Die Hallstattzeit in Wien

von Mag. Wolfgang Börner

Wer kennt nicht die riesigen hallstattzeitlichen Grabhügel von Großmugl, Niederfellabrunn oder Niederhollabrunn. Doch wissen die wenigsten, dass auch auf dem Wiener Stadtgebiet ein Grabhügel aus dieser urgeschichtlichen Periode existiert.

Dieser kleine Hügel mit einem Durchmesser von 14 m und einer Höhe von 2 m befindet sich in Wien-Leopoldau, in einem Park an der Straßengabelung zwischen Siemensstraße und Julius-Ficker-Straße. Er wurde bereits 1833 von Schweickart von Sickingen erwähnt, aber bisher nicht im angemessenen Maße archäologisch untersucht.  Etwa 500 m südlich dieses Grabhügels stellte man beiderseits der Eipeldauerstraße eine ausgedehnte hallstattzeitliche Siedlung fest.

Leider hat in der letzten Zeit das Stadtgartenamt vom Hügel Erde entnommen und ihm so seine jetzige, etwas eigenwillige Form verliehen.

Während des ausgehenden 8. Jahrhunderts, der Wende von der Bronzezeit zur Eisenzeit, und im 7. Jahrhundert rückte Europa enger zusammen. In Mittelitalien lebten die Etrusker, die Griechen dehnten ihre Kolonisation bis an die nordwestliche Mittelmeerküste aus, die Phönizier führten die Suche nach Zinn bis zu den Britischen Inseln. Unser Raum lag zu jener Zeit eher abgeschieden, jenseits der antiken Randkulturen. Mit der griechischen Kolonisation verbreiteten sich auch die Kenntnisse der Eisentechnologie nach West- und Mitteleuropa. Im Salzkammergut bildete sich infolge der Ausbeutung des „Weißen Goldes“, wie das Salz auch genannt wird, ein bedeutendes wirtschaftliches Zentrum. Und wie sicher allen hinlänglich bekannt ist, wird auch nach dem Fundort Hallstatt, die ältere Eisenzeit in Mitteleuropa Hallstattzeit genannt. Mit dem Einbruch der Kelten endete in unseren Gebieten die Hallstattzeit.

Was nun Wien betrifft, so sind folgende hallstattzeitliche Fundstellen bekannt. Im unteren Liesingtal wurden im Zuge der Trassierungsarbeiten im Gebiet Fontanastraße Funde gemacht. Eine Siedlung der Hallstattzeit wurde im März 1976 beim Bau der Ringwasserleitung in Wien-Oberlaa ergraben. Erdverfärbungen in einer Baugrube südlich der Verbindungsbahn führten zu einer Notgrabung des Historischen Museums.

Im Frühjahr 1977 entdeckte man Bodenverfärbungen auf dem Gelände des AUA-Verwaltungsgebäudes. Bodenverfärbungen, die von hallstattzeitlichen Gruben herrührten und durch das Bezirksmuseum Favoriten geborgen wurden.

Im Jahr 1994 konnte nun hier zwischen dem Kurhotel und dem AUA-Verwaltungsgebäude ein weiterer Teil der Siedlung ausgegraben werden. Es kamen sechs Häuser, die zwischen 60 und 100 cm in den Boden eingetieft waren und quadratischen bis rechteckigen Grundriss mit abgerundeten Ecken besaßen, zum Vorschein. Ihre Seitenlänge betrug zwischen 3,5 und 6 m. Sie gruppierten sich zu drei Gehöften, wobei die bereits 1977 gefundenen Gruben vermutlich zugehörig waren. Zu jedem Gehöft gehört auch eine Speichergrube. Die Funde gestatten einen Einblick in das Leben dieser Siedlung; so hat man neben der charakteristischen Keramik der Hallstattzeit, die zum Teil auch polychrom bemalt war, Reibsteine und Reibunterlagen, Spinnwirtel und eine Geweihhacke gefunden. Der Großteil der Keramik gehört der Gattung der Kalenderbergware an. Diese Keramik wurde nach ihrem ersten Fundort dem Kalenderberg in Mödling benannt, und zeichnet sich durch plastisch aufgelegte Verzierung aus. Die Funde der Fundbergung und der Grabung befinden sich im Bezirksmuseum Favoriten.

15.03.2007