Frühjahrsreise in die Slowakei

(26. bis 28. April 2018)

Da es sich auf Grund der Veränderungen wahrscheinlich um die letzte Reise unserer Gruppe gehandelt hat, sollte schon  aus nostalgischer Sicht darüber kurz berichtet werden.

Unser Ziel waren diesmal die Bergbaustädte in der Mittelslowakei, die alle in die  Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen wurden.

Für viele von uns war es eine angenehme Überraschung, Herrn Eugen als Fahrer zu haben. Er hat uns schon bei einigen Fahrten sehr sicher ans Ziel gebracht und war auch immer bei  Ausflügen und Besichtigungen dabei. Frau Blanka Corna ist für die Slowakei zuständig, stieg in Bratislava zu und hat uns während der Reise sehr umsichtig und gekonnt betreut.

Am Donnerstag konnte uns das nicht sehr freundliche Wetter nicht wirklich die gute Laune verderben und so ging es mit Regenschirmen zum ersten Besichtigungspunkt, der Stadtburg in KREMNICA/Kremnitz. Das Schloss steht erhöht über der Stadt und besteht aus mehreren Gebäuden aus dem 14. Jh., auch einer spätgotischen Schlosskirche, die der Hl. Katharina geweiht ist. Berühmt ist die Orgel, jährlich werden Orgelkonzerte veranstaltet. Der frühgotische Karner ist mit Wandgemälden aus dem Leben des Hl. Erasmus ausgestattet und ist der älteste Bau des Burgkomplexes.

Die Aussicht auf die Unterstadt ist beeindruckend. Von der ehemaligen Stadtmauer ist noch sehr viel erhalten. Durch ein mächtiges Tor kommt man auf den großen rechteckigen Platz in der Unterstadt, wo sich alle bedeutenden Gebäude befinden, die Münzprägeanstalt, das Rathaus, die Dreifaltigkeitssäule, ein Kloster, ein Brunnen. Das Münzmuseum besichtigten wir nach der Mittagspause, die wir sehr angenehm im nahen Gasthaus verbrachten.

Die Sammlung in dem historischen Gebäude erstreckt sich von den Anfängen des Geldwesens bis zur gegenwärtigen Währung. Selbstverständlich gibt es auch viele Medaillen in der Sammlung. Es wird erwähnt, daß die Brüder von Raphael Donner in Kremnica gelebt und gewirkt haben. In Kremnica wurde Gold abgebaut, die Stadt hat daher auch den Namen Goldenes-Kremnitz.

Leider blieb keine Zeit, den in der Nähe befindlichen sog. Mittelpunkt der Slowakei zu besuchen. Neben einer Kirche befindet sich dieser Hinweis auf einem Stein und wird gerne bei Reisen eingeplant.

ZVOLEN/Altsohl mit seinem mächtigen Schloss vor der Stadt war unser nächstes Ziel. Bei dem kurzen Besuch und vor der eigentlichen Saison war der Eindruck nicht wirklich großartig. Im Sommer werden hier im Burghof Opern oder Theaterstücke aufgeführt und können beeindrucken.

Auch das Innere des Schlosses ist interessant, es gibt hier eine Expositur der Slowakischen Nationalgalerie. Wir machten noch einen kurzen Spaziergang den Hauptplatz entlang, vorbei an der evangelischen Dreifaltigkeitskirche und der katholischen Kirche, die der Hl. Elisabeth geweiht ist. Kurz sahen wir auch das Theater, in das im Sommer bei Regen ausgewichen werden muß.

Zvolen ist eine sehr alte Stadt und erhielt bereits im 13. Jh. das Stadtrecht.

Unsere Fahrt ging weiter nach  HRONSEK/Zwickelsdorf zur 1725/26 erbauten  Artikularkirche. Der Bau wurde von den nordischen Holzkirchen beeinflusst. Es handelt sich dabei um eine evangelische Kirche, die nach einem Erlass unter bestimmten Voraussetzungen gebaut werden durfte: sie mußte aus Holz gebaut sein, ohne eiserne Nägel, durfte keinen Turm haben, mußte innerhalb eines Jahres und außerhalb der geschlossenen Ortschaft errrichtet werden und durfte keinen direkten Zugang zur Straße haben.

Alle Bedingungen wurden hier erfüllt. Das Kirchenschiff ist in Kreuzform errichtet und von jedem der 1100 Sitzplätze sieht man den Altar. 2008 wurde sie in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen.

Jetzt ging es weiter zum Hotel Lux in BANSKÁ BYSTRICÀ/Neusohl. Durch den in der Nähe abgebauten Kupfer stieg die Bedeutung rasch an. Im 15. und 16. Jh. war hier die Kupfergesellschaft Fugger-Thurso erfolgreich tätig.

Am Freitag begannen wir unsere Besichtigungen bei sonnigem warmen Wetter mit einer Fahrt in das nahe Bergdorf SPANIA DOLINA/Herrengrund, dem eigentlichen Abbaugebiet. Sehr malerisch liegt das Dorf im engen Tal. Die oftmals umgebaute Kirche steht auf der Berghöhe und blickt auf die aus Holz und Stein errichteten Häuser der Bergleute.

Wir besuchten das interessant gestaltete Bergbaumuseum. Wer wollte, konnte dann über 160 Stufen zur Kirche emporsteigen oder ein Stück in den nahen Stollen hineingehen.

BANSKÁ BYSTRICA besichtigten wir am Nachmittag. Der leicht ansteigende Hauptplatz mit seinen historischen Bürgerhäusern ist sehr beeindruckend. Die vielen Kirchtürme, der schiefe Uhrturm, die Stadtburg hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Leider konnten wir die Barbarakapelle in der Kirche nicht besichtigen und damit auch nicht den berühmten Flügelaltar von Paul von Levoca. Alle berühmten Gebäude hier anzuführen ist nicht möglich. Die Aufnahme in die UNESCO Liste des Weltkulturerbes ist berechtigt.

Den Abschluß des Tages bildete in der 1959 erbauten Oper die Aufführung von „La Gioconda“ von Amilcare Ponchielli.

Auch am Samstag, dem letzten Tag unseres Aufenthaltes war das Wetter schön. Zuerst besuchten wir einen der Teiche, die sich ganz natürlich in die Landschaft fügen und heute zur Erholung genutzt werden.

Für den Bergbau wurde sehr viel Wasser benötigt. Als davon nicht genügend zur Verfügung stand, drohte dem Bergbau das Ende. Ein Maschinenmeister mit Namen Hell entwickelte Anfang 18.Jh. ein System mit Teichen, verbunden durch Kanäle,  wodurch Wasser dorthin geleitet werden konnte, wo es gebraucht wurde.

Für diese technische Leistung wurde das Gebiet um Banská Stiavnica in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. In dieser Gegend wurde vorwiegend Silber abgebaut.

Der nächste Punkt war das Museum im Schloß Sväty Anton. Dieses Schloß birgt nach einem Umbau die Symbolik eines Jahreskalenders in sich: 4 Flügel (Jahreszeiten), 12 Schornsteine (Monate), 52 Zimmer, 7 Arkaden, 365 Fenster.

Das Kastell gehörte dem Geschlecht Koháry, gelangte dann durch Heirat in den Besitz der Familie Coburg. Ferdinand, der erste Zar von Bulgarien, lebte in diesem Schloß vor seiner Krönung und nach seiner Abdankung zugunsten seines Sohnes. Das Schloß ist heute in staatlichem Besitz und ist dem Ministerium für Forstverwaltung unterstellt.

Anschließend war Zeit fürs Mittagessen. Unsere Reiseleiterin hat sich hier etwas Besonderes einfallen lassen, ein Lokal mit einem tollen Blick auf  die Stadt  BANSKÁ STIAVNICA/Schemnitz, die wir anschließend besichtigten. Wir kamen zum Marktplatz mit der Pestsäule, sahen von außen das Rathaus und die Katharinenkirche. Das neue Schloß liegt zu entlegen, auf den Aufstieg zum alten Schloss haben wir verzichtet. Nach einem kurzen Rundgang beendeten wir die Stadtbesichtigung und setzten unsere Heimreise fort.

Es ist schade, daß es diese Gemeinschaft so nicht mehr geben wird. Wir können aber dankbar auf die schönen Jahre zurückblicken, die wir gemeinsam verbringen konnten und die vielen interessanten Reisen, die Janos für uns organisierte.

Paula Kettner, Sen. Archäologin
Quellen für Infos und Fremdfotos: Prospekte und Internet