Archäologische Arbeitsschritte

von Mag. Sigrid Strohschneider-Laue

Die bekannteste Tätigkeit auf dem Gebiet der Archäologie ist die Ausgrabung. Es werden u. a. Rettungsgrabungen, die vor einer drohenden Zerstörung durchgeführt werden, und Forschungsgrabungen, die zur Klärung bestimmter wissenschaftlicher Fragestellungen durchgeführt werden unterschieden. Ausgraben bedeutet immer die Zerstörung eines Denkmals, daher gilt besonderes Augenmerk den Befunden, die nicht wie Funde immer wieder betrachtet werden können. Der Befund ist die Lage der Funde in der Erde und ihre Beziehung zueinander. Aber auch die Position innerhalb eines Objektes (z.B. Grab) oder innerhalb einer Bodenverfärbung (z. B. Reste eines Behälters aus organischem Material). Ein Befund kann auch eine bestimmte Abfolge von Erdschichten (Datierung der darin enthaltenen Funde) sein.

In senkrechten Schnitten (sog. Profil; ergibt den Aufriss) durch den Boden und waagrechten Flächen (sog. Planum; ergibt den Grundriss), die eben und sauber mit Feinwerkzeug (Kelle, Pinsel) geputzt werden, sind Erdschichten, Bodenverfärbungen und darin enthaltene Funde gut sichtbar.

Dokumentation

Alle diese Tätigkeiten erfordern eine umfangreiche Dokumentationsarbeit. Vor Grabungsbeginn wird das Gelände vermessen und ein exakter Übersichts- und Höhenschichtenplan angefertigt. Jede Abbauphase von Profil und Planum wird maßstabsgetreu gezeichnet, fotografiert und verbal beschrieben. Die Funde werden zusammen mit fortlaufend nummerierten Fundzetteln (Fundort, Lagemaße, Fundart, Datum) verpackt. Die Fundnummern und die zugehörigen Informationen werden in einem eigenen Fundprotokoll aufgelistet. Das Grabungsprotokoll dient zum Aufzeichnen der täglichen Arbeiten, Funde, Befunde, Proben, Fotos, sogar Mitarbeiter und Besucher werden eingetragen. Ergänzend werden Foto-, Plan- und Probenprotokolle angelegt.

Aufarbeitung

Die Aufarbeitung umfasst mehrere Arbeitsgänge. Die Funde sollen schließlich nicht nur schön restauriert die Bestände der Museen und Sammlung bereichern, sondern dem Hauptziel der Aufarbeitung dienen. Mit Funden und Befunden können bestehende Geschichtsbilder ergänzt oder neu geformt werden.

Materialaufnahme

Im Rahmen der Materialaufnahme werden die Funde den einzelnen Schichten und Objekten zugeordnet. Dabei helfen während der Grabung angefertigte Pläne, Fotos und Protokolle. Die komplizierteren Restaurierungsarbeiten werden von eigens dafür geschulten Fachkräften übernommen. Anschließend werden die Funde in Form technischer Zeichnungen dargestellt, fotografiert und verbal beschrieben.

Auswertung

Die relative Datierung der Funde lässt sich durch stratigraphische Beobachtungen und typologische Vergleiche des Fundmaterials mit bereits bekanntem Material durchführen. Absolute Zeitbestimmung von Funden aus schriftlosen Bereichen ist mittels Importgüter aus datierbaren Hochkulturen möglich (Kulturkontakt-Chronologie).

Bekannter sind die naturwissenschaftlichen Methoden. Die sicherste Methode ist die Jahresbestimmung mit Baumringen (Dendrochronologie), die auch zur Überprüfung und Sicherung der betreffs ihrer Genauigkeit oft überschätzten 14C-Datierung herangezogen wird. Die Jahresringe eines Baumes, die bis zum Fällen entstehen, sind durch  „magere und fette Jahre“ in bestimmten Ausprägungen vorhanden und innerhalb einer Baumart in einem begrenzten Gebiet gleich. Mit ihrer Hilfe lassen sich Kurven („Endlosbaum“) erstellen, die als Vergleichsbasis für neue Holzfunde dienen und zur exakten Altersbestimmung herangezogen werden können. Bei der bereits genannten 14C-Datierung wird mittels der Halbwertszeit des radioaktiven Kohlenstoffes das Alter organischer (Holzkohle) Proben festgestellt.

Nach Beurteilung aller Ereignisse der archäologischen Untersuchungen (z.B. Pollenanalyse, anthropologische und paläontologische Bestimmungen) mit Funden und Befunden sollten Aussagen zum Geschichtsbild (u. a. Wirtschaftsform, soziale Struktur, Siedlungs- und Grabbrauch, Trachtgeschichte) jener Zeit möglich werden.

19.12.2005