Wanderbare Eisenzeit im Burgenland

von Mag. Sigrid Strohschneider-Laue

Die Eisenzeit ist geprägt von befestigten größeren Ansiedlungen (Holz/Erdekonstruktionen). Diese burgartigen Anlagen dürften Zentralortfunktion innegehabt haben.

Im südlichen Burgenland am Fuße des nicht nur Weinfreunden bekannten Eisenbergs bestand eine solche Wehranlage. Als wirtschaftlicher und somit wahrscheinlich auch herrschaftlicher Mittelpunkt hatte sich die Region um die beiden heutigen Ortschaften Schandorf und Burg nicht nur während der älteren Eisenzeit etabliert.

Das heutige Dorf mit dem bezeichnenden Namen „Burg“ liegt noch immer in einer durch natürliche Gegebenheiten, dem Verlauf der Pinkaschlinge, geschützten Lage. Die Ansiedlung lag damit strategisch günstig und ließ sich in früheren Tagen gut verteidigen. Diese guten naturräumlichen Voraussetzungen waren und sind auch heute noch Siedlungsreizpunkt. Während der älteren Eisenzeit entstand hier eine der großen Befestigungsanlagen dieser Epoche, deren mächtige Wälle auch heute noch – trotz fortschreitender Zerstörung durch die Verbauung – gut im Dorfbild erkennbar sind.

Der zu der Wallanlage und wohl auch zu den umliegenden Siedlungen gehörige Friedhof im heutigen Schandorfer Wald, wurde ab dem 8. Jh. v. Chr. erstmals belegt. Das große hallstattzeitliche Gräberfeld zeichnet sich durch mächtige Hügelgräber aus. Zwei jüngere Gräbergruppen wurden schließlich noch in römischer Zeit in unmittelbarer Nähe errichtet. Zum Zeitpunkt der Beisetzungen war das Gebiet zunächst noch unbewaldet und wurde erst später wieder vom Wald zurückerobert. Die Hügelgräber befinden sich in einem ungewöhnlich guten Erhaltungszustand, da sie u. a. durch die kontinuierliche Bewaldung weitgehend vor der Zerstörung durch landwirtschaftliche Aktivitäten geschützt waren. Bis heute haben sich zum Teil sogar die umlaufenden Erdentnahmegräben und Erdbrücken, die beim Aufschütten entstanden, erhalten. Der Besuch eines obertägig derart gut erkennbaren eisenzeitlichen Gräberfeldes mit mehr als 250 Grabhügeln, die teilweise um die 16 m hoch aufragen und rund 40 m Durchmesser aufweisen, ist ein beeindruckendes Erlebnis.

Schanzungen während des Zweiten Weltkrieges haben allerdings ebenso ihre Spuren an den Hügeln hinterlassen, wie diverse Grabungen ab dem 19. Jh. Ein Hügel wurde im Jahr 1933 untersucht. Die Überreste des auf dem Scheiterhaufen verbrannten Toten sowie Beigaben für das Jenseits wurden mit in das Grab gelegt. In der aus Steinplatten errichteten Grabkammer war wahrscheinlich ein Mann bestattet. Zur persönlichen Ausstattung gehörten Mehrkopfnadeln, des Weiteren waren Eisengeräte, schwarzrot bemalte Keramikgefäße sowie ein Bronzegefäß beigegeben.

Grabungen sind hier in naher Zukunft nicht vorgesehen. Die Gräber befinden sich in einem durch Bauvorhaben ungefährdeten Bereich. Um ein Hügelgrab mit allen Mitteln der modernen Archäologie zu untersuchen, wäre ein enormer personeller und somit finanzieller als auch technischer Aufwand nötig. Mit der sachgerechten Freilegung wäre aber nur ein kleiner Teil der Untersuchungen erfolgt. In interdisziplinärer Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaften (z. B. Anthropologie, Zoologie, Botanik, Pedologie) wären zahlreiche weitere Analysen von Befunden, Funden und Proben nötig, um das Optimum an Information für die Aufarbeitung gewinnen zu können. In der Überzeugung, dass künftige Generationen ein noch besseres Bild der Vergangenheit zeichnen können, sollen daher die Grabhügel für die Zukunft in ihrem Originalzustand erhalten bleiben.

Auf den sieben Informationstafeln entlang des Wanderweges werden nachfolgende Themen abgehandelt:

– 8000 Jahre Geschichte und Kultur in  Schandorf,

– Kultur der Hallstattzeit,

– Befestigungsanlage von Burg,

– Gemeinde Schandorf,

– Römerzeit in Schandorf,

– Eisengewinnung in der jüngeren  Eisenzeit,

– Hügelgräber aus der Hallstattzeit.

Auf der Nord-Süd durch Schandorf verlaufenden Durchfahrtsstraße ist bereits der Wanderweg ausgeschildert. Die erste Informationstafel befindet sich am östlichen Ortsrand, unmittelbar neben dem zur Grenze führenden Güterweg. Für weniger Gehfreudige empfiehlt es sich, die Strecke mit dem Auto zu befahren oder zumindest bis zum Wald (Informationstafel 4) zu verkürzen.

Der Wanderführer inkl. Spendenerlagschein ist u. a. unterhalb der letzten Informationstafel in einer Box verwahrt.

Weitere Informationen sind auch der Homepage des Kulturvereins Schandorf im Internet unter www.schandorf.at/kulturverein zu entnehmen oder direkt beim Kulturverein erfragbar.

Anfahrt zur Wehranlage Burg und zum Hügelgräberfeld Schandort:

– A2 (Südautobahn) Richtung Graz  bis Pinkafeld

– B 63 Richtung Oberwart, Großpetersdorf, Hannersdorf und Burg

– B 56 Schandorf

Das Burgenland gehört zu den ältesten bäuerlichen Siedlungslandschaften Österreichs. Seit dem Beginn der Jungsteinzeit vor rund 8000 Jahren siedeln hier Menschen, die ihren Lebensunterhalt mit Ackerbau und Viehzucht bestreiten. Zur industriellen Hochblüte gelangte das Burgenland während der jüngeren Eisenzeit (450 vor Christus bis Christi Geburt). Die örtlichen Vorkommen an Raseneisenerz wurden bereits zu dieser Zeit systematisch ausgebeutet und das Erz an Ort und Stelle verhüttet. Die reichhaltigen Vorkommen – nach heutigem Ermessen eine Kleinstlagerstätte – sowie die besonders gute Qualität des gewonnenen Eisens sorgten für wirtschaftlichen Aufschwung und lenkten in Folge auch das Augenmerk der Römer auf diese Region. Diese frühe Großindustrie hat bis heute untilgbare Spuren in der Landschaft, insbesondere im Bezirk Oberpullendorf, hinterlassen. Der über 2.000 Jahre alte „Sondermüll“ in Form von unverrottbaren Schlacken und Ofenresten der zerstörten Schmelzanlagen ist noch auf vielen Äckern auffindbar. Die landschaftlichen Veränderungen, die die im Tagebau betriebene Gewinnung von Raseneisenerz verursacht hat, sind hingegen zwischen Unterpullendorf und Kleinmutschen besonders gut durch die Überwaldung erhalten geblieben. Die kleineren und größeren Trichter und Mulden (sog. Pingen) zeugen von verstürzten Schächten des Tagebaus in Unterpullendorf/Zerwald. Das Pingenfeld ist mit grünen Hinweistafeln ausgeschildert. Eine Informationstafel vor Ort weist auf die Pingen selbst sowie ihre historische und wirtschaftliche Bedeutung hin.

Ein Schauraum im Keller des Oberpullendorfer Rathauses (wochentags zu Bürozeiten zugänglich) informiert über diese frühe Eisengewinnung.

Burgenländisches Landesmuseum:
www.burgenland.at/landesmuseen

Anfahrt zum Pingenfeld Unterpullendorf/Zerwald:

– A2 (Südautobahn) Richtung Graz  bis Traiskirchen

– A3 (Südostautobahn) Richtung  Eisenstadt bis Knoten Eisenstadt

– S 31 Richtung Oberpullendorf

– B 50 bis Oberpullendorf

– im Kreisel Oberpullendorf 3. Ausfahrt Richtung Unterpullendorf, Lutzmannsburg (Sonnentherme)

– in Unterpullendorf im Kreisel 2. Ausfahrt Richtung Kleinmutschen, Lutzmannsburg (Sonnentherme)

– grüner Beschilderung (Unterpullendorf/Zerwald) zum Pingenfeld folgen.

19.12.2005