Der römische Mensch, ein paar Einblicke

Ursula Eisenmenger

Was ist der Mensch in der römischen Zeit? Schon im 4. Jh. hat man sich darüber Gedanken gemacht, zunächst in der Gegenüberstellung von eher körperlichen Eigenschaften: weniger Kinder als die Gallier, kleiner als die Germanen, weniger reich und schlau als die Afrikaner, weniger künstlerisch begabt als die Griechen, aber dafür wäre der Römer zum Herrschen geboren, definiert durch Waffenfertigkeit, Lagerdisziplin und kriegerische Erfahrung. Cicero hingegen hält abseits der Kriegskunst das Einhalten der pietas und der religio für die Substanz, die einen römischen Menschen ausmacht.

Doch noch lange bis in oströmische Zeiten hielt sich das Verständnis, dass Römertum mit Kriegswesen gleichzusetzen wäre.

Bedingt durch Jahrhunderte lange christliche Diktion hielt sich also das Bild des grausamen Römers, der Menschen zur Belustigung und als Abschreckung in den Arenen abschlachten ließ. Doch neuere Studien zeigten, dass damals weit weniger ihr Leben ließen als in den Religionskriegen in den folgenden Zeiten; so waren unter Karl V. in den Niederlanden weit mehr Protestanten hingerichtet worden als während drei Jahrhunderte im gesamten Römischen Reich.

Wenn wir von Römern sprechen, haben wir bereits die Vorstellung von Herren eines Weltreiches und vergessen häufig dabei, dass die Anfänge in einem kleinen Bauerndorf lagen und dass das spätere Leben eine bunte Mixtur verschiedenster fremder Einflüsse war. Ich erwähne nur die Schrift, die, wie manche religiöse Bestandteile (haruspices, auguren) von den Etruskern abstammten, die wiederum in enger Beziehung mit den süditalischen Griechen standen. Durch die geografische Ausweitung ging das kleine Dorf bald über seine nationalen Grenzen hinaus, doch es fällt schwer, in diesem Gemisch verschiedener Kulturen und Nationen den Römer zu erkennen, und das über eine Herrschaftszeit von 1300 Jahren.

212 verlieh Kaiser Caracalla allen freigeborenen Männern innerhalb der römischen Grenzen das römische Bürgerrecht, so lernt man es. Doch es blieb eine Gruppe von Personen ausgeschlossen, nämlich Bauern, sie blieben Untertanen, dediticii. Also gab es verschiedene Klassen von Menschen, der Städter, der sich im sozialen Rang dem Bauern, rusticus, agrestis, montanus überlegen fühlte. Aber jetzt allein in der urbanitas den wahren Römer finden zu wollen, wäre zu vereinfachend, gab es in der Stadt doch die römische Plebs, die schon damals als „unrömisch“ empfunden wurde.Es versteht sich von selbst, dass die Zahl der römischen Bürger je nach Stand der Reichswerdung eine andere war, als es am Anfang nur Freie und Sklaven gab, den „Römer“ nur als Stadtbewohner und die Italiker als Bündnisgenossen. In der mittleren Republik waren die Bürger eine Minderheit, die restliche freie Bevölkerung war bis zu viermal größer. In der Kaiserzeit bestand die Bevölkerung des Römischen Reiches neben denen, die dem Kaiser und Rom unterstellt waren, aus Provinzen des römischen Volkes, freie Städte und abhängige Königreiche, alles in allem ca. 50 bis 60 Mio. Personen.

Familie

Wer ein römischer Bürger wurde, war in erster Linie durch die Geburt bestimmt, sofern die Eltern das römische Bürgerrecht hatten oder sie in legitimer Ehe verbunden waren (matrimonium iustum oder conubium). Dann war man Mitglied einer Familie, die aus allen anderen Familienmitgliedern, wie Eltern und Geschwister bestand. Zuletzt war man Angehöriger einer gens, frei nach Cicero, „solche, die untereinander den gleichen Namen tragen“.  Der pater familias war das Oberhaupt, der die Familie in rechtlicher, politischer wie auch religiöser Hinsicht mit der ihm gegebenen patria potestas zu vertreten hatte. Diese potestas galt nicht nur für die rechtlichen Familienmitglieder, sie erstreckte sich auch auf den beweglichen wie unbeweglichen Haushalt, auf die Sklaven und die Freigelassen und, solange der pater familias lebte, waren auch erwachsene, verheiratete Söhne der potestas untergeordnet. Wenn Töchter verheiratet wurden, wurden sie offiziell aus der Verfügungsgewalt = manus entlassen.

Laut Gesetz konnte der Familienvater keine Ehe erzwingen, doch Ehen wurden mehr aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen, denn aus Liebe geschlossen, die Oberschicht verheiratete sich untereinander, um das Ansehen, die politische Macht der gens zu vergrößern. Es wurde meist innerhalb der eigenen Kreise (Patrizier, Plebejer, Ritter) geheiratet, in den unteren Schichten wurde oft innerhalb der Berufssparten geehelicht.

Das Heiratsalter lag bei den Mädchen ab dem 12. Lebensjahr, also mit Beginn der Pubertät, bei den Jungen mit dem 14., mit dem diese in die Gesellschaft als rechtlich verantwortlich wie militärpflichtig aufgenommen wurden. Eine Verlobung konnte hingegen schon vorher eingegangen werden, wenn auch die Eltern eine solche absprachen, mussten die Kinder aber in einem verständigen Alter, also ca. sieben, sein. Dieses Verlobtsein wurde gründlich ausgenutzt, als ein Gesetz Männer zwingen sollte zu heiraten und Kinder zu zeugen. Diese unwilligen Männer verlobten sich mit Kindern, um später die Verlobung wieder zu lösen, bis ein Gesetzeszusatz dem Einhalt gebot.

Während Männer eher später heirateten, wurden Mädchen bereits mit 14 oder 16 in die Ehe geschickt, was häufig ein Altersunterschied von 20 oder mehr Jahren mit sich zog. Oft genug starben diese jungen Frauen früh im Kindbett, sodass sie kaum ein „fortgeschrittenes“ Alter erreicht haben.Wie schon erwähnt, unterstanden sowohl Sohn wie Tochter der potestas des Vaters, doch nur die Frau kam dann in die manus bei der Eheschließung: durch Ersitzung – usus, durch Speltbrot – farreo, confarreatio, durch Scheinkauf – coemptio. Blieb eine Frau ein volles Jahr als Gattin im Haus des Mannes, wurde sie ersessen wie ein Besitz, dann wurde sie als Tochter in die neue Familie aufgenommen. Sie konnte dem entgehen, indem sie drei Nächte von Zuhause fernblieb.

Bei Speltbrot brachte die Frau Iuppiter Farreus ein spezielles Opfer, ein Brot aus Speltweizen – far –, sodass der Ritus aus confarreatio heißt. Daneben gibt es bestimmte Formeln, Zeugen. Bestimmte Würden (Flamen Dialis, Flamen Martialis, Rex Sacrorum u. a.) konnten nur von Männern angenommen werden, die aus einer solchen Ehe entstammten und war nur den Patriziern vorbehalten.

Beim Scheinkauf brauchte es fünf römische Bürger als Zeugen, indem der Vater die Tochter in die Ehe herrliche Schutzpflicht des Gatten gab, aber nur mit dem Einverständnis der Tochter.Eine Frau, die durch Ersitzung in die familias des Mannes kam, wurde Tochter und voll erbberechtigt. Blieb sie emancipatio, indem sie für drei Tage ins Haus des Vaters zurückkehrte, verblieb sie dort als Tochter erbberechtigt. In diesem Fall blieb ihr auch ihre Mitgift erhalten, die sonst dem Vermögen der neuen Familien einverleibt wurde.

Die Frau wurde von römischen Juristen mit infirmitas sexus – der Schwäche des weiblichen Geschlechts – und levitas animi – mit Urteilsschwäche – definiert, als Gegenstück zu männlicher Selbstbeherrschung, Strenge.

Zur familia gehörten auch Sklaven bzw. Freigelassene. Auch von der frühen christlichen Kirche wurde die Sklaverei nicht angezweifelt, sie verlangte mehr die humane Behandlung und die ausgleichende Gerechtigkeit im Himmel. Doch auch in nichtchristlicher Zeit vertrat man eine menschliche Behandlung der Sklaven, nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen. Sklavengesetze bestimmten nicht nur die Behandlung, sondern auch wie man Sklave werden konnte. Der servus war das Eigentum des dominus, der über Leben und Tod entscheiden konnte, wenn auch der Sklave nicht grundlos getötet werden durfte. Im Gegensatz zum frei geborenen und frei lebenden Menschen homo liber, der aus eigenem Recht – sui iuris – handeln konnte, ist ein Sklave jemand, der sein Eigenrecht an andere verloren hatte – alieni iuris – er ist vor dem Gesetz ein Gegenstand, der keine Rechtsgeschäfte tätigen kann.

Sklave war jemand durch unfreie Geburt oder durch Kriegsgefangenschaft. Weitere Möglichkeiten waren die staatliche Strafe, aber auch betrügerischer Selbstverkauf, indem der Verkaufte am Kaufpreis beteiligt wurde. War ein Freigelassener respektlos gegen seine familia, konnte er wieder in den Sklavenstand versetzt werden. Deserteure wurden in die Minen oder in den Circus (als echte Teilnehmer) geschickt.

Sklaven hatten Anspruch auf Kleidung, Schuhe, Schlafstätte, Nahrung. Sie konnten Taschengeld erhalten und es in die Freilassung investieren. Gab es eine staatliche Notsituation, konnten sich Sklaven dem Militär verschreiben, um so ihre Freiheit zu erlangen.

 

Die Sache mit der Nachkommenschaft

Söhne und Töchter erhielten gemeinsam Unterricht, doch die Söhne waren Träger des Familienkults, vor allem in den patrizischen Familien. Drohte Kinderlosigkeit, wurde Adoption zur Verpflichtung. Wie anfangs erwähnt, spielte Religion eine große Rolle. So auch bei Ehelichung und Kinderzeugung: Es war eine moralisch-religiöse Verpflichtung, die die Eheleute dem Staat gegenüber hatten.Die Geburt selbst war mit vielen religiösen Elementen begleitet: Sie oblag weiblicher Gottheiten, den parcae, sie mussten gnädig gestimmt werden, um der Gebärenden die Wehen zu erleichtern, es wurden die Türen geschlossen, um keine Dämonen hereinzulassen. War das Kind da, wurde ein Jungtier geopfert, danach legte die Hebamme das Kind auf die Erde, damit die guten Erdkräfte übergehen konnten. Von dort hob der Vater das Kind auf als Zeichen der Anerkennung als legitimes Kind. Beim Tod des Kindsvaters vor der Geburt gab es einen bestimmten Zeitrahmen, war auch der Lebenswandel der Mutter einwandfrei, wurde das Kind von der familia bzw. gens als legitim anerkannt. Während der Geburt schlugen Männer mit Keulen auf die Schwelle, um den Gott Silvanus zu vertreiben, der eine dunkle Macht darstellte. War das Kind legitimiert, wurde das Haus mit Girlanden geschmückt, man gab dem Neugeborenen Amulette, es kamen Verwandte und brachten kleine Geschenke, Amulette, Goldstücke, Eier, Äpfel. Danach wurden Mutter, Kind und Haus gereinigt, die Hausgötter zu einem Festmahl geladen, die Manen um Segen für das neue Familienmitglied gebeten.  So wie für die Geburt gab es beim Tod eines Familienmitglieds zahlreiche Rituale. Der Verstorbene wurde gewaschen, angezogen und geschmückt. War es anfangs die Aufgabe der Frauen der Familie, gab es mit der Zeit eine eigene Zunft, die pollicinctores, von polluo, verunehren, schänden, denn Tote galten als unrein, wenn man also einen Toten berührte, musste man sich umständlicher Reinigungsriten unterziehen. Es gab Totenklagen, in denen die guten Seiten des Verstorbenen besungen wurden, man wollte sich so mit dessen Seele versöhnen. Opferungen für Ceres, der Göttin der Erde, Kerzen, Weihrauch, Flöten und Totenwache kamen hinzu.  Die Bestattung fand außerhalb des pomerium statt. Ein Grab galt als unverletzlich und heilig.

Bei der Grablegung gab es Tieropferungen, ein Totenmahl und eine Reinigungszeremonie. Man deponierte Fluchtäfelchen, um Grabschänder und Schatzgräber abzuschrecken.

 

Aber auch Anderes sollte abgehalten werden, wie ein Gedicht aus Pompeji zeigt:

Vorübergehender, es bitten die Knochen, hier nicht am Grabhügel zu pinkeln

Willst du diesem zudem gefällig sein, kack nicht!

Brennnessels Grab siehst du hier: drum hau ab, du Scheißer!

Nicht ist dir erlaubt, an diesem Grab den Arsch zu entblößen!

Wie wird man Römer – cives Romanus?

Es ist die Forderung des Staates, dass durch Erziehung der Römer ein guter Staatsbürger wird. Er ist Mitglied einer Rechtsordnung, und wo ihn das Schicksal hingestellt hat, dort hat er seine Pflicht zu erfüllen durch Waffendienst, Steuern, Wahlrecht. Er ist Soldat, Steuerzahler und Wähler. Er ist verpflichtet, der Gemeinschaft zu Hilfe zu kommen.

Durch den Zensus, der bereits seit Beginn der Republik existiert, wird der Bürger mit all seinen Daten festgehalten: Herkunft, Alter, Verdienste, Vermögen. Damit erhält er seinen Platz in der Gemeinschaft mit all den Rängen, Klassen, Triben, Zenturien. Er ist damit jedoch nicht auf Lebenszeit festgehalten: Bei großen Verdiensten konnte man hinauf-, bei Verfehlungen herabgestuft werden. Zuletzt gab es fünf Zensusklassen.

Aber der Bürger konnte mitbestimmen, die 35 Tribus und 193 Zenturien trafen sich an einem Platz, jeder konnte seine Meinung äußern.

Die Mädchen wurden auf ein Leben als Hausfrau und Mutter hin erzogen, mit der Heirat traten sie in die Gesellschaft der Erwachsenen ein. Sie hatten häusliche Tugenden zu erlernen, um einen Haushalt führen zu können. Bei einem Jungen gab es bestimmte Altersstufen, mit denen er allein vor Gericht gehen konnte, ab wann er militärpflichtig war, die Ämterlaufbahn einschlagen konnte usw.

Die Römer kannten eine Elementarschule. Zwar gab es keine Schulpflicht, doch es gab so etwas wie eine öffentliche Schule, in die auch nicht so reiche Kinder gehen konnten. Ab dem 5. Lebensjahr  erlernten die Kinder Lesen, Schreiben und Rechnen. Reiche hatten ihre eigenen Lehrer-Sklaven, die anderen gingen in die ludi litterarii und wurden von einem magister ludi unterrichtet. Der Schultag dauerte sechs Stunden mit einer Pause zum Mittagessen, Ferien gab es von Juli bis Oktober. Es gab keine Ausbildung zum Lehrer, er musste nur Lesen und Schreiben können, fürs Rechnen gab es einen calculator.

Wer es sich leisten konnte, ließ seine Kinder ab dem 12. Lebensjahr weiterlernen, bei einem grammaticus, der allgemeinbildend in Geschichte, Geografie, Geometrie oder Astronomie Wissen vermittelte. Es wurden lateinische wie griechische Autoren gelesen. Bei der Schülerzahl ging es um das Leistungsprinzip: ein guter Lehrer hatte viele, ein schlechter wenige.

Sollte ein Junge öffentliche Ämter (cursus honorum) anstreben, musste er in Recht und Reden geschult sein. Die Kenntnisse der Rechte deswegen, weil er als Jurist den potenziellen Wählern bekannt werden musste (die Gerichte fanden am Forum öffentlich statt und jeder konnte diesen beiwohnen). Die Anwälte mussten reden können, denn oft wurden Prozesse durch das Redegeschick entschieden. War man als Anwalt gut, hatte man dankbare Klienten, gefiel man dem Publikum, hatte man gute Chancen, bei Wahlen erkannt und gewählt zu werden. Ein weiterer Weg, um eine politische Laufbahn einzuschlagen, war das Militär, zumal jeder Römer der Wehrpflicht unterstand. Hatte man für sein Vaterland gekämpft, konnte man durchaus damit punkten.

 

Politische Laufbahn

Eine politische Laufbahn ist mit Geld verbunden und damit der Oberschicht vorbehalten. Mit Geld wurde eine Offiziersstelle erkauft, denn man musste sich Waffen, Ausrüstung und Pferd selbst stellen. Um das Volk zu belustigen, musste man Spiele organisieren, es waren Gratisessen zu bezahlen. Auf diese Weise versuchte man, Wählerstimmen für sich zu mobilisieren.

Man musste seine Kandidatur beim Magistrat beantragen, man konnte aber auch abgewiesen werden, auch ohne Begründung. Gründe für eine Ablehnung konnten Krankheit, das Fehlen entsprechender Geldmittel sowie unehrenhafte Entlassung aus dem Militär sein. Der Wahlleiter stellte dann eine Kandidatenliste zusammen.

Stand man auf der Liste, zog sich der Römer eine weiße Toga (toga candida – davon kommt „Kandidat“) an, um seine Bereitschaft, sich für ein Amt wählen zu lassen, für alle bemerkbar zu machen. Er ging herum, um für seine Wahl zu werben, meist begleiteten ihn Freunde, die ihn redegewandt um seine politische Meinung fragen mussten. Aus der Diskussion wurde dann allen Umstehenden klar, welche Richtung der Kandidat einschlug. Man versuchte, den Gegenspieler negativ zu belasten durch wüste Beschimpfungen und Verleumdungen (sexuelle Ausschweifungen, Inzucht).

Am Wahltag wurden die Comitien (= Wahlvolk) einberufen, die Wähler waren nach Vermögensklassen eingeteilt, jede dieser centuria hatte nur eine Stimme, gleichgültig wie viele Personen sie umfasste, man wählte innerhalb einer centuria so lange, bis man eine Mehrheit hatte.  Es folgte die Bekanntgabe der Wahl durch den Wahlleiter, angefangen mit den Konsuln, dann Prätoren, Ädile und Quästoren. War man designierter Beamter, durfte man Rom nicht verlassen, man leistete den Beamteneid. War der amtierende Amtsinhaber mit Arbeit überlastet, konnte der designatus zur Amtshilfe herangezogen werden.

Der eigentliche Amtsantritt wurde mit einer Vogelschau begonnen, um die Götter um ihre Zustimmung zu befragen. Dann leisteten die Centurienvertreter einen Eid. In Amtstracht, von Liktoren begleitet, zog z. B. der consul zum Capitol, um Jupiter zu opfern, nicht für die Zukunft, sondern für den Schutz des Gottes im vergangenen Jahr. Die erste Senatssitzung beschäftigte sich meist nur mit religiösen Angelegenheiten, die Staatsfeiertage wurden festgelegt.

Der Beamte war erkennbar durch einen breiten Purpurstreifen – clavus –, der sichtbar bleiben musste, sodass der Magistrat auch keinen Mantel tragen durfte.

 

Die Beamten hatten eigenes Personal, wie die Liktoren, sie bildeten die bekannteste und angesehenste Gruppe. Sie trugen die Rutenbündel, die fasces, in die eine Doppelaxt eingebunden war. Sie schritten den Beamten vor, je angesehener desto mehr Liktoren. Dieses Zeichen von Macht über Leben und Tod stammte von den Etruskern. Ihre Aufgabe war es, den Beamten den Weg frei zu machen und diese zu schützen. Sie hatten Personen festzunehmen und konnten auch hinrichten.

 

SPQR

Der römische Staat bestand aus dem Volk, dem Souverän, populus, der durch den Senat repräsentiert wurde. Der Senat setzte sich aus allen ehemaligen Beamten zusammen, die mit ihrer Erfahrung über das Wohl aller wachten. Sie nannte man auch die maiores. Angeblich bereits unter Romulus eingeführt, hielt sich der Senat (unter Augustus 600 Sitze) unter allen Herrschaftsformen, von dem Königtum, der Republik bis hin zur Kaiserzeit. Er war ein beratendes Gremium, dessen Meinung nicht ignoriert werden sollte. Caesar konnte dies tun, da er von den Volkstribunen unterstützt wurde. Andere Aufgaben waren: Begutachtung von Gesetzesvorlagen, Entsendung von Gesandtschaften, Stellungnahmen zu Krieg-Frieden-Bündnissen, Kontrolle des Staatsetats etc.

 

Sobald man die unterste Stufe der Beamtenlaufbahn hinter sich hatte, konnte man in den Senat aufgenommen werden, war ein Platz frei geworden. Alle fünf Jahre wurde von Zensoren geprüft, ob man sich würdig erwiesen hatte und auch noch die Geldmittel hatte (lustrum). Seit Augustus betrug die erforderliche Summe 1,2 Mio. Sesterzen. Nach außen hin durfte man nur durch Grundbesitz ein Vermögen haben, doch im Hintergrund waren viele Senatoren durch ihre Freigelassenen an Steuerpachten mitbeteiligt. Die Senatoren durften Rom nicht verlassen, es sei denn mit Sondererlaubnis. Sie stellten auch bei Gerichtsprozessen die Geschworenen.

Im Allgemeinen durften an Feiertagen keine Senatssitzungen stattfinden, das wurde aber nicht praktiziert, da es so viele gab. Es hatte durchaus praktischen Charakter: Denn der Grund der Feier- und Festtage bestand für die Freien in der Ruhe vor Prozessen und Streit, für die Sklaven von Arbeit und Mühen, auch wenn wir nicht aus den Augen verlieren dürfen, dass ein Feiertag für die unteren Schichten auch Verdienstausfall heißen konnte. Doch wenn man geschickt war, konnte man sich von Fest zu Fest durchbringen. Es gab immer Opfertiere, die unter den Armen verteilt wurden.

Brot und Spiele 

Zahlreiche Tavernen, Weinschenken, Straßenlokale – römische Takeaways – sorgten für regen Geldumlauf und für das leibliche Wohl. Man spielte Würfel- und Knöchelspiele, wie viele auf Straßenplatten eingeritzte Spielvorlagen beweisen, oder man wettete bei Wagenrennen und Gladiatorenkämpfen. Die unteren Schichten profitierten von diversen Wahlkämpfen und anderen Propaganden, indem man sie mit Brot und Spielen, es wurde wirklich Essen und auch Geld verteilt, zu ködern versuchte. Angehörige der Oberschicht zahlten derartige Schauspiele zu Ehren von verstorbenen Vorfahren. Dies nahm immer monströsere Züge an, sodass sich manch ein Adeliger hoch verschuldete. Die Theater und Arenen waren anfänglich aus Holz gebaut, was oft zu Unfällen führte, erst seit Pompeius gab es Steinbauten.

Die Welt der Kinder ist an den vielen Darstellungen in Grabreliefs, Wandmalereien und Mosaiken zu sehen, Ballspiele, Bockspringen, Fangen und Verstecken zählten schon damals zum kindlichen Zeitvertreib. In Kindergräbern fand man überdies Spielzeug wie Puppen, Tierfiguren, Soldaten, Wagen, Kreisel.

Von Sueton erfährt man, dass sowohl Augustus wie Claudius eifrige Würfelspieler waren, Würfel waren so wie heute bepunktet, es wurde mit drei Würfeln geworfen, der „Venuswurf“ war mit 6+6+6 der höchste, der „Hundswurf“ der schlechteste.

Man kannte auch Brettspiele: das Soldatenspiel, welches dem Damespiel auf Grund der Spielsteine und durch den Spielverlauf –  Springen und Schlagen – ähnelt.

Als Theater wurden historische wie mythologische Ereignisse geboten, aber auch so etwas wie die Tschauner- oder Löwingerbühne. Letztere waren eher primitive Volksbelustigungen. Es gab jedoch auch gehobenere Darstellungen, oft von geachteten Dichtern geschrieben, und auch Musikspiele. Anders als beim griechischen Theater fehlte hier der Chor, es gab Flötenspiel als Begleitung. Die Schauspieler hatten eigene Bühnengewänder, an denen das Publikum den Charakter erkennen konnte.

 

Rechtssprechung

Eine Entwicklung des ius ging durch alle Epochen der römischen Geschichte. Juristen kannten nicht nur das Recht, sie waren auch Schöpfer von Rechtsnormen.

Es gab eine soziologische Entwicklung derer, die Recht sprachen/machten: Das waren in der Frühzeit die Priester, die Adeligen in der Republik, die Berater und Freunde der Caesaren, von Augustus bis zu den Antoninen, und dann die Verwaltungsbeamten bis in die Spätzeit. Recht und Religion bestimmten den Anfang, denn religiöse Riten bestimmten die erste städtische Ordnung. Die Priester, pontifeces = Brückenbauer, die den Weg erschließen, hüteten das Wissen der Gemeinde, sie mussten die Zeit überwachen durch die Zählung der Voll- und Neumonde. Sie hielten wichtige Ereignisse fest: Hungersnöte, Sonnenfinsternisse. Die Entwicklung diverser Riten sollte die Gemeinschaft zusammenbinden und das Göttliche mit ins Leben einbinden. Damit bekamen die Priester Macht, indem sie die Einhaltung der Regeln überwachten, sie waren die, die den Willen der Götter erkannten. Nach und nach kamen die Familienoberhäupter auch mit anderen Fragen zu den Priestern, Fragen nach Verhaltensregeln, Eigentumsverhältnissen, Mitgift bei Eheschließungen, Handel, Testament usw. Daher bleiben Recht und Religion lange miteinander verwoben. Die Trennung erfolgte mit der Installierung einer politischen Gesellschaft im Anfang der Republik. Die Bedeutung der Religion ging zurück, das ius füllte diese Lücke aus; ius war das Ergebnis eines bürgerlichen Wissens zum Gemeinwohl. Das juristische Wissen und die neue politische Macht gingen an die neuentstandene patrizisch-plebejische Adelsgesellschaft. Anstelle des Priesters als Weisen trat der Adelige. Nun gab er die Antworten, womit die Vormachtstellung großer Familien gegeben war, denn die Juristerei wurde nur in diesen betrieben.

Diese Antworten, responsa, wurden zum lebendigen Recht einer Stadt, sie entschieden sich an der Frage und mit der Antwortgebung waren sie quasi erloschen. Aber sie wurden mündlich gesammelt, zuerst von den Priestern, dann von den Adelsfamilien. Wenn eine neue Frage gestellt wurde, verglich man sie mit bisherigen, tauchte eine Frage mehrmals auf, überlebte die Antwort. Mit der Zeit begann man die Entscheidungen schriftlich zu fixieren, damit war dem Adel genommen, im Verborgenen zu agieren, jeder konnte den Text überprüfen. Aus den alten mündlichen Überlieferungen wurde formales Recht.

Und es entwickelte sich der Berufsstand der Juristen, die im Beginn der Kaiserzeit Berater des Kaisers waren. Sie empfanden sich als eigenen Stand. Mit der Spätzeit wandelte sich der Stand, aus den Magistraten, welche ja die Juristen waren, wurden Bürokraten.

Mag es auch das Römische Reich als solches nicht mehr geben, vieles hat über die Jahrhunderte überlebt: lateinische Buchstaben, römisches Recht als Teil des Jus-Studiums, medizinische Begriffe. Und den römischen Menschen, den hat es so nicht gegeben.