Die Geschichte der Kirche von Feldebrö

Kirche und Kloster wurden im ersten Drittel des 11. Jh., wahrscheinlich von Mitgliedern des mächtigen Aba-Geschlechts, die große Güter in der Umgebung besaßen, gegründet. Eines der frühesten erhalten gebliebenen Baudenkmäler des ungarischen Christentums, ist sie als Grabkirche gebaut worden. In ihrem Mittelpunkt, im Gewölbe, das auf die mit Fresken reich geschmückte Unterkirche ging, befand sich das Grab einer jetzt nicht mehr bekannten, heiliggehaltener Person, welches von den Bewohnern des unweit der Kirche stehenden kleinen Klostern betreut wurde.

Jede Seite der Kirche von quadratischem Grundriss wurde durch je einen halbkreisförmigen Chor erweitert. In der Mitte trugen vier massige Pfeiler – die Krypta und die zu den Guckfenstern führende Treppe umgebend – eine Kuppel oder einen gedrungenen Turm. Das mittlere Quadrat wurde von drei Seiten von Seitenschiffen umgürtet, die mit einer Reihe von Bündelsäulen davon abgesondert waren. An der Ostseite wurde die Symmetrie der zentralen, fünfschiffigen Kirche von der Masse des Hauptchors oberhalb des Gewölbes der Unterkirche gestört.

Die Kirche wurde noch in der Arpadenzeit zu einer dreischiffigen umgestaltet und zwar dadurch, dass man die nördlichen und südlichen Seitenschiffe durch die Einmauerung der Lücken der Bündelsäulen abgetrennt hatte. Die Eingänge zur Unterkirche, ursprünglich aus den nördlichen und südlichen Seitenschiffen kommend, blieben außerhalb der Kirche, weshalb an der Südseite ein neuer Eingang gebildet werden musste. In zwei Ecken an der Westseite der Kirche wurden Türme gebaut mit Mauern, die auch die Bündelsäulen in sich geschlossen hatten. Die Grabkirche wurde wahrscheinlich zu dieser Zeit zur Pfarrkirche des Dorfes. Das Gebäude wurde im Mittelalter öfter erneuert. Im 5. Jh. entstand z.B. das gotische Südportal. Zur gleichen Zeit wurde die Kirche und der angrenzende Friedhof mit einer Steinmauer umgeben, die entlang des inneren Randes des mächtigen Einfriedungsgrabens gebaut wurde.

Die während der Türkenzeit stark beschädigte, dann mehr oder weniger gut ausgebesserte Kirche wurde Mitte des 18. Jh. in ihrer jetzigen barocken Form aufgebaut. Pfeiler wie Bündelsäulen wurden abgebrochen, sodass der Innenraum nur mehr aus einem Schiff bestand. Die schwach gewordenen mittelalterlichen Wände wurden durch Pfeiler unterstützt, die auch das Gewicht des neuen Gewölbes trugen. Die östlichen Abschlussmauern abbrechend wurde ein neuer, geräumiger Chor gestaltet, vor der stehen gelassenen westlichen Abschlussmauer wurde aber ein Turm gebaut. Der Innenraum des Schiffes wurde bis zur Höhe des Fußbodens im Chor aufgefüllt, so dass dadurch die Überreste des früheren Gebäudes verborgen wurden.  Aus der ersten Kirche ist – wenn auch an zwei Seiten verstümmelt und eingemauert – lediglich die Unterkirche erhalten geblieben, in welche man aus dem Schiff durch die durchbrochene Westmauer der Grabkammer gelangen konnte.

Die Kirche wurde durch das Ungarische Landesdenkmalamt restauriert. Dieser Arbeit war eine vollständige archäologische und kunsthistorische Forschungsarbeit vorausgegangen, welche von wissenschaftlichen Mitarbeitern des Ungarischen Nationalmuseums und des Ungarischen Landesdenkmalamtes durchgeführt wurden. Die Arbeiten wurden 1983 beendet.

Nach Möglichkeit werden alle erschlossenen Architekturdetails aus den verschiedenen Bauperioden zur Schau gestellt. Die mittelalterlichen Überreste sind durch reine Steinoberflächen gezeigt, die Außenseiten der Wände aus neueren Zeiten sind mit einem Spritzverputz bedeckt, in der Farbe von rohen Steinmauern gehalten; die erklärenden Ergänzungen sind durch eine Übertünchung in der gleichen Farbe abgesondert. Auf den Reichtum des einstigen Pfeiler- und Säulenwaldes im inneren Raum wurde durch ein halbes und ein bis zur vollen Höhe aufgezogenes Säulenbündel und den darauf ruhenden Gewölbegürtel gewiesen. Mit dem Abbau des im 19. Jh. errichteten Orgelchors haben wir die Innenseite der originalen westlichen Abschlussmauer, die fast bis zur ursprünglichen Höhe erhalten geblieben ist, freigelegt, sodass auch der Triumphbogen des Westchors sichtbar geblieben ist.

Dem ursprünglichen Zustand entsprechend, haben wir die Grabkammer mit den Guckfenstern und der dazu führenden Stiegenreihe restauriert. Der eingemauerte arpadenzeitliche Eingang der Krypta wurde freigelegt und wieder zugänglich gemacht.

Die wichtigsten Stücke der Inneneinrichtung der Kirche blieben – nach einer Restaurierung – an ihrem Platz. Von künstlerischem Wert zeichnet sich unter ihnen der Seitenaltar aus dem 18. Jh. aus.

Für uns aufgezeichnet von Susanne Lang (Susi II)