Herbstreise 2017 – Mähren, eine archäologische Zeitreise (P. Kettner)

Heuer konnten wir unserem bewährten Reiseorganisator János viel Arbeit ersparen.
Beim Reisebüro Elite Tours war eine Reise vom 8. bis 10. September im Programm, die uns zusagte und zu der wir uns dazu buchten. Wie wir später erfuhren, machte sich der Reiseleiter, Herr Mag. Emanuel Slapak, selber ein Geschenk zum Ende seiner Tätigkeit und organisierte diese Reise.
Bei schönem Herbstwetter fuhren wir am Freitag Richtung Mikulov (Nikolsburg), wo der erste Aufenthalt vorgesehen war. Hier wurde im Schloss die Ausstellung „Germanen und Römer in Südmähren“ besucht.
Weiter ging die Reise nach Mikulcice (Mikultschitsch), dem Zentrum des Großmährischen Reiches. Bei Ausgrabungen wurden hier aus der Zeit des 9. Jh. ein Palast, 12 Steinkirchen und mehr als 2500 Gräber freigelegt. Über 250.000 Fundgegenstände belegen die einstige Bedeutung. Das moderne Museum ist sehr gut gestaltet und auch sehr interessant. Leider war für das große Freigelände nur sehr kurze Zeit eingeplant.
Das nächste Ziel war unser Hotel International in Brünn (Brno). Das späte Mittagessen fand noch vor dem Einchecken statt. Anschließend blieb nur wenig Zeit zum Verschnaufen, am frühen Nachmittag war als nächster Programmpunkt ein Besuch des Mährischen Landesmuseums im Dietrichsteinpalast vorgesehen.
Die Abteilung Urzeit und Großmähren war unser Ziel, mit dem Schwerpunkt Einzug der Slawen und Entstehung des ersten Staates. Auch dieses Museum ist sehr gut aufgestellt. Unser Reiseleiter konnte als Führer durchs Museum einen Universitätsprofessor gewinnen, der sich auch noch für einen Vortrag in der Universität am Abend liebenswürdigerweise bereit erklärte.

Am Samstag fuhren wir nach Velehrad, einem bedeutenden Marien-Wallfahrtsort mit angeschlossenem Kloster. Ursprünglich handelte es sich um ein Zisterzienserkloster. Im Wandel der Zeit nach verschiedenen Unterbrechungen übernahmen es die Jesuiten und schlossen ein Gymnasium an.
Unter dem Klosterkreuzgang befindet sich eine Krypta mit Lapidarium, die unser eigentliches Ziel war. Die Gänge sind schmal und lang und mit reichlich Material ausgestattet. Für die Schatzsucher unter uns bedeutete die Suche nach der goldenen Rose eine Abwechslung bei so viel Kultur.
1985 wurde von Papst Johannes Paul II. dem Wallfahrtsort diese goldene Rose als Auszeichnung verliehen.
Natürlich besichtigten wir auch die Kirche, die 1927 zur Basilika minor erhoben wurde. Angeblich haben in dieser Kirche auch die Slawenapostel Kyrill und Method gepredigt.
Nicht weit von dieser Kirche, sozusagen in Sichtweite, befindet sich das archäologische Freilichtmuseum Modrá. Hier wird eine großmährische Siedlung des 9.Jh. rekonstruiert, mit der Darstellung des Alltagslebens der alten Slawen. Im angeschlossenen Restaurant verbrachten wir die Mittagspause und anschließend konnte sich jeder je nach Vorliebe und Interesse frei auf dem doch recht großen Gelände bewegen und informieren.
Als letzter Programmpunkt des Tages war ein Museum in Stare Mesto vorgesehen. Das Museum wurde über den Fundamenten der Friedhofskirche aus dem 9. Jh. gebaut und ist mit Funden aus 2000 erforschten Gräbern ausgestattet und somit ein Denkmal Großmährens. Als kleine Panne konnte der zur Einführung laufende Film nur in tschechisch gezeigt werden. Es tat aber dem Interesse keinen Abbruch.
Neben dem Museum wurde eine ganz moderne Kirche gebaut, die durch ihr Aussehen auch unser Interesse fand.

Sonntag war der letzte Reisetag und wir besuchten vormittags das Museum im Pavillon Anthropos, angeblich das größte und reichhaltigste Museum in Mitteleuropa mit Schwerpunkt älteste Geschichte des Menschen. Ein modernes Museum, auch mit englischer Beschriftung. Danach verbrachten wir noch kurze Zeit beim Hotel und traten die endgültige Rückreise an.
Bei der Fahrt nach Dolni Vestonice durchquerten wir einen Thaya-Stausee. Von der im See versunkenen Stadt Musov ist noch die erhöht gestandene Kirche zu sehen.
Das betont modern gebaute Museum befindet sich an der Fundstätte der Venus von Vestonice und enthält eine Expositur über die Mammutjäger.

Den Abschluß der Reise bildete noch eine Weinverkostung in der Nähe, mit kleinem Imbiß und guten Weinen.

Wir konnten die Reise mit nur positiven Eindrücken abschließen. Sie war zwar anstrengend wegen des vollen Programms, aber sehr interessant und die Landschaft Mährens ist sicher nicht nur bei schönem Wetter, wie wir es hatten, angenehm zu bereisen.

Paula Kettner
Sen. Archäologin

Quellen: Prospekte und Internet
Fotos: Internet, Walter Benes, eigene