Herbstreise 2017 – Mähren, eine archäologische Zeitreise (W. Benes)

(vom 8. bis 10. September 2017)

Vor Christus wurde der heutige mährische Raum von den Kelten besiedelt. Germanen, Langobarden, Goten und Juden lösten die Kelten ab. Die Römer kamen bis an die Donau, überquerten diese und trieben Handel mit der Bevölkerung.
Erst am Anfang des 6. Jahrhunderts infiltrierten  die Slawen in den mährischen Raum.
Sie kamen aus nördlicher und östlicher Richtung, wahrscheinlich getrieben durch die Hunnen. Die Slawen siedelten an Theiss und Donau, sowie auch an Orten wie Flussläufen, die zur Verteidigung gut geeignet waren.
Einer der ersten Fürsten Mojmir I. dürfte von Iran oder Byzanz nach Mähren gekommen sein. Später haben die aus Byzanz kommenden Mönche Cyrill und Method wesentlich zur Christianisierung beigetragen. Sie missionierten in slawisch und ihre Schüler verbreiteten den Glauben im Osten bis Russland und im Westen bis Regensburg.
Mit dem Fürst Svatopluk erreichte das Großmährische Reich am Ende des. 9.Jahrhunderts  seinen Höhepunkt. Die in diesen Raum drängenden Ungarn bewirkten, dass sich der missionarische Schwerpunkt nach Prag verschob. Mähren verliert im 11. Jahrhundert seine dominierende Bedeutung, doch wirkt es weiter als Mittler zwischen Tschechen und Slowaken.

8. September
Bei schönem Wetter fahren wir von Wien über Poysdorf nach Mikulov/Nikolsburg.
Bei einem Stadtrundgang, der auch durch das ehemalige jüdische Viertel mit der Oberen Synagoge (ursprünglich aus 1550, erweitert 1719 und 1977-89 renoviert) führt, erreichen wir über den Hauptplatz das Schloss. Das dortige Museum gibt einen guten Überblick über Mähren vom 1. Jh. v.Chr. bis zum 2. Jh. n.Chr., über die Zeit der Germanen und Römer.
Sehenswert ist auch das Schloss mit seinem Park.

Die nächste Station war Milculcice/Mikultschisch, eine Anlage (Dorf) aus der Hochblüte des Großmährischen Reiches im 9. Jahrhundert. Dieses Dorf lag in einem Sumpfgebiet und gibt noch heute einen guten Überblick über die damalige Ausdehnung mit seinen Verteidigungsanlagen. Von 12 Steinkirchen und dem Palast sind nur noch die Fundamente erhalten. Funde aus 2500 Gräbern ergänzen das Gesamtbild und zeigen in einer überbauten Ausgrabungsstätte die hohe handwerkliche Fertigkeit der damaligen Zeit. In einem Bereich werden auch jetzt noch archäologische Untersuchungen gemacht.

Nachdem wir Brünn erreicht hatten, erhielten wir von einem Professor für Anthropologie der Universität Brünn im Mährischen Museum, welches im Palais Dietrichstein untergebracht ist, Einblick in die Mährische Geschichte, von der Urzeit bis zum Großmährischen Reich und der Staatsbildung. Am Abend hatten wir noch einen interessanten Vortrag im Institut der Universität über Anthropologie durch unseren Professor.

9. September
Fahrt nach Velehrad, ein Zisterzienserkloster aus dem 13.Jh. Die Wurzeln der neu renovierten Anlage mit barocker Klosterkirche gehen bis in die Zeit der Heiligen Cyrill und Method zurück. Im Museum unter der Kirche kann man die diversen Baustufen und viele Bauteile besichtigen. Beeindruckend sind auch die vielen Gänge, in diesen könnte man sich fast verirren. In einem Raum wird die von Papst Johannes Paul II. 1985 gestiftete „Goldene Rose“ gezeigt. Der Papst hat im Jahre 1990 die Basilika besucht.

Die nächste Station unserer  Reise war Modra, eine Rekonstruktion einer großmährischen Siedlung. Man erhielt einen guten Einblick in das Alltagsleben der damaligen Zeit, mit Hausbau, Haushalt, Tierzucht, Metallverarbeitung, Gerichtsbarkeit usw.

Am Nachmittag fuhren wir nach Stare Mesto u Uherskeho Hradiste und besuchten das Museum, welches über die Fundamente einer Friedhofskirche aus dem 9.Jh. gebaut wurde. Im Museum sieht man die Kirchenfundamente, Gräber mit Skeletten und viele schöne Grabbeigaben aus der Zeit des Großmährischen Reiches.
Beeindruckend ist neben dem Museum der Neubau einer gewaltigen Kirche, die die kleinen Häuser des Dorfes um ein Vielfaches überragt.

Nach der Rückkehr nach Brünn hatten wir noch die Möglichkeit eines Stadtbummels.

10. September
Besuch des Anthropos-Pavillons in Brünn. Dieses 1962 erbaute Museum gibt einen  guten  Überblick über die Entwicklung des Menschen, beginnend bei den Primaten, über die Steinzeit zum Jäger und Sammler. Es wird die älteste Kunst in Europa mit paläolithischen Kunstgegenständen und der Höhlenmalerei erklärt. Auch in die Herstellung von Steinwerkzeugen und die Genetik erhält man Einblicke. Ein kleines, aber sehr feines Museum mit guten Exponaten.

Auf der Rückfahrt nach Wien machten wir noch Station in Pavlov/Dolni Vestonice/Unterwisternitz. Das neue in den Berg gebaute Museum gibt einen guten Einblick in die Zeit der Mammutjäger an der Fundstelle der Venus von Vestonice. Es wird auch die Jagd auf Mammuts erklärt, Kunstgegenstände werden gezeigt sowie der Ablauf von archäologischen Grabungen.

In einem typischen mährischen Weinkeller konnten wir noch unsere Eindrücke vor der Rückfahrt austauschen.

Walter Benes