Italienreise Herbst 2014

Wie jedes Jahr wurde auch heuer eine Reise von Janos organisiert.
Vom 10. bis 14. September fuhren wir nach Abano Terme.

Unser erster Besichtigungsort bei der Anreise war Portogruaro, ein Städtchen, das sich seinen mittelalterlichen Charakter bewahrt hat. Die Gegend wurde erstmals unter Otto III. erwähnt und gehörte zum Bistum Julia Concordia, dem heutigen Concordia Sagittaria, das wir auch bei der Heimreise besuchten.
Das Wetter war ideal, Sonne und 26 Grad.
In Portogruaro steht eine Gedenktafel, auf der vermerkt ist, daß 1918 Julius Raab verhinderte, daß die historische Brücke bei den Mühlen gesprengt wurde.

Anschließend fuhren wir in unser Hotel Ariston Molino. Wie der Name sagt, wurde es auf einem Platz erbaut, auf dem früher eine Mühle stand, gleichzeitig war das aber auch eine Osteria.

Für den zweiten Tag war Padua eingeplant. Wir hatten wieder Sonne und warteten gespannt auf unsere Stadtführerin. Wir wurden nicht enttäuscht, denn sie überzeugte mit exzellentem Wissen und ausgezeichnetem Deutsch.  Sie führte uns auf den Platz Prato della Valle, der beeindruckend ist. Es ist ein ovaler Platz, angeblich der drittgrößte Innenstadtplatz Europas, jedenfalls der größte Italiens. Das innere Oval wird von einem Kanal umflossen. Auf beiden Seiten des Kanals stehen Statuen von Personen, die mit Padua bzw. Italien verbunden sind, insgesamt 78 Statuen. Die am Rand des Platzes stehende Kirche Santa Giustina wird zur Zeit restauriert und wir konnten sie nicht besuchen.

Unser Weg führte uns weiter zur Antonius Basilika. Die erste Kapelle wurde um 1300 errichtet, um das Grab des heiligen Antonius aufzunehmen.

Vor der Basilika steht eine Reiterstatue des Feldherrn Erasmo de Narni, genannt Gattamelata, ausgeführt von Donatello, die erste Bronzestatue seit der Römerzeit.

Die Antonius Basilika ist auch päpstliche Basilika und mit einer Länge von 118 m sehr beeindruckend. Werke von Donatello und Fresken von Menabuoi haben mit der Bauweise zur Bekanntheit der Basilika beigetragen. Nach der Besichtigung der Basilika führte uns unsere nette Führerin zum Platz des Antenor. Hier ist das Grabmal bzw. der Sarkophag des mythischen Stadtgründers, des Trojaners Antenor und auch der Sarkophag des Entdeckers des angeblichen Grabes des legendären Gründers. Auch der Palazzo Romanin Jacur wurde uns gezeigt, in dem Dante 1306 während eines kurzen Exils lebte. Ebenso befindet sich auf dem Platz die Provinz-Verwaltung im Palazzo San Stefano.

Weiter ging es zur Universität, wo wir außer dem Festsaal auch den Lehrstuhl Galileis sehen konnten. Er lehrte hier von 1592-1610.
Beeindruckend war das Anatomische Theater, ein Seziersaal aus dem Jahre 1594.

Ein Besuch Paduas ohne Besichtigung der Capella degli Scrovegni ist undenkbar.  Die Besichtigung der Giotto Fresken wurde schon vorab in Wien terminisiert.  Man bekommt zum Akklimatisieren einen 15 minütigen Film vorgespielt und darf dann ebenfalls nur 15 Minuten die Kapelle besichtigen.

Danach ging es zum Palazzo della Ragione, erbaut 1218. Im Untergeschoß befinden sich Markthallen und im Obergeschoß der ehemalige Rats- und Gerichtssaal, genannt „Salone“. Die hölzerne Dachkonstruktion ist kielähnlich ausgeführt.

Wir waren alle schon redlich müde und versuchten uns im naheliegenden Cafe zu stärken.
Dann war es Zeit für den Rückweg zum Bus.
Einige hatten noch Zeit und Interesse für einen Kurzbesuch im nahen Dom-Baptisterium, das sehr beeindruckend  ist.

Die Rückfahrt zum Hotel war auf Grund der kurzen Entfernung schnell vorbei und jeder konnte sich nach eigenem Bedürfnis den Abend gestalten.

Am dritten Tag war uns der Wettergott leider nicht hold und wir brauchten unsere Regenausrüstung.
Auf dem Plan stand  Vicenza, die Palladiostadt.
Schon beim ersten Punkt, der Wallfahrtskirche auf dem Monte Berico, kamen die  Regenschirme zum Einsatz. Zum Glück sind Gemälde ja nicht im Freien und so konnten wir in Ruhe das Veronese Gemälde betrachten und auch kurz die Kirche besuchen.

An der Villa Almerico Capra Valmarana, genannt La  Rotonda fuhren wir ja nur vorbei, stiegen aber trotz des Regens bei einem Fotostopp kurz aus dem Bus.

Der nächste Höhepunkt war das Teatro Olimpico, das erste freistehende Theater seit der Antike.
Die Bauweise ist einem römischen Theater nachempfunden, natürlich überdacht.
Die Sitzreihen sind stufenförmig im Halboval angeordnet und bieten 800 Personen Platz.
Die Bühnenwand bleibt immer unverändert. Durch drei Portale sieht man die fix montierten Kulissen, die ein idealisiertes Theben darstellen.  Um Tiefenwirkung zu erreichen, steigt der Bühnenboden an und die Häuser sind perspektivisch verkleinert. Ein Angestellter demonstrierte beim Mittelportal den sich nach hinten verengenden sichtbaren Einschnitt.

Danach ging es zur Kirche des Klosters der Dominikanerinnen. Die Reliquie ist ein Dorn aus der Dornenkrone, daher auch der Name Santa Corona. Hier konnten wir auf Seitenaltären das Bellini Gemälde „Taufe Christi“ und von Veronese „die Anbetung der drei Weisen“ bewundern.
Besonders beeindruckend ist der Hochaltar, der wahrscheinlich von Palladio entworfen, aber von Albanesi umgesetzt wurde.
Palladio wurde in dieser Kirche auch beigesetzt.

Weiter ging es vorbei an einigen Palladio-Palazzi zum Palazzo Barbaran da Porto, in dem das Palladio-Museum untergebracht ist. Es wird hier in diesen Sälen, die mit wunderbaren Deckenverzierungen ausgestattet sind, anschaulich über  das Werk Palladios informiert.

Weiter ging es zur sog. Basilika Palladiana, dem Palazzo della Ragione, Markt- und Gerichtsgebäude. Der Piazzo dei Signori ist das Zentrum von Vicenza und wahrscheinlich immer von Leben und Treiben erfüllt, was wir allerdings nicht nachvollziehen konnten, weil es leider immer noch regnete.
So schauten wir nur kurz auf den der Basilika gegenüberliegenden Palazzo del Monte di Pieta, der früher als Pfandhaus diente und die Kirche San Vincenzo einrahmt sowie auf die Loggia del Capitano, die Sitz des venezianischen Statthalters war.
Der Platz wird begrenzt durch den leicht schiefen Turm Torre di Piazzo aus dem 12. Jh. sowie die zwei Säulen mit dem Erlöser und dem venezianischen  Löwen.

Hier wurden wir auch in unsere Freizeit, wenn sie auch begrenzt war, entlassen und jeder suchte sich ein trockenes Plätzchen zum Essen oder was immer.
Zum Glück hatte der Himmel ein Einsehen und der Regen hörte auf, so daß wir die Möglichkeiten Vicenzas bis zum nächsten Treffen nutzen konnten.

Mit dem Bus ging es weiter nach Cervarese Santa Croce, wo im Castello San Martino ein Museum untergebracht ist. Dieses Castello mit einem kleinen Turm liegt etwas außerhalb des Ortes und beherbergt die Funde, die aus dem Fluß Bacchiglione geborgen wurden.

Von den vielen Eindrücken waren wir zwar müde, aber unser Fahrer Dragan brachte uns wie immer gut und sicher nach kurzer Fahrt in unser Hotel zurück.

Auch am Samstag schien wieder die Sonne und wir konnten auf der Fahrt nach Arqua Petrarca die Gegend genießen. Die Stadt hat einen unteren und einen oberen Teil.
Petrarcas Grab und Sarkophag befindet sich unten vor der Kirche Maria Assunta.
Sein Haus, in dem auch das Museum eingerichtet ist,  steht im oberen Teil.
Dieses Haus hat ihm ein Freund geschenkt und er hat hier seine letzten Jahre zugebracht.
Im Museum kann man lesen, daß er 1371 in einem Brief an einen Freund schrieb, daß er aus der Stadt flieht,  sie ist ihm Gefängnis. Er möchte leben in einem abgelegenen Dorf, das Haus von Olivenbäumen und Weingärten umgeben und seine Zeit mit Lesen und Schreiben verbringen.

Im oberen Teil befindet sich auch die Loggia der Vikare, wo früher Probleme besprochen und Entscheidungen getroffen wurden. Das Läuten der Glocke zeigte das Ende der Sitzung an, worauf sich alle dann zum Gebet vereinten.

Es war zwar schon Mittagszeit, aber wir hatten vor dem gebuchten Mittagessen mit Weinverkostung noch einen Termin, das Nationalmuseum in Este.
Este war bereits in der Altsteinzeit eine bedeutende Siedlung, die wertvollen Fundstücke im Museum beweisen dies. Im Mittelalter war Este eine der wichtigsten befestigten Städte für die Sicherheit der umliegenden Ländereien.
Die eindrucksvolle Burg wurde im 14. Jh. erbaut und ist von einer 1000 m langen Einfriedung mit  12 Türmen umgeben. Heute befindet sich hier ein städtischer Park.
Von der Burg sind außer dem Turm nur Mauerreste erhalten.
Im Museum ist alles sehr übersichtlich angeordnet und die Besichtigung war sehr interessant.

Anschließend fuhren wir zu unserem wohlverdienten Mittagessen, das allen sehr gut schmeckte.
Auch der Wein fand Anklang. Wir fühlten uns auf dem Bauernhof bei Boccon alle wohl.
Fast jeder fand im Verkauf auch etwas Passendes zum Mitnehmen.

Einen wichtigen Besichtigungspunkt hatten wir noch vor uns, die mauerbewehrte Stadt Montagnana. Dies ist eine der schönsten befestigten Städte Italiens.
Die 2000 m zinnengekrönten Mauern, die sie umschließen, sind fast vollständig erhalten und werden von 24 sechseckigen Türmen überragt.
Die gewaltige Burg St. Zeno ist heute Sitz des Stadtmuseums. Wir spazierten durch die Straßen und waren beeindruckt. Jährlich gibt es in Montagnana auch einen historischen Palio.

Auf der Rückfahrt zum Hotel fuhren wir durch die Thermengegend, weil ein Fotostopp bei Monselice vorgesehen war. Schloß Chini thront majestätisch über der Stadt auf dem Berg.
Am Bergabhang stehen malerisch die Heiligtümer der Sieben Kirchen.

Auf dieser Fahrt kamen wir glücklicherweise auch durch Montegrotto und konnten so zumindest durch das Busfenster einen Teil der Ausgrabungen sehen, zum besichtigen hatten wir leider nie Zeit.

Und schon war das Ende der Reise gekommen. Für die Heimfahrt waren nur zwei größere Aufenthalte bzw. Besichtigungen vorgesehen.
In Concordia Sagittaria besichtigten wir die freigelegte Unterkirche bzw. die Grundmauern der Vorgängerkirche und auch das Baptisterium.

Ein längerer Zwischenstopp wurde auch in San Daniele im Friaul eingelegt, wo natürlich der Schinken verkostet werden mußte.
Aber auch die Kultur kam nicht zu kurz. Einige besichtigten die Taufkirche San Antonio, die reichlich mit Fresken geschmückt ist.

Somit war die Reise wie immer wieder ein voller Erfolg, wofür wir uns ganz herzlich bei Janos bedanken wollen. Es hat alles geklappt und war bestens organisiert.
Selbstverständlich gilt unser Dank auch seinen Helfern, besonders Carlo, der keine beneidenswerte Aufgabe hat.

Quelle: lokale Prospekte und Internet                                                           Paula Kettner, Sen.Arch.