Pécs 2013

Zweite Fahrt nach Pécs (September 2013)

 

Auf vielseitigen Wunsch unternahmen die Wiener Senior-Archäologen am 11.09.2013 wieder eine fünftägige Fahrt nach dem schönen Pécs (Fünfkirchen) im südlichen ungarischen Bezirk Baranya am Fuße des Mecsekgebirges. Nach unserer ersten Fahrt im September 2004 wurde vom Verfasser bereits ein ausführlicher Bericht abgeliefert, welcher Pécs historisch beschreibt und Eindrücke von Kultur, Architektur, Gastronomie etc. nach eigenem Empfinden wiedergibt. Dies gilt auch für die heuer besuchten Orte Szekesfehervar (Stuhl-Weißenburg) und Mánfa (frühromanisch-gotische Kirche). Die geschätzten Leser dieses heurigen Berichts mögen daher zwecks Vermeidung von Wiederholungen den Beitrag „Fahrt nach Pécs (September 2004)“ in diesem Link aufrufen, der auch andere interessante Besichtigungen der ersten Reise enthält.

 

Diesmal konzentrierten wir uns auf Eindrücke von weiteren Orten in der Umgebung der Bezirkshauptstadt mit bedeutenden Sehenswürdigkeiten. Nachdem wir die alte Hauptstadt Ungarns – nämlich Szekesfehervar – um 10 Uhr erreicht hatten, stoppten wir in Simonytorony, einem Ort mit den teilweise rekonstruierten Mauern einer stattlichen alten Burg, wo wir die erste Führung erlebten. 1277 wurde hier als Besitzer ein Herr Simon eingesetzt, dessen Geschlecht etwa 100 Jahre bestand. 1397 war ein Siebenbürger Wojwode, 1424 – 27 Pipo (mit Burg Pipovar) Besitzer. Der große Turm wurde 1505 – 09 errichtet, und es erfolgte der Umbau in Renaissance.

1543 Türkenbesetzung, Rückeroberung 1648 durch Ludwig von Baden (Türkenlouis). Nach 1700 war die Burg im Besitz des Geschlechts von Limburg (Niederlande).               Im Rá kozy-Aufstand blieb sie in kaiserlicher Hand, danach ging ihre militärische Bedeutung verloren. 1821 – 60 im Besitz der Sina, 1930 Kauf durch Abtei von Zive. Wiederherstellung der Burg von 1964 – 74, heute im ersten Stock Waffensammlung (z.B. Bartgewehr = Hakenbüchse), Helme und Rüstungen etc., im zweiten Stock Portraitsammlung aus 250 Jahren Hochadel, im dritten Stock moderne Galerie.

 

Die Burg wurde eher als Palast verwendet, wie die Fenster im Turm zeigen. In der Ruine des Rittersaals findet man Bodenfliesen aus 1302, einen gleichaltrigen Säulenunterteil mit restauriertem Oberteil, einen Türfang aus 1502 und ein Renaissancefenster aus 1502 – 09 mit Gitterspuren (Korbfenster). In der Emailausstellung (3. Stock) ungarische Künstler der Gegenwart mit interessantem „Seelenschiff“.

 

Im Hotel Palatinus nahe dem Hauptplatz von Pécs waren wir wieder gut untergebracht und fanden am Abend unsere bevorzugten Lokale von früher wieder. Für gute Steaks und Getränke war gesorgt.

 

Am zweiten Tag ging es mit dem Bus nach Mohács mit seinem neu erbauten Infocenter in Form der Stephanskrone aus Glas und Stahl. Bekanntlich fand dort die Schlacht von Mohács am 29. 8. 1526 gegen eine große Übermacht von Türken unter Suleiman II dem Großen statt, in welcher der König von Ungarn und Böhmen, Ludwig II., mit seinen Truppen geschlagen wurde und selbst eine tödliche Verwundung erlitt. Dadurch kam Ungarn unter die Habsburger (Ferdinand I.) und über 160 Jahre war der Großteil Ungarns von den Türken beherrscht. Erst am 12. 8. 1687 gelang die Revanche durch die Kaiserlichen unter Karl von Lothringen und Ludwig von Baden (Türkenlouis). Im Infocenter sind aufschlussreiche Schaustücke (Uniformen, Waffen) ausgestellt, außerdem werden durch einen Film Eindrücke vom Ablauf der Schlacht vermittelt. Zwischen 1960 – 76 wurden fünf Massengräber entdeckt; 14000 Ungarn waren gefallen, nebst Kämpfern aus Österreich, Deutsche, Tschechen und Polen. Die Schlacht begann um 15 Uhr und war innerhalb von 1 ½ Stunden geschlagen. In den ersten zwanzig Minuten war Ungarn mit seiner Reiterei noch im Vorteil.

 

Hinter dem Infocenter ist eine Rundanlage aus Stein mit einer Bildergalerie, Beschreibungen sowie in der Mitte einer marmornen Rose (2 m) als Symbol zu sehen. Der Grund der Niederlage war die Uneinigkeit im Land, nur ein Bruchteil der möglichen Truppen war zum Kampf angetreten. Hinter dem Steinrondeau betritt man einen Teil des Schlachtfeldes mit hölzernen Grabzeichen, wie sie in Ungarn damals üblich waren. König Ludwig wurde nur 20 Jahre alt und war mit einer österreichischen Habsburger-Prinzessin verheiratet. Seine Todesart ist ungewiss, er ist vielleicht in einem Fluss ertrunken (Todesdatum etwa eine Woche nach der Schlacht). Auch ca. 15000 Pferde waren umgekommen. Die Türken teilten nach ihrem Kriegsbrauch die Leichen der Feinde. Das Eingangstor zur Gedenkstätte ist eine wuchtige Kunstschmiedearbeit mit einer symbolischen Darstellung der Kampfeinheiten. Wir waren sehr beeindruckt und fotografierten viel.

 

Am Rückweg besichtigten wir ein „Schwäbisches Dorf“ namens Feked. An diesem Arbeitstag trafen wir kaum einen Menschen auf der Straße an. Der Ort lag vor uns wie eine Filmkulisse und wir fotografierten die Häuserzeilen mit Häusern im Stil des 19. Jahrhunderts.

 

Weiter ging es nach Pécsvárad, einer alten Klosterburg, gegründet 998 noch vor König Stephan Hl. Unter Bela IV erlebte die Burg 1244 den Mongolensturm, nach der Türkenzeit erfolgte im 18. Jhdt. der wiederholte Aufbau. Durch fünf Jahrhunderte hat es verschiedene Grundbesitzer gegeben. Der mittelalterliche Teil hat eine Kapelle aus dem frühen 11. Jahrhundert, später erfolgte ein Kirchenbau im Süden des Areals, der Burgeingang befindet sich im Westwerk mit Zugbrücke und einer Barbakane (Verteidigungsanlage mit Turm). Die Kirche hatte eine Doppelapsis, was sehr selten vorkam. Ab Ende des 15. Jhdts. (Matthias Corvinus) hatte das Kloster (rechteckig) einen Kreuzgang. Zur Türkenzeit war es 160 Jahre leer. Danach zweites Benediktinerkloster von Ungarn; die Burg als Verteidigungsanlage. In der Abtei wurden durch den Königlichen Rat viele Amtsgeschäfte erledigt, davon auch die Landwirtschaft.

 

Ab 1957 wird die Liegenschaft als archäologischer Park geführt. An der Außenmauer ist eine römische Spolie (Grabstein 1 ½ m) zu sehen. Im Museum sind etliche alte Mauerteile zu sehen, die „Tulpen“- oder „Lilien“-Balustrade von italienischen Steinmetzen erzeugt; in romanischer Kapelle neuerer Mittelpfeiler von 1150. König Stephan I. war sicher hier! Noch heute beliebte Hochzeitskapelle und regelmäßige Gottesdienste, daher noch geweiht. Im Altarraum an der Decke altes Fresko im byzanthinischen Stil, Darstellung eventuell ein Erzengel. Ein gedeckter Verbindungsgang bestand zur neueren Kirche. Unter Bela IV erfolgte ab 1244 der Mongolensturm.

 

Zur Landschaft rund um Pécsvárad ist der im Hintergrund sichtbare höchste Berg des Mecsek-Gebirges mit seinen 682 m namens ZENGÖ zu erwähnen. Im Burgrestaurant genossen wir die gute Küche.

 

Nach Szigetvár ging es am dritten Tag: Rathaus aus dem 19./20. Jhdt., Löwendenkmal mit Burgkapitän Miklós Zrinyi, Banus von Kroatien. Besichtigung der örtlichen Franziskanerkirche mit Eselsrückenfenstern und einem Taufbecken – aus einem türkischen Reinigungsbecken gefertigt – sowie restauriertem türkischen Eckschmuck. Das Deckenfresko stammt von István Dorffmeister (1788) und stellt den Fall der Burg und die Rückeroberung der Stadt (1689) dar. 1960 fand eine archäologische Ausgrabung statt, bei der Holzfundamente im Moor erhalten sowie die türkische Kanzel gefunden wurden.

 

Die schön bebaute Zufahrtstraße führte uns zur Burg, die ab dem 13. Jhdt. besteht. Die Stadt selbst war immer klein und mit Palisaden und Mauern ab dem Mittelalter umgeben, besiedelt mit eher wohlhabenden Händlern, Handwerkern und einer Kleinindustrie. Es ist eine örtliche Heldentat, dass die Türken hier sehr lange (etwa einen Monat) aufgehalten wurden.

Aus dem Prospekt kann man entnehmen: „In die ungarischen Geschichtsbücher eingegangen ist die Belagerung von 1566, als Sultan Suleiman (d. Gr.) mit seinem Heer von 100000 Mann gegen Wien zog und vom damaligen Burgkapitän Miklós Zrinyi vor den Mauern der Burg zum Stehen gebracht wurde. Zrinyi verteidigte die Burg mit 2500 Soldaten, aber nachdem die äußere Festung nach pausenlosen Angriffen aufgegeben worden war, zog er sich mit den restlichen 200 Soldaten in die innere Burg zurück.  Am 5.9. verstarb Suleiman, was jedoch weder die Angreifer noch die Verteidiger wussten. Zwei Tage später brachen Zrinyi und die übriggebliebenen Soldaten aus, da sie die brennende Burg nicht länger halten konnten, und wurden bis auf fünf Mann von den Türken niedergemetzelt.“ Die Türken traten nun ohne ihren verstorbenen Sultan den „Rückzug“ an und der beabsichtigte neuerliche Marsch auf Wien war bis 1683 abgesagt. M. Zrinyi hatte schon 1556 alle türkischen Stützpunkte in der Umgebung von Szigetvár eingenommen, sodass die Stadt damals noch nicht erobert war.

 

Die Besitzer von Stadt und Burg waren die Familien Sziget (Insel), Garai und Török (15. Jhdt.), später in königlicher Hand mit Burghauptmann ab Kaiser Ferdinand I.

Die Stadt hatte eine Mauer mit Türmen; Zrinyi tér mit der St. Rochuskirche wurde 1566 zerstört. Die Dschami (Moschee) wurde im 17. Jhdt. errichtet und später zur Franziskanerkirche umgebaut. Daher ist die Apsis der Kirche nicht nach Osten wie normal ausgerichtet sondern wie die Dschami nach Mekka (weiter südlich). Die vier Stadtteile heißen: Alte Burg, Neue Burg, Altstadt, Neustadt. Fünf Dschamis mit Bädern (teilweise noch erhalten) gab es in der türkischen Zeit. Das Militär befand sich in der Altstadt. Der Almás-(=Apfel-)Bach wurde immer wieder aufgestaut, dadurch ergab der entstehende Sumpf einen gewissen Schutz der Burg.

 

Unser Weg führte uns in den nur zwei Kilometer von der Stadt entfernten Türkisch-Ungarischen Freundschaftspark, der gemäß dem Prospekt 1994, zum 500. Geburtstag von Sultan Suleiman, eingeweiht wurde. Während der Belagerung stand hier das Zelt des Sultans, in dem er in der Nacht vom 5. auf den 6. September 1566 starb. Der Park wurde 1996 durch einen Trinkbrunnen und 1997 durch eine Miklós Zrinyi-Statue erweitert, und so blicken die beiden Heerführer vier Jahrhunderte nach der Schlacht gemeinsam in Richtung Szigetvár. Der Park hat sich inzwischen zu einem regelrechten Wallfahrtsort für türkische Gastarbeiter entwickelt, die aus dem Ausland in Richtung Heimat auf Urlaub fahren.

 

Am Samstag fuhren wir nach Mecseknádasd zur „Stephanskapelle“, der dem Hl. Ladislaus geweihten Kirche aus der Arpadenzeit. Der Turm stammt aus dem 13. Jahrhundert, im 14. Jhdt. Erweiterung des Chors um südliche und westliche Mauern. Umfriedungsmauern aus 16. Jhdt., deutsche Kolonisten 1789 nach der Befreiung von den Türken. Die Belegung des Friedhofs spiegelt in alten Grabkreuzen und neueren Gräbern diese Kolonisierung wider. Letzte Restaurierung der Kirche 1969/72. Fresken aus dem 15. Jhdt. (Sigismund) und Abbilder der Hl. Elisabeth (Bela IV) und Jesus.

 

Danach kamen wir wieder nach Mánfa (bereits beschrieben im Bericht 2004). Wir erfuhren diesmal, dass die Kirche der „Lieben Frau Maria mit der Sense“ geweiht ist und der Kirchtag am 2. Juli  begangen wird, am Tag eines christianisierten heidnischen Festes „Boldogasszon“.

 

Nach Pécs zurückgekehrt, besichtigten wir im Vorbeifahren kurz die Idris-Baba-Türbe, ein sechseckiger Grabbau aus der Türkenzeit, welcher im Außenbezirk ganz verträumt in einem Park steht.

Weiters gelang es uns diesmal, eine noch in „Betrieb“ befindliche Moschee (dschami) zu besuchen und dort eine Führung zu haben. Wir konnten die Gebetsnische und die hölzernen Originaleinbauten mit kostbarsten Teppichen bestaunen und fotografieren, genauso außen die Reste des Friedhofs und das Minarett im ursprünglichen Zustand. Beim Ausgang stellten wir das Fehlen einer Kollegin mit Schrecken fest. Wie sich nach Befragung des Personals herausstellte, wollte sie bei der Eingangstür die Moschee verlassen, was aber in der Führung nicht vorgesehen ist; sie erschien nach einigen Minuten wohlbehalten beim hinteren Ausgang und wurde freudig begrüßt.

 

Ein sehr empfehlenswertes Objekt ist das Zsolnay-Mausoleum, das wir am Nachmittag besuchten.

42 Löwen aus bräunlicher Keramik flankieren den langen Stiegenaufgang zum Mausoleum am Hügel beim Fabriksgelände. Das Gebäude ist im neuromanischen Stil errichtet  und  in den Innenräumen mit wertvollster Fayence verkleidet. Bemerkenswert ist ein Zsolnay-Patent nämlich opalisierende Fayence in Blau bis einer Art von Petrol.

 

Weiters besuchten wir noch die berühmten Grabkammern neben der bereits vollständig ergrabenen Friedhofskirche aus spätantiker Zeit. Interessant ist hier, dass in der ersten Zeit des Staatschristentums die Kirchen zu klein wurden; man sieht sechs angelegte Apsiden (wie spätere Seitenaltäre), die entlang der Seitenwände ausgebaucht und auch archäologisch einmalig sind. Man fand in zwei derselben einmal Löschkalk und daneben Sand für Bauarbeiten, was man sich nicht erklären kann. Der gesamte Komplex ist nun UNESCO-Welterbe. Daher konnten die Grabkammern besonders mit leicht begehbaren Treppen und Metallrosten versehen werden. Im Unterschied zum letzten Besuch 2004 kann man viel besser fotografieren: das Grab mit dem Marienkopf, das mit dem Krug, den beiden Aposteln, schön erhaltene Weinranken etc. In der Friedhofskirche beobachteten wir auch professionelle Hochzeitsaufnahmen in dieser urtümlichen Umgebung.

 

Dann nahmen wir Abschied vom schönen Széchenyi-Platz mit dem Zsolnay-Brunnen an der südlichen Kirche oder dem türkischen Bad in der Apáca.

 

Am Sonntag, dem 15.9.13, machten wir uns mit dem ausgezeichneten Bus-Chauffeur auf die Heimreise, nicht ohne Budapest zu versäumen. Nach dreistündigem Flanieren an der Donau in dieser herrlichen Stadt mit Konsumation (diese Konditoreien!) bewegten wir uns mit dem Bus im lebhaften Nachmittagsverkehr aus der Hauptstadt hinaus und erreichten um etwa 17 Uhr unser Wien.

 

Wir danken an dieser Stelle unserem Freund und Reisebegleiter János Rudas herzlich, nicht zuletzt für die gute Auswahl der zu besichtigenden Objekte, sodass es für ältere Herrschaften nicht zu anstrengend war, obwohl wir viel gesehen haben. Allen im Hintergrund wirkenden Organisatoren sei auch der beste Dank ausgesprochen.

 

Quellennachweis:                                                                              Gerhart Maier, Sen.Arch.

Führungen und Prospekte

Gr. Brockhaus

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