. Mehmet d.Eroberer!). Seinem Vater VOICU hatte König Sigismund 1409 die Burg Hunedoara geschenkt. 70 Jahre Friedenszeit (Matthias Corvinus) waren für Ungarn gesichert. Die Burg, welche J. Hunyadi selbst nie bewohnte (!), wurde von Hunyadi  als Trutzburg gegendie Türken befestigt und ab 1446 (Hunyadi Reichsverweser) zu einem Residenzschloss aufwändig umgebaut (Saal der Reichsversammlung, zweischiffiger Rittersaal, repräsentativerWohntrakt, vier gotische Erker an westlicher Hauptfassade mit hohen Strebpfeilern). Auch der Sohn Matthias C.. fügte einen Flügel mit Renaissance-Loggia hinzu. Im 19. Jhdt. brannte die Burg; die letzten Schlossherrn waren TÖKÖLY; restauriert wurde inkl. der Sammlung   bis 1914.  Im Westtrakt kann man einen Raum mit einem der letzten gut erhaltenen Kamine aus dem 15. Jhdt. sehen, welcher vom Franziskaner und Wanderbußprediger Johann CAPESTRANO (Capestran) bewohnt war (15. Jhdt.), welcher später u.a. auch in Wien (Kanzel am Stefansdom N-Seite) predigte. Wir kehrten nach Norden zurück und gelangten in die Stadt DEVA am Somes, in der wir für eine Nacht Quartier nahmen. Bei noch immer schönem Wetter besichtigten wir das schöne BETHLEN-SCHLOSS und erreichten mit dem Schrägaufzug die verfallene Burg, welche im 18. Jhdt. durch ein explodierendes Pulverdepot zerstört wurde.

Am 7. Tag – Sonntag zeitig früh – traten wir die Heimfahrt aus diesem gastlichen Land überARAD und das ungarische SZEGED  über BUDAPEST an, welche Strecke auch dank der guten Kondition unseres Chauffeurs MICHAEL problemlos zurückgelegt wurde.

Unserem landes- und ortskundigen Fremdenführer Prof. Dr. RUSU, von dem wir uns in Devaverabschieden konnten, sei hier nochmals der Dank für seine permanente und fachkundigsteTätigkeit im Dienste unserer Wissbegierde ausgesprochen, ebenso unserem immer wieder so geduldigen und aufmerksamen JANOS RUDAS, der seine Schäflein zusammenhält und aus versperrten Kirchen vom Verdursten und Verhungern errettet, von der Vorbereitung der Reise gar nicht zu reden. Unserer CHRISTINE und unserem CARLO speziellen Dank für den internen Zahlungsverkehr, der bis auf den letzten Cent zu unserer größten Zufriedenheit abgewickelt wurde. Dieser Kurzbericht wurde vom Verfasser im Bestreben möglichster Genauigkeit nach seinenNotizen aus den Erläuterungen der Experten vor Ort, aus Prospekten und unter Zuhilfenahme des guten alten Großen Brockhaus angefertigt. Er möge in Verbindung mit den HundertenFotos, die wir aufgenommen haben, zur Erinnerung bis in unsere alten Tage dienen. Für die100%-ig richtige Schreibweise einzelner Namen und Orte kann keine Gewähr geleistet werden. Bei gröberen Fehlern (z.B. Hörfehlern) bei Führungen möge man bitte  zwecksKorrektur verständigen:

Gerhart Maier, Seniorarchäologe.