Römische Tischkultur – Sozialhistorische, kulturelle und wirtschaftliche Aspekte

von Dr. Ursula Eisenmenger

Das Römische Reich entwickelte sich aus einem bäuerlichen Stadtstaat zu einer Großmacht, in der das Mittelmeer zum Binnenmeer wurde. Dieses riesige Herrschaftsgebiet wurde lange Zeit zentralistisch von Rom, der Herrscherin der (römischen) Welt, regiert und war als Urbankultur der Gegenpol zum ländlichen, groben Leben. Als durch die Sklavenschwemme im 2. Jh. v. Chr. die Masse der verarmten Kleinbauern zum mittellosen Proletariat Roms wurde, war der soziale Unterschied auch in der Stadt hineingetragen worden.

Im römischen Reich nahm der Handel eine bis dato nie gesehene Größe an. Zum ersten Mal musste eine Hauptstadt Getreide importieren, um die Bevölkerung ernähren zu können. Der andere Punkt ist die Versorgung durch Genuss- und Luxusartikel. Je weiter die römischen Legionen kamen, desto exotischer wurden die Waren, die nach Rom strömten bzw. die sich Auslandsoberschichtrömer nachbringen ließen. Mit Ägypten hielten die Römer den Orienthandel von den Häfen des Roten Meers bis nach Indien (Goldmünzen von Augustus und Tiberius in Südindien gefunden gegen Pfeffer, Zimt und Ingwer). Über die Wüstenoase Palmyra wurde Weihrauch verhandelt. Der Handel mit dem Norden lief zunächst langsam an, doch dann wurde rege im- und exportiert: Feigen, Olivenöl etc. aus dem Süden gegen Fischprodukte aus der Nordsee und im Grenzhandel mit den Germanen wurden Honig, Felle gegen Silber- und Goldgefäße getauscht.

Auf dem Land, von der kleinen Pacht bis zum Großbauern, versorgte man sich selbst und verkaufte Überschüssiges in der Stadt. Dort gab es eigene Märkte oder kleine Straßenläden. Viele befanden sich direkt bei den Foren, wo die Händler durch Ladenschilder auf ihre Waren aufmerksam machten. Eine Luxusausgabe waren die Traiansmärkte, ein 5-geschossiges Gebäude mit über 150 Läden, von Gewürzen bis Blumen, ein Stockwerk beherbergte die Fischhändler.

Die Küchen in den Stadtvillen waren schlecht gelüftet, eng und dunkel. Es gab eine Feuerstelle mit einem Rost, Kessel, Töpfe und Pfannen aus Keramik wie auch aus Metall. Gebacken wurde, indem man auf heiße Ziegeln den Brotteig legte und einen Topf darüber stülpte. Dieser wurde dann mit heißer Asche bedeckt. Das fast wichtigste Küchengerät war der Mörser bzw. die Reibschüssel, denn der Römer liebte Zerkleinertes und Püriertes sehr. Tische, auf denen die Mahlzeiten zubereitet wurden, standen auch in den Nebenräumen und sogar im Hof, die Küchengeräte und das Geschirr wurde auf Borden oder Regalen aufbewahrt, die Speisezutaten in Krügen, Amphoren und Töpfen.

Man unterscheidet zwischen Küchengeschirr, Auftraggeschirr, Trink- und Essgeschirr und Waschgeschirr, aus Ton, Metall oder Glas. In die Küche gehören Kochtöpfe, die hohe Form – olla, war grob gemagert und schwer, seltener war die niedere Form caccabus mit weiter Mündung. Diese Töpfe stellte man entweder direkt ins Feuer oder auf einen Eisenrost bzw. Dreibeinständer. Im norisch-pannonischen Raum gab es Dreifußschalen, die Kochtopf und Dreibeinständer in sich vereinigten. Auflaufform oder Backplatten (patina), Reibschüsseln oder Mörser (mortarium), Sieb und Trichter sind weitere Küchenutensilien.
Aufgetragen wurde auf Tabletts, in Wasserbad-Doppelbehältern, mit Silberlöffeln und in Saucenschälchen. Teller gab es in Grob- bis Feinkeramik, Metall und Glas. Getrunken wurde aus Trinkbecher und Trinkschalen, dazu gab es noch Mischgefäße, Kellen und Krüge. Primär aß man mit der Hand (was Waschgeschirr notwendig machte), einzig der Löffel wurde als Besteck gebraucht – es gab spezielle für Eier, Schnecken oder Muscheln, andere für Suppen und Saucen.

In den Mietshäusern der unteren Schichten gab es keine Kochmöglichkeit: Die Bewohner holten sich von den Garküchen ihre Mahlzeiten, die sie auf kleinen Stövchen aus Keramik warm hielten. Häufig waren diese die Ursache von Bränden.

Von den Griechen übernahmen die Römer die Sitte, bei Tisch zu liegen. Ein derartiges Liegebett, griechisch kline, war für drei Personen vorgesehen, ein Liegeensemble hatte meist drei Betten, also tri-clinium. Mit triclinium konnte, entweder ein Esszimmer im Haus gemeint sein oder ein Platz im Freien. Bei genügend Platz hatte es Esszimmer nach den Jahreszeiten gegeben, die Wintertriclinia waren nach Süden gerichtet, um Licht und Wärme zu nutzen, die Sommertriclinia sollten kühl bleiben. Die Betten aus Holz waren mit Gurten bespannt. Bequemlichkeit boten Decken und Polster, die Tische hatten in Tierdarstellung geschnitzte Füße, in den Materialien wurde gewetteifert (Marmor, Elfenbein, Intarsien). Die Böden waren häufig mit Mosaiken ausgestattet. Nach den Stadtvillen in Pompeii und Herculaneum zu schließen, liebte man es, im Freien zu speisen. Die Holzliegen wurden hinausgetragen, bei Bedarf Sonnensegel gespannt. Es gab aber auch gemauerte Sommertriclinia, z.B. Haus des Neptunmosaiks in Herculaneum.

Wie sehr der Römer die Versorgung des Magens schätzte, zeigen die Fresken und Mosaiken von Pompeii bis Rom, von Tunesien bis Britannien. Es leuchten frische Weintrauben und Granatäpfel aus zarten Glaspokalen, Oliven lagern in Kelchen, es verkosten kleine Amoretten Wein. Gefangenes Wild lagert zwischen Körben mit Brot und Früchten und Blumen, ein anderes Mosaik zeigt Spargelbündel, Datteln, Fische und Huhn. Desgleichen manifestiert sich die Lebensfreude der Römer in bunten Darstellungen von Banketten in den Medien Malerei, Mosaik oder Relief, was der römischen Oberschicht später das Prädikat „dekadent“ verliehen hat: Man sieht erhobene Pokale, Diener mit Speiseplatten, Tänzerinnen und Musikanten. In den zeitgenössischen Schriften begegnete man den Exzessen solcher Abendveranstaltungen sehr kritisch und oft mit Ekel. Bei all den negativen Bescheiden darf aber nicht vergessen werden, dass damit immer nur die römische Schickeria gemeint war, der Durchschnittsbürger der Mittelschicht lebte ein gutbürgerliches Leben.

Der Vertreter der „alten“ Gesellschaft lebte und aß nach dem Tageslicht, nach dem Frühstück ientaculum war Arbeitsbeginn, nach dem Mittagessen (Hauptmahlzeit) cena wurde gerastet, nach dem Abendessen vesperna schlafen gegangen. Mit der Verfeinerung des Lebensstandards (=der Städter) verschob sich die Hauptmahlzeit in den Abend und wurde durch ein 2. Frühstück prandium ersetzt. Doch auch hier war das Ende einer cena mit dem Ende des Tageslichts gesetzt, doch konnte ein Gelage anschließen, die comissatio.

Von den Grundzügen her sah der Römer selten Fleisch auf seinem Teller. Er ernährte sich zunächst sehr vegetarisch – Getreide, Gemüse und Früchte. Brot kannte man bis ins 2. Jh. v. Chr. nicht, stattdessen aß man Getreidebrei, den puls. Fleisch war Luxus, die dazugehörigen Tiere waren „Geldes“ (pecunia) wert. Vieh wurde an vereinzelten Tagen zu Opferzwecken geschlachtet und das waren die Mahlzeiten mit Fleisch.
Mit dem 2. Jh. kam die Änderung durch den Kontakt mit der griechisch-hellenistischen Welt: Das Schwein war der Fleischhauptlieferant, denn Rinder waren Zug- und Ackertiere, Pferde Reittiere, das Huhn kam erst spät aus dem Orient, Schaf und Ziege wurden geschoren und gemolken. Zu den Geflügel zählten auch Tauben, Enten oder Gänse. Hiezu kamen Wildvögel, denn die heute negativ beschiedene Netzfallenstellerei hat eine lange Tradition: Alles, was Federn hatte, wurde gefangen und verzehrt – Wildenten, Wildtauben, Rebhühner, Drosseln, Krähen, Nachtigallen, Stare und auch Schwäne. Für den exotischen Geschmack wurden Störche, Kraniche und sogar Flamingos gefangen.
Als Wild wurden Hasen, Hirsche, Rehe, Bären, Wildschweine, wilde Ziegen oder Antilopen verzehrt.

Fische hatten bei den Gelagen einen speziellen Stellenwert. Die Haltung in Fischbecken wurde zum Hobby der Oberschicht, man hielt sich Meerbarben, Goldbrasse, Seewolf, Lippfisch, Meeräsche, Muräne, Seeteufel, Steinbutt, um nur einige zu nennen. Um piscinae anzulegen, baute man sogar Kanäle, um frisches Meerwasser zu haben. Piscinarii, Fischteichbesitzer wurde zum Synonym für Neureiche. Wie Fische standen auch Meeresfrüchte wie Austern, Miesmuscheln, Seeigeln, Kalmare, Langusten und Krabben in der Speisefolge.
Vegetarisch hatte man Kohl, Spargel, Rüben, Rettich, Gurke, Zwiebeln, Knoblauch, Melonen, Kürbisse, Mangold, Kresse, Sellerie, Linsen, Erbsen oder Bohnen verarbeitet.
Der Obstanbau war eine weitere Leidenschaft der Römer, sie liebten Früchte von Büschen und Bäumen – Apfel, Birne, Quitte, Pfirsich, Aprikose, auch Kirsche, Granatapfel und besonders beliebt die Feige. Dazu kamen noch Wal- und Haselnuss, Mandeln.

In vielen Hymnen besungen, dürfen wir das römische Produkt Wein nicht mit unserem heutigen vergleichen. Man mischte Asche, Salz oder Meerwasser hinzu, um den Wein zur Gärung zu bringen und haltbar zu machen. Da beschritt man eben Wege, die uns heute eher unheimlich sind. Um ihn trinkbar zu machen, musste man den Wein nachbehandeln, das immer wieder erwähnte Mischen mit Wasser sollte den oft dickflüssigen, stark alkoholischen wie auch bitteren Wein trinkbar machen. Außerdem gab es diätische Gründe, wollte man bei einem Gelage so lange wie möglich mitmachen. Bekannte Sorten waren der Falerner (nördl. Campanien), der Caecuber (südl. Latium) oder der Marmertiner aus Sizilien.

Garum bzw. liquamen war das Würzmittel der römischen Antike schlechthin. Es entwickelten sich Produktionszentren, besonders an den Küsten Spaniens und Portugals. Je nach den Zutaten gab es garum in unterschiedlicher Qualität. Man stellte es her, indem man Fische zusammen mit Salz und Kräutern in der Sonne vergoren ließ. Es spricht für sich, dass derartige Produktionsstätten in keiner Stadtumgebung lagen, denn sogar noch heute kann man den Fischgeruch wahrnehmen. Garum wurde anstelle von Salz zum Würzen genommen und konnte auch spezialisiert werden, indem man Wein, Essig oder Pfeffer hinzufügte. (dann hatte man oenogarum, oxygarum oder garum piperatum). Sehr feines garum Scauri kam aus Pompeii.
Die Ärmsten hingegen mussten sich ernährungstechnisch mit allem zufrieden geben, dem festen Restbestandteilen des garums, welches nach dem Abschöpfen der Flüssigkeit zurückblieb. Neben Pfeffer (teuer, da importiert) wurden zum Würzen vielerlei Kräuter verwendet. Liebstöckel, Lorbeer, Dill, Kümmel, Salbei, Wacholder, Anis, Minze, Oregano, Zimt, Ingwer wanderten in unterschiedlichen Mengen in die Fleischspeisen und Aufläufe. Diese sind heute leicht erhältlich, doch zwei Gewürzkräuter gibt es seit dem 1. Jh. n. Chr. nicht mehr – laser und silphion. Beides wurde ausgerottet, da säckeweise importiert.
In der römischen Küche hatte man es auch gerne süß: Zum Süßen hatte man eingedickten Süßmost – defrutum oder passum – und Honig verwendet.

Eine CENA
Zur Hauptmahlzeit am Abend versammelte sich die Familie und je nach Vermögen wurde aufgetischt. Oft wurden tagsüber Einladungen ausgesprochen. Man muss beachten, dass das römische Haus nicht rein privat, sondern eng mit dem Berufsleben des Hausherrn verbunden war. So pflegte man Geschäftsbeziehungen und am Abend zur cena konnten die Bürger politische Diskussionen und gesellschaftliche Tratsch austauschen. Eine derartige Gastlichkeit gehört zu den guten Sitten und diente dem Gastgeber auch zur Selbstdarstellung.
Wie schon erwähnt, lag man bei Tisch, vorerst nur den Männern erlaubt, durften später auch Frauen und zu Festtagen auch die Kinder liegen. Im Zentrum stand ein Tisch und es gab mehrere Beistelltischchen sowie ausreichend Sklaven, welche die Gäste bedienten.
Die Diener hatten bestimmte Aufgabenbereiche, der nomenclator kündigte die Gäste an, die ministratores brachten Speisen, die scissores oder carptores schnitten das Fleisch klein, die ministri sorgten für die Getränke, dalles wurde geleitet vom tricliniarches. Dem Gast wurde vor dem Mahl die Füße gewaschen, statt der Toga trug man bequemere Sachen. Man aß mit den Fingern und verwendete mappa, Mundtücher/Servietten. Interessanter Weise brachte der Gast eigene mappa mit, nicht weil der Gastgeber geizig war, sondern so konnte der Gast Geschenke oder Reste mit nach Hause nehmen.

Eine cena bestand aus mehreren Gängen: Zunächst wurden Vorspeisen, gustatio oder promulsis, aufgetragen. Eier in jeder Form waren ein unbedingter Bestandteil dieser Appetithappen. Dazu gab es Salate, Gemüse, Meeresfrüchte. Als Aperitif wurde mulsum gereicht, ein mit Honig vermischter Weißwein.
Gefolgt wurde dieser Gang von den primae mensae, den Hauptgängen: Fleisch, Fisch, Wild, Geflügel in verschiedenen Kombinationen durch diverse Saucen von süß bis scharf. Dazu trank man Wein, meist mit Wasser vermischt. In den secundae mensae wurden Nachspeisen wie Obst, Nüsse, Kuchen wie auch „Salziges“ nämlich Austern oder Schnecken gereicht, dazu wurde mehr getrunken und den Hausgöttern, den Laren geopfert.

Nach den secundae mensae wäre das eigentliche Abendessen beendet gewesen, doch im Anschluss waren die eben berüchtigten Gelage möglich. Es wurde ein Trinkkönig gewählt, der das Mischverhältnis zwischen Wein und Wasser bestimmen konnte. Er bestimmte auch die Schnelligkeit des Trinkens, stellte Rezitieraufgaben an die Gäste und sorgte so für Stimmung. Zu diesem Zeitpunkt bekränzten sich die Gäste und die Tische wurden mit Blumen geschmückt. Zusätzlich wurden Schausteller, nicht selten Behinderte als Narren engagiert sowie Musikanten oder Tänzer. Hielt sich der Gastgeber für einen verhinderten Poeten, mussten die Gäste seine Darstellung „erleiden“.

Diesen städtischen Sitten möchte ich die nördlichen Provinzen gegenüberstellen, was dort am täglichen Speiseplan gestanden ist. Man darf nicht übersehen, egal wo die römischen Legionen hinkamen, sie kamen als Eroberer. Doch während sie selbst sich stark aus dem hellenistisch-orientalischen Raum inspirieren ließen, boten die nördlichen und westlichen Gebiete der Germanen oder Gallier nichts, was dem Römer wichtig sein konnte. Sie „romanisierten“ also, ihre Behausungen waren römisch, die Infrastruktur war römisch, durch Importe waren alle ihre Annehmlichkeiten römisch. Wissen über die Lebenshaltung der ursprünglichen Bevölkerung finden wir bei manchen Autoren (Caesar, bellum Gallicum; Tacitus, Germania), so aßen die Kelten (=Gallier) Rind- wie auch Schaffleisch und Fisch, die Germanen betrieben keinen Ackerbau und sie tranken gegorenen Gerstensaft (=Bier). Sie würzten die Fleischspeisen nicht, sondern brieten sie nur, während die Römer hauptsächlich gekochtes, gedämpftes Fleisch kannte. Ansonsten gibt es kaum literarische Quellen zu den Lebensumständen der Germanen und Kelten, die dann die „einheimische“ Bevölkerung bildeten.
Vieles bringen jedoch die archäologischen Grabungen von vici, villae rusticae und Militärlager ans Tageslicht, bei denen immer mehr Augenmerk auf Dinge wie verkohlte Essensreste, Knochenteile, Muschelschalen und Gräten gelenkt wird. Abfallgruben, Latrinen und Kellergruben werden sorgfältig gesichtet und der Archäobotaniker, der Archäozoologe bekommt viel Arbeit. So fand man in der insula 30 in Augst unter der Holzschwelle zwischen Küche und Speisesaal Knochen, Abfälle, die nicht sorgfältig weggeräumt wurden: Neben Schwein wurde Rind immer wichtiger, es gab Haus- wie Wildgeflügel (Huhn, Gans, Ente und Rebhuhn, Amsel, Drossel), Froschreste, Austern, Eierschalen, Weinbergschnecken. Der Hauptanteil an Fleisch kam von den Gutshöfen bzw. wurden Schweine in der Stadt im Hinterhof gehalten, die Jagd (nach Hirsch, Wildschwein oder Elch) hingegen hatte kaum Bedeutung. Es gab auch Fischreste von Salmen, Forellen und Äschen. Weiters wurde identifiziert an Getreide: Einkorn, Emmer, Dinkel, Weizen, Roggen, Hafer, Hirse, Gerste. Als Gemüse hat man Kohl, Rüben, Knoblauch, Brennessel, Zichorie, Sauerampfer usw. gegessen. Öl wurde aus Mohn oder Leinsamen gewonnen, denn Olivenöl wurde teuer importiert.

Im folgenden Teil werden die einzelnen Materialgruppen vorgestellt, die mit der Tisch-/Esskultur zu tun hatten.
Keramik kann man grob in Nutz/Gebrauchskeramik und in Feinkeramik einteilen: Zum ersten gehören Amphoren für Transport und Aufbewahrung, dolia als Vorratsgefäße, zur Essenszubereitung das Küchengeschirr – Töpfe, Schüsseln, Teller, Krüge. Zur Feinware zählt vor allem die Terra Sigillata, die Rätische Feinware oder die Pannonische Glanztonware.

Die Amphoren waren im Altertum das Transportmittel schlechthin. Mit dem Handel über Meer- oder auch Flusswege erreichten sie in römischer Zeit immense Bedeutung, besonders für drei Produktsparten, nämlich Wein, Öl und Fischsauce. Sie sind aber auch das erste Material, das recycled wurde: Solange sie intakt waren, wurden sie immer wieder neu befüllt. Waren sie unansehnlich oder beschädigt, hat man sie anderen Zwecken zugeführt: als Latrinen, beim Hausbau als Füllmaterial, als Schatztruhen, als Musikinstrumente.

Bei Küchenkeramik bzw. gröberem Tischgeschirr lässt sich in manchen Bereichen keine strikte Trennung durchführen, was rein für die Küche bestimmt war, war nur für den Tisch. In den ärmeren Haushalten wird man die grauen (=reduzierend gebrannten) Töpfe und Schüssel sowohl – als auch verwendet haben. Desgleichen findet man aber immer wieder Herdbrandspuren auch an den orangenfarbenen (=oxidierend gebrannten), manchmal auch bemalten Tellern, Backplatten oder Töpfen usw. Wir kennen nicht nur grob gemagertes reduzierend gebranntes Material, sondern feingraue, seifig glatte Ware, die sicher etwas „Besseres“ darstellte. Andererseits sind Reibschüsseln, das Küchenutensil an sich, nur oxidierend gebrannt, die rätischen zeigen sogar Maldekor und doch waren sie nur Küchengebrauchsware!
Der Wiener Raum, vom Legionslager bis zur canabae legionis, verfügte über ein großes Einzugsgebiet im Warenhandel, es finden sich Formen aus dem pannonischen über den norischen bis in den rätischen Raum.

Terra Sigillata ist ein neuzeitlicher Begriff, der antike ist uns nicht bekannt, und heißt soviel wie „Erde mit kleinen Figuren verziert“. Diese Ware ist nicht glasiert, wie man auch heute noch öfters zu hören bekommt, es handelt sich um einen roten oder auch schwarzen Glanztonüberzug, ein speziell aufbereiteter feiner Ton, den man bis heute nicht nachmachen konnte. TS bildet das Rückgrat einer Datierung jeder Grabung, die einzelnen Modeformen waren kurzlebig, aber durch die Massenproduktion und den Handel weit verbreitet.

Glas war schon im 2. Jahrtausend den Mesopotamiern bekannt, ab augusteischer Zeit wurde es in Italien erzeugt. Die Römer liebten kräftige bunte Farben, einfärbige Gefäße imitierten im 1. Jh. n. Chr. TS Formen, beliebt waren auch Mosaikgläser, hergestellt mittels verschiedenfarbiger Glasstränge.
Der Reiz der Glasgefäße lag neben der Farbigkeit und „Gläsernheit“ auch in der optischen Verzerrung, durch die alles größer, schöner wirkte. Auch empfand man dieses Material im Sommer als kühl verglichen mit den Metallgefäßen. Doch spielte Glas auch in der Aufbewahrung eine große Rolle: Man erkannte Glas als geruchs- und geschmacksneutral, sodass man teure Gewürze und Kräuter darin verwahrte.
Man kannte geblasenes Glas, Ziselieren von kaltem Glas und das Drehen von heißem Glas. Mit Hilfe der Glasmacherpfeife konnte man Hohlkörper formen, bei formgeblasenen Stücken wurde erhitzter Glasposten in eine Form hineingeblasen, so waren die Stücke leichter reproduzierbar. Deutlich zu sehen ist das bei den römischen Vierkantkrügen: Sie gab es eben in Vierkantform, aber auch sechs- oder rechteckig wie polygonal. Sie gehörten zu den langlebigsten Formen. Sie entstanden mit Hilfe mehrer Modelteile, die Böden mit Bodenmarken waren aus stabilem Material, die Wände aus gewässertem Holz. Die Halbform erreichte Gefäßschulterhöhe, der Randteil wie Henkel wurden frei angebracht. Die Bodenmarken waren zum Teil Herstellersignaturen, man sieht konzentrische Kreise, Punkt- oder Blumenornamente. Nachdem der Henkel nicht über den Gefäßkörper hinausragte, ist diese Form leicht lagerbar, sowohl für Transportzwecke als auch im Haushalt.

Eine weitere sehr gebräuchliche Form sind die Rippenschalen. Man hat sie wahrscheinlich auf einer rotierenden Scheibe so fabriziert, dass über eine halbkugelige Form ein heißer Glasposten abgesenkt und dann mit einem Formholz die Rippen eingedrückt wurden.
Ende 1. Jh. verschwanden die bunten Gefäße, stattdessen erfreute sich der Käufer an naturfarbenem blaugrünem Glas, immer häufiger wird auch das entfärbte, durchsichtige Glas produziert, die Gefäße dann oft mit Facettenschliff (flavisch-traianisch) und anderen Schliffmustern verziert. Die entfärbte Ware blieb bis in die Spätantike Leitmotiv des Luxusgeschirrs.

In der Frühzeit der römischen Geschichte waren Gefäße und Gegenstände aus Edelmetallen sehr selten. Erst mit dem 2. Punischen Krieg änderte sich die Lage: Den Römern standen nun die Silberminen und die immensen Silber- und Goldressourcen von Magna Graecia (Tarent und Syracus) zur Ausbeutung zur Verfügung, in den Triumphzügen Anfang des 2. Jh. wurden die Schätze der hellenistischen Könige nach Rom gebracht. Die unvorstellbare Handwerkskunst der „ausländischen“ Silberschmiede veranlasste die reichen Römer, zu Sammlern von Silberkunstwerken zu werden. Es ist anzunehmen, dass auch der Durchschnittshaushalt neben dem silbernen Tafelgeschirr auch eine Reihe an Schaustücken sein Eigen nannte. Diese wurden als Erbstücke und Hochzeitspräsente weitergereicht. Ein sehr bekannter Hortfund ist der Schatz von Hildesheim, der größte Silberfund außerhalb römischer Grenzen.

Ein komplettes Set, lat. ministerium, ist geteilt in argentum escarium, Essgeschirr, und argentum potorium, Trinkgeschirr. In der frühen Kaiserzeit reichte die Größe der Platten, die meist rund waren, von sehr groß – lances bis klein – scutellae. Ovale Platten waren zum Fischessen gedacht. Es gab eigene Schalen für Früchte oder Kuchen, Salz- und Pfefferfässchen. Da das Essen bereits zerkleinert zu Tisch gebracht wurde, waren Messer nicht notwendig. Auch scheint es, waren Gabeln unbekannt. Nur der Löffel war als Essinstrument vorhanden, in zwei Formaten, der kleinere hatte eine runde Fläche und der Griff endete spitz, um vielleicht Muscheln zu öffnen (lat. cochleare), der größere war der Dessertlöffel, ligula oder lingula, für verschiedene Speisen. Dessen Fläche war birnenförmig.
Krüge, urceus oder lagona dienten zur Weinaufbewahrung wie auch zum Servieren. Als Trinkgefäße sind bekannt trullae, scyphi, phialae.
In reichen Haushalten waren andere Haushaltsgegenstände aus Silber gemacht, Dreifuß-Tische, Kandelaber, Spiegel, Toilettegegenstände, auch Kinderspielzeuge.

Im Museum in Mainz befindet sich der größte Bestand an römischen Bronzegefäßen. Da sind Kasserollen, Kannen, Pfannen, Schöpfer, Kellen und Eimer. Trifoliarkannen sind immer mit Griffschalen als Service zu sehen. Sie wurden Gästen zum Händewaschen gereicht.

15.03.2007