Die Urgeschichte II

von Mag. Sigrid Strohschneider-Laue
 
Die Bronzezeit

Die einfache Gliederung in frühe, mittlere und späte Bronzezeit wird nach der jeweilig vorherrschenden Bestattungssitte auch Hockergräberzeit, Hügelgräberzeit und Urnenfelderkultur genannt.

Frühbronzezeit (2300-1600 v. Chr.)

Während der Frühbronzezeit entwickelten sich auf der Basis kupferzeitlicher Traditionen regionale frühbronzezeitliche Provinzen, die feinchronologisch untergliedert werden können. Der Osten Österreichs blieb auch weiterhin unter dem Einfluss von kulturellen Impulsen aus dem Karpatenbecken. Die verschiedenen kulturellen Gruppierungen werden durch ihre Keramik, besonders durch die typischen Tassenformen, definiert. Unterscheidungen anhand von Metallgegenständen, die weit verhandelt wurden, sind zwar möglich, allerdings nicht so kleinräumig fassbar.

An dieser Stelle sei für die Frühbronzezeit nur auf einige der wichtigsten Kulturen verwiesen. Die Wieselburger Kultur war südlich der Donau, zwischen Raab und Wienerwald beheimatet. Der Verbreitungsschwerpunkt der Aunjetitz-Kultur auf österreichischem Boden erstreckte sich nördlich der Donau vom Weinviertel bis zum Ostrand des Waldviertels. Im süddanubischen Alpenvorland zwischen Enns und Wienerwald war die Unterwölblinger Kulturgruppe angesiedelt. Im Westen Österreichs befand sich der Einflussbereich der Straubinger Kultur. Hinzukommen die inneralpinen Erscheinungsformen der Frühbronzezeit.

Ausgehend von den sozialen Strukturen, die sich bereits in der Kupferzeit abzeichneten, verstärkten bzw. bildeten sich im Laufe der Bronzezeit gesellschaftliche Schichten. Die Oberschicht, die sich aus reichen Händlern und Kriegern zusammengesetzt haben dürfte, scheint für die Verwaltung von Rohstofflagern, Handel und Transport, aber auch für die Sicherheit von Bevölkerung und materiellen Gütern verantwortlich gewesen zu sein. Ein Teil der Bevölkerung war mit der Metallgewinnung und der Metallverarbeitung beschäftigt. Weitreichende Kontakte führten zum Austausch von Kenntnissen, Rohstoffen und Kulturgütern.

Der schon in der Kupferzeit begonnene Bergbau auf Kupfererz in der Grauwackenzone, wurde während der Bronzezeit forciert. Zunächst obertägig gewonnen, wurde, den Erzadern folgend, bald bergmännisch in verzimmerten Stollen Kupferkies mit Hilfe der Feuersetzmethode (erhitzen und abkühlen, um das Gestein mürbe zu machen) und von Werkzeugen abgebaut. Es konnten Teufen (senkrechter Grubenbau) von nahezu 180 m, bei denen fast 500 m tief in den Berg eingedrungen wurde, nachgewiesen werden. Die Aufbereitung erfolgte obertägig und in mehreren Arbeitsgängen wie Zerkleinern und Sieben.

Vor der eigentlichen Verhüttung wurde das Erz durch Rösten vom Schwefel getrennt. In speziellen Öfen wurde das Rösterz mit einem Gemisch aus Quarz und Spat (sog. Möller) sowie Holzkohle geschmolzen. In weiteren Arbeitsgängen wurde der Kupferstein solange geröstet und geschmolzen bis Schwarzkupfer gewonnen wurde.

Durch den Reichtum, der aus der Erzgewinnung und Metallverarbeitung resultierte, war der Bau von gut befestigten Siedlungen notwendig geworden. Meist wurde dazu eine durch natürliche Gegebenheiten (Steilabfälle) geschützte Anhöhe gewählt. Die ebene Zugangsseite wurde mit einem Wall und einem Graben geschützt. Ständer- und Blockbauten sowie Blockbauten mit Steinfundamentierung konnten nachgewiesen werden.

Die übliche Bestattungsweise, Seitenlage mit angehockten Beinen und angewinkelten Armen, war für die Frühbronzezeit (Hockergräberbronzezeit) namengebend. Innerhalb der einzelnen Gräberfelder sind oft geschlechtsspezifische Bestattungsweisen ebenso feststellbar, wie die Orientierung nach den Haupthimmelsrichtungen. Männer wurden dabei auf eine andere Körperseite (rechte oder linke) als Frauen gelegt, wobei die Blickrichtung bei beiden Geschlechtern aber die gleiche war. Diese Sitten waren regional verschieden, sind aber innerhalb von Gräberfeldern weitgehend einheitlich. Die Beisetzungen erfolgte manchmal in Baumsärgen. Die Gräber konnten oberirdisch mit Steinen gekennzeichnet sein. Die Metallbeigaben, die einst in den Gräbern waren, sind oft schon in alter Zeit geraubt worden. Zurückgeblieben sind dann nur noch die grünlichen Verfärbungen an den Knochen, die somit die einzigen Hinweise auf die ehemaligen Ausstattungen sind.

Das Gräberfeld Franzhausen I (NÖ) wurde nahezu 700 Jahre lang belegt. Bei einer Berechnung eines Durchschnittsalters von 25 Jahren, umfassten die zugehörigen Siedlungsplätze etwa 30 Personen pro Generation. Die Gräber waren je nach der sozialen Stellung des Toten dimensioniert. Die Tiefe der Grabschächte schwankte zwischen knapp 40 cm und über 4 m. Im Durchschnitt lag die Tiefe jedoch bei ca. 1,30 m. Frauen wurden als rechte Hocker mit Kopf im Süden und Männer als linke Hocker mit Kopf im Norden beigesetzt. Erwachsenen Männern konnten Bronze- und Steinbeile beigegeben sein. Dolche wurden auch schon in Knabengräbern gefunden. Hals- und Armreife, Nadeln, Dentalien und Blechröllchen wurden von Frauen und Männern getragen. Die Anzahl von Nadeln und Armreifen kann je nach Gräberfeld geschlechtsbestimmend sein. Eine Nadel oder ein Armreif deutet auf einen Mann und der doppelte Satz auf eine Frau hin.

Zur Frauentracht, die ab einem Alter von etwa 14 Jahren getragen wurde, gehörten Lederkappen, die mit verzierten Bronzeblechstreifen gehalten wurden oder auf denen Spiralanhänger befestigt waren. Die Haare wurden strähnchenweise mit Noppenringen zusammengehalten und anschließend in größere Ringe zusammengefasst. Ketten aus verschiedensten Materialien (Bronze, Knochen, Bernstein, Zähne, Muscheln) und Bronzeblechbesätze für den Halsanschnitt des Obergewandes ergänzten die Ausstattung.

Mittelbronzezeit (1600-1250 v. Chr.)

Die mittelbronzezeitlichen Siedlungen sind noch wenig erforscht. Befestigte Höhensiedlungen sind nachgewiesen. In den Siedlungen dürften Pfostenbauten gestanden haben.

Die vorherrschende Bestattungssitte unter großen Hügeln gab der mittleren Bronzezeit auch die Bezeichnung Hügelgräberkultur, deren Erscheinungsformen in weiten Teilen Europas verbreitet waren. Zunächst waren Körperbestattungen üblich, während später Brandbestattungen häufiger wurden. Ein bedeutendes und für die mittlere Hügelgräberzeit namengebendes Gräberfeld befand sich in Pitten/NÖ. Dort wurden in Gräbern u. a. drei großen Diademe gefunden, die zu üppigen Frauentrachten gehörten. Sichelförmig gebogene Nadeln, breite Metallgürtel, großer Hals- und Brustschmuck (bestehend aus Bronzeanhängern, Bronzescheiben oder Bronzekreuzen mit spitzem Mitteldorn) sowie Arm- und Beinschmuck aus Bronzeblechen ergänzten die Ausstattungen. Die Bewaffnung der Männer wandelte sich nun von Dolchen zu Schwertern, bronzene Streitäxte waren vor allem im Karpatenraum weltverbreitet.

Die Sitte Trinkgeschirrsets in Erdgruben zu deponieren, wird vielfach mit Trankopfern in Zusammenhang gebracht. Funde, z. B. aus der Donau, belegen Opferungen von Waffen (z. B. Schwerter, Beile) und Schmuck (u. a. Nadeln) im Wasser.

Spätbronzezeit (Urnenfelderkuitur)

In die Zeit der spätbronzezeitlichen Urnenfelderkultur (1250-750 v. Chr.), die in mehrere Phasen unterteilt werden kann, kommt es zu kriegerischen Ereignissen und Bevölkerungsverschiebungen, die in zwei Fällen sogar schriftlich überliefert sind. Die Seevölkerbewegung führt um 1200 v. Chr. zum Untergang des Hethiterreiches in Kleinasien. Das zweite Ereignis ist die Dorerwanderung um 1100 v. Chr. Am Ende dieser Umwälzungen war die Urnenfelderkultur in Mitteleuropa und von Griechenland über Italien bis Spanien verbreitet.

In dieser Zeit entstanden große Befestigungsanlagen mit durch Holzeinbauten stabilisierten Erdwällen und vorgelagerten Gräben. Sie wurden in naturräumlich geschützter Lage errichtet und dürften Zentralorte gewesen sein. Die bis zu 50 ha großen Innenflächen waren nur teilweise verbaut und wurden vermutlich auch landwirtschaftlich genutzt.

Mit dem Einsetzen der Urnenfelderkultur wird, wie der Name schon deutlich macht, die Brandbestattung die vorherrschende Grabform, wobei die Anlage und Ausstattung der Gräber recht unterschiedlich sein kann. Meist wurden die Verstorbenen in ihrer Tracht verbrannt. Die Knochen wurden in einer Urne (z. B. Keramikgefäß, organischer Behälter) gesammelt oder mit den gesamten Scheiterhaufenresten in eine Grube geschüttet. Speise- und Trankbeigaben sowie Schmuck und Waffen wurden ebenfalls beigegeben. Reste von Pferdeschirrungen (Seitenstangen, Gebissstücke) zeugen vom Reiten und Fahren in dieser Zeit.

Mit kultischen Vorgängen werden die verschiedenen Darstellungen von Vogelsonnenbarken, Sonnenrädern und Wasservögeln in Zusammenhang gebracht. Bestattungen von Tieren (u. a. Hirsche), scheinen ebenfalls religiöse Inhalte wiederzuspiegeln und nehmen für die Hallstattkultur belegte Umzüge und Opferungen vorweg.

Die Eisenzeit

Gegen Ende der Urnenfelderkultur begann sich ein neuer Rohstoff, zunächst als Schmuckmaterial, immer mehr durchzusetzen: Eisen. Das Eisen verdrängt schließlich Bronze als Werkzeugmaterial, Bronze behält aber hohe Bedeutung für die Schmuckherstellung. Die an die Bronzezeit anschließende Epoche der Eisenzeit wird zweigeteilt.

Hallstattkultur

Die ältere Eisenzeit wird nach dem berühmten oberösterreichischen Fundort (Gräberfeld, Salzbergbau) Hallstattkultur (750-450 v. Chr.) genannt.

Während sich im mediterranen Raum bereits die Stadtkulturen ausbreiteten, entstanden im Alpenraum Eisen-, Blei- und Salzzentren.

Der Salzbergbau von Hallstatt brachte für die Bevölkerung enormen Reichtum. Es konnten im Hallstätter Salzberg drei Gruppen, auf die sich die Fundstellen konzentrierten, nachgewiesen werden. Die drei Bergbaue standen zu unterschiedlichen Zeiten in Betrieb. Bereits zur Zeit der Urnenfelderkultur wurde in der Nordgruppe Salz abgebaut. Die bekannten und gut verarbeiteten Tragsäcke aus Rindshaut stammen von dort. In diesen Säcken konnten ca. 45 kg kleinstückiges Salz transportiert werden. Zu Fackeln gebündelte Kienspäne dienten als Beleuchtung im Untertagbau. Durch die Salzkonservierung haben sich organische Materialien sehr gut erhalten.

Im 4. Jh. v. Chr. kam es zu einem Erdrutsch, der die eisenzeitliche Ostgruppe verschüttete. Ein Bergmann, der dabei ums Leben kam, wurde 1734 gefunden und ist als der Mann im Salz bekannt geworden.

Die in späterer Folge angelegte Westgruppe lag am höchsten und ist daher durch modernen Abbau am meisten zerstört und am wenigsten erforscht worden.

Die Hallstattkultur war über fast ganz Mitteleuropa verbreitet und lässt sich in einen West- und Osthallstattkreis, deren Grenze entlang von Enns, Ybbs und Inn verläuft, unterscheiden. Der Westhallstattkreis pflegte intensive Kontakte mit den griechischen Kolonien an der ligurischen Küste. In den Alpen werden Kontakte mit den etruskisch-griechischen Regionen in Italien spürbar. Im Osten macht sich der Einfluss der Steppenvölker geltend.

Die weitreichenden Kontakte und der Wohlstand spiegeln sich in importierten Luxusgütern wieder, dazu gehörten Wein, Speisen, Bronzegeschirr, Glas, wertvolle Seidenstoffe und Brokate, Bernstein und Elfenbein. Das Repräsentationsbedürfnis der reichen Oberschicht wird durch bewehrte Herrensitze, die u. U. mediterrane Vorbilder imitierten, deutlich. Diese Anlagen mit Herrenhaus und Handwerkerviertel dürften Marktzentren und kulturelle Mittelpunkte gewesen sein. Wertvolle und kulissenartig arrangierte Grabausstattungen, aber auch szenische Darstellungen auf Bronzeobjekten zeugen von üppiger Hofhaltung.

Die aus Bronzeblech getriebenen Bilder zieren Situlen (Eimer), die zum Trinkgeschirr gehörten, oder Trachtbestandteile (z. B. Gürtelbleche). Dargestellt sind Feste mit Trinkenden, Tanzenden, Musikern, Wagenrennen und Boxkämpfen, Jagdwild, marschierende oder berittene Krieger und auch Erotica.

Durch Gräber und Bilder ist die Bekleidung recht gut bekannt. Männer trugen Mützen oder breitkrempige Hüte und knielange Obergewänder, die mit Gürteln gehalten wurden. Die Umhänge wurden mit großen Bronzenadeln auf der Brust zusammengehalten. Um den Hals trug der vornehme Mann des Westkreises einen goldenen Halsreif. Zur Bewaffnung gehörten Schwerter und später Dolche. Im Osten waren es zunächst Reiterkrieger mit Streitaxt und Lanze, später kamen Pfeil und Bogen hinzu. Die Ausstattung wurde durch Helme und Brustpanzer ergänzt.

Frauen trugen lange Schleier, die mit kleinen Nadeln an der Frisur befestigt wurden. Die Haare wurden in Lockenringe aus Bronze oder Gold zusammengefasst. Die knöchellangen Kleider wurden mit Fibeln gehalten. Reiche Frauen trugen aufwendigen Schmuck: Arm- und Fußreifen, Fingerringe, Fibeln mit Klapperblechen, Halsketten mit zahlreichen kleinen Anhängern aus Gold und Bronze, Glas- sowie Bernsteinperlen und Gürtel aus Bronzeblech.

Auffälligste Bestattungsform waren Hügelgräber, daneben waren auch Flachgräber üblich. Die Sitte, Tote zu verbrennen, wurde genauso gepflogen wie die Körperbestattung. Typisch für den Westkreis ist die Wagenbestattung. Allgemein üblich waren die szenischen Arrangements der Grabausstattungen und das Errichten von Holzkammern vor der Hügelaufschüttung.

Aus dem religiösen Leben sind vor altem die Kultwagen bekannt geworden, die in Zusammenhang mit Prozessionen und Opferungen gebracht werden. Allen voran der bronzene Kesselwagen von Strettweg, der im Steiermärkischen Landesmuseum Joanneum ausgestellt ist. Um eine große stehende weibliche Mittelfigur, die einen Kessel über dem Haupt trägt, sind, in symmetrischer Anordnung nach vorne und hinten gewandt, je zwei Figuren, die einen Hirsch am Geweih halten, dahinter je eine Frau mit Ohrringen und ein Mann mit Beil, flankiert von je zwei Berittenen mit Helm, Schild und Speer, angeordnet. Auffällig sind die in Frauengräbern und im Siedlungsbereich vorkommenden Feuerböcke („Mondidole“j, die einem Herdkult zugeordnet werden. Die in Männergräbern auftretenden Stierkopfgefäße bieten ebenfalls Anlass zu Spekulation. Sie werden mit kultisch motivierten Umtrünken der führenden und somit politisch bestimmenden Kriegern in Zusammenhang gebracht. Die Keramik wurde qualitativ gut ausgeführt. Sie konnte mit schwarzen und roten Mustern bemalt sein und beweist eine hochstehende Töpferkunst. Die Bezeichnung„ Barock der Urzeit“ ist auf die Sitte der im Ostkreis verbreiteten Kalenderbergkultur (Fundort bei Mödling/NÖ.) zurückzuführen, Gefäße mit üppigen, eingekerbten Motiven zu verzieren.

Latènezeit

Die jüngere Eisenzeit (450 v. Chr. bis zur Okkupation durch die Römer um Christi Geburt) erhielt den Namen Latènezeit nach dem Fundort La Tène am Neuenburgersee in der Westschweiz. Durch die Geschichtsschreibung in den angrenzenden Hochkulturen sind u. a. historische Ereignisse, Stammesnamen und Sozialstrukturen überliefert. Die Kelten treten somit aus der Urgeschichte auf die Schwelle zur Frühgeschichte. Ausgehend vom Hunsrück-Eifelgebiet entstand, unter dem Eindruck der vielfältigen Kontakte, eine neue Weltanschauung, die durch das Auftreten eines neuen Kunststils (z. B. Zirkelornamentik, Rankenzier, Fratzendarstellung) ihren Ausdruck fand und sich unterschiedlich rasch ausbreitete. Der Übergang von der Hallstattkultur zur Latènezeit war fließend. In der Weiterführung der hallstättischen Traditionen entstanden Dorfsiedlungen mit einheitlich ausgerichteten und relativ großen Pfostenbauten. Befestigte Höhensiedlungen entwickeln sich schließlich während der Spätlatènezeit zu Zentralorten, die Mittelpunkte des öffentlich-rechtlichen und kulturellen Lebens waren. Im gallischen und britannischen Gebiet wurden diese Zentren nach der Beschreibung bei Caesar als Oppida (Singular: Oppidum) angesprochen.

Dominierten zunächst Körpergräber unter Hügeln und dann in Flachgräbern, nahmen später Brandbestattungen zu. Die typische Bewaffnung der keltischen Krieger war Schwert, Lanze und Schild. In den Männergräbern konnten große Hiebmesser, die bei den Fleischbeigaben lagen, aber auch kleine Messer, Scheren und Schleifsteine nachgewiesen werden. Gefäße zeigen, dass weiterhin die Sitte gepflogen wurde, Getränke, vermutlich Wein, beizugeben.

Die schon aus römischer Zeit stammenden Grabsteine zeigen keltische Frauen noch bis in das 2. Jh. n. Chr. in ihrer angestammten Tracht, mit u. a. verschiedenen Haubenformen und Flügelfibeln.

Die religiösen Vorstellungen der Kelten sind z. T. durch antike Nachrichten überliefert. Zahlreiche Götternamen sind bekannt, doch scheint sich das vorherrschende Gesellschaftssystem in einer Dreiheit der Hauptgötter wiederzufinden. Die verschiedenen Götter wurden mit bestimmten Tieren verbunden. In Zusammenhang mit dem Glauben an die Unsterblichkeit der Seele und einer Art Seelenwanderung werden die verschiedenen Schiffchen aus Ton (Magdalensberg) und Gold (Dürrnberg) gesehen. Verehrt wurden auch natürliche Plätze wie Quellen und Haine. In der spätesten Phase wurden Tempel erbaut.

Die wohlhabende hallstättische Herrscherschicht wurde im Laufe der Zeit durch einen Kriegeradel abgelöst und die Sozialstruktur wurde dann durch ein Gefolgschaftssystem geprägt. Die Expansionsbestrebungen und Beutezüge in den reichen Süden (Rom und Delphi) sind historisch überliefert. Andererseits dienten keltische Söldner ägyptischen Herrschern ebenso wie hellenistischen und persischen.

Auf diese Weise wurden neue Kenntnisse, Beute und Sold erworben. Zwei dadurch bedingte Neuerungen waren die Einführung lokaler Münzprägungen und die Verwendung von bestimmten medizinischen Gerätschaften. Der Nachweis einer bestimmten Trepanationstechnik an einigen Schädeln zeigt, dass entweder ein griechischer Arzt im Gebiet um Wiener Neustadt seine Praxis eröffnet hatte oder die entsprechenden Geräte in diesen Raum importiert wurden.

Inschriften auf Weihetäfelchen im alpinen Gebiet und Münzen belegen die zumindest sporadische Verwendung von Schrift. Im handwerklichen Bereich wurde nun die Töpferscheibe verwendet. Ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor war die in industriellem Ausmaß betriebene Eisenverhüttung, wie sie für das Burgenland belegt ist. Durch diese Eisengewinnung wurden einige Neuerungen möglich. Eiserne Pflüge und Sicheln sowie eisenbeschlagene Räder erlaubten gesteigerte Produktivität und besseren Transport. Der Landwirtschaft kam allerdings auch eine klimatische Verbesserung gegenüber der Hallstattkultur zugute, die Weinanbau und Obstkulturen förderte.

Wann der Zusammenschluss keltischer Stämme zum Regnum Noricum erfolgte, ist unklar. Überliefert sind aber die Handelsbeziehungen, die zwischen Römern und dem Regnum Noricum bereits im 2. Jh. v. Chr. aufgebaut wurden. Die intensiven Handelsbeziehungen werden durch die Ausgrabungen am Magdalensberg in Kärnten belegt, wo sich eine römische Handelsstation befand. Um 15 v. Chr. wurde Noricum von den Römern annektiert und die Römische Imperiumsgrenze bis an die Donau verlagert.

Damit endete in diesen Gebieten die Urgeschichte. Während der provinzialrömischen Geschichte und der Frühgeschichte werden erstmals vermehrt exakte Daten zu historischen Ereignissen fassbar.

19.12.2005